Türkisch-Deutsche Universität

Türkei will in Kooperation mit Deutschland neue Imame ausbilden

Seit langem wird über die Imame aus der Türkei diskutiert. Nun soll eine neue Lösung her. Ein erstes Dekret wurde erlassen.

15
06
2022
Imamausbildung
Symbolbild: Imame, Imamausbildung

Die türkische Regierung will künftig ihre Imame für Deutschland an der Türkisch-Deutschen Universität (TDU) in Istanbul ausbilden lassen. Hierzu soll eine theologische Fakultät an der TDU eingerichtet werden. Ein entsprechendes Dekret wurde Anfang Juni vom türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdoğan erlassen.

Die Türkisch-Deutsche Universität wurde 2008 in Kooperation zwischen der türkischen und deutschen Regierung gegründet und wird aus Bundesmitteln mitfinanziert. Auf Anfrage der Zeitung „Welt“ bestritt das zuständige Bundesbildungsministerium allerdings, dass es einen effektiven Beschluss über die Einrichtung der Fakultät gebe.

Eine Sprecherin sagte laut Zeitung „Welt“, dass die Gründung einer neuen Fakultät an der TDU allein den dafür zuständigen Gremien der TDU obliege und „gemeinsam von der deutschen und türkischen Seite beschlossen werden“ muss. Zuständig sei der paritätisch zusammengesetzte deutsch-türkische Lenkungsausschuss der Universität. Mit dem Thema habe sich dieser noch nicht befasst.

Muslime bilden ihre eigenen Imame aus

Seit langem wird über eine Imamausbildung diskutiert. Doch die islamischen Religionsgemeinschaften haben ihre eigenen Ausbildungsmodelle, die sie von Jahr zu Jahr erweitern. So bildet der Islamrat gemeinsam mit der Islamische Gemeinschaft Millî Görüş (IGMG) an der Berufsfachschule Muslimischer Führungskräfte (BeMuF) seit Jahren Imame aus. Im Sommer dieses Jahres haben Dutzende junge Imame ihr Abschlussdiplom erhalten und ihre Arbeit als Imame aufgenommen. 

Auch die Türkisch-Islamische Union der Anstalt für Religion (DITIB) startete im Jahre 2006 das Programm „Internationale Islamische Theologie (UIP)“ in Kooperation mit der Diyanet. Junge Abiturienten genießen in der Türkei ein Studium in islamischer Theologie und werden dann als Imame in den DITIB-Moscheen eingesetzt. Aktuell arbeiten mehr als 150 Religionsbeauftragte in den Moscheen. Weiterhin startete die DITIB eine Ausbildungsprogramm für Imame, welches als Ergänzung zum Studium diene.

Eine weitere islamische Religionsgemeinschaft, die ihre Imame in Deutschland ausbildet, ist der Verband der islamischen Kulturzentren (VIKZ). Die Ausbildung zum Imam in VIKZ-Gemeinden dauert 3 Jahre, dem sich ein Praktikumsjahr anschließt. Inhalt der Ausbildung sei die islamische, systematische und praktische Theologie. (KNA, iQ)

Leserkommentare

Marco Polo sagt:
Herrscher Erdogan muß lernen, daß Deutschland keinen Wert auf einen weiteren Einfluß Ankaras und der türkischen Religionsbehörde Diyanet auf deutsche Zustände und Einrichtungen legt. Die Etablierung eines staatlichen "Erdogan-Islam" in Deutschland ist unerwünscht und abwegig. Die Mehrheit der Bevölkerung will solches sowieso nicht und lehnt derartige Bestrebungen vehement ab. Islamische Erdogan-Dekrete finden in Deutschland keinerlei Interesse oder Wirksamkeit. Wenn der Überrumpler Erdogan meint, er müsse vorpreschen, dann muß er eben wieder zurückpreschen. Denn seine Kooperationsvorstellungen auf Koran-Basis laufen hier ins Leere. Die Bundesregierung ist mehr als skeptisch und traut der ganzen Sache überhaupt nicht. Erdogans TDU in Istanbul lieferte schon genügend Skandale und vernichtende Schlagzeilen. 2021 fiel ein Dozent mit homophoben, rassistischen Aussagen auf und twitterte: "Wir spucken auf eure beschissene EU." Der Politologe Kutay sagte zudem, der Islam verfluche Homosexualität. Dies berichtete auch die 'Welt' mit klaren Worten. Der Essener Politologe Copur kritisierte, die TDU sei zu einer "politisierten Lobbyeinrichtung des Erdogan-Regimes" verkommen. Für solche islamischen Auswüchse besteht in Deutschland keinesfalls eine Willkommenskultur, auch keine Toleranz oder Akzeptanz.
16.06.22
2:45