Islamfeindlichkeit

Jugendliche attackieren Elfjährige Muslimin

Zwei Jugendliche griffen in Sebnitz ein irakisches Mädchen an. Die Elfjährige Muslimin wurde geschlagen und rassistisch beleidigt.

09
12
2019
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Niedersachsen Politisch motivierte Kriminalität
Symbolbild: Politisch motivierte Kriminalität © shutterstock, bearbeitet by iQ.

Zwei Jugendliche sollen am Nikolaustag vor einem Supermarkt in Sebnitz (Osterzgebirge) ein irakisches Mädchen angegriffen haben. Sie hätten der Elfjährigen Muslimin das Kopftuch vom herunter gerissen, eine 17-Jährige habe sie an den Haaren gezerrt und sie so zu Fall gebracht, teilte die Dresdner Polizei am Sonntag mit. Danach soll ein 16-Jähriger zweimal zugetreten haben, während seine Begleiterin dem Mädchen den Mund zuhielt. Dabei sollen sie gesagt haben: „Was wollt ihr hier bei uns, macht Euch zurück in Euer Land!“.

Integrationsministerin Petra Köpping (SPD) verurteilte die Tat. „Solche Übergriffe sind unerträglich“, sagte sie in Dresden. „Nicht nur, dass hier ein paar Halbstarke ein kleines Mädchen attackierten, offensichtlich ist es auch noch rassistisch motiviert.“ Köpping machte dafür auch eine immer stärker vergiftete Debattenkultur verantwortlich und forderte: „Das verbale Zündeln von AfD und Pegida muss ein Ende haben!“

Die Angaben zur Tat beruhen auf der Strafanzeige der Elfjährigen Muslimin. Es gebe derzeit keinen Grund, an der Glaubwürdigkeit des Opfers zu zweifeln, sagte ein Polizeisprecher. Die mutmaßlichen Täter seien aufgesucht worden und machten bisher von ihrem Recht zu schweigen Gebrauch. Gegen die beiden ermittelt die Polizei unter anderem wegen gefährlicher Körperverletzung.

813 Übergriffe gegen Muslime

Im vergangenen Jahr hat es bundesweit 813 Übergriffe gegen Muslime und Moscheen in Deutschland gegeben – das waren deutlich weniger als 2017 mit 1075 islamfeindlichen und antimuslimischen Straftaten. Allerdings stieg die Zahl der Verletzten deutlich von 32 auf 54. Das geht aus einer Antwort des Bundesinnenministeriums auf eine Anfrage der Linken-Fraktion hervor, die der „Neuen Osnabrücker Zeitung“ vorliegt. Die Bundesregierung verweist darauf, dass durch Nachmeldungen die endgültigen Zahlen noch höher liegen dürften.

Bei fast allen Straftaten gehen die Behörden davon aus, dass es sich bei den Tätern um Rechtsextremisten handelt. Es sei dabei um Nazischmierereien, Drohbriefe, Beleidigungen, Sachbeschädigung und Volksverhetzung gegangen. Über die Höhe des Schadens konnte das Ministerium keine Angaben machen.

Die Linken-Innenexpertin Ulla Jelpke, die die Anfrage gestellt hatte, geht von einer deutlich höheren Dunkelziffer aus. Die in der Statistik enthaltenen Straftaten seien nur die Spitze des Eisbergs. „Viele alltägliche Übergriffe, Beleidigungen und Diskriminierungen gegen Muslime werden gar nicht erst erfasst.“ (dpa, iQ)