Dokumentations- und Beratungsstelle

Antimuslimischer Rassismus in Österreich auf Höchststand

Mit 1.684 dokumentierten Vorfällen erreicht antimuslimischer Rassismus in Österreich 2025 einen neuen Höchststand – die Dokustelle spricht von einer „besonders besorgniserregenden Entwicklung“.

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06
2026
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Muslime Österreich Kopftuch
Muslime in Österreich © shutterstock, bearbeitet by iQ.

Der aktuelle Jahresbericht 2025 der Dokumentations- und Beratungsstelle Islamfeindlichkeit & antimuslimischer Rassismus (Dokustelle Österreich) zeigt eine alarmierende Entwicklung: Mit 1.684 registrierten Vorfällen wurde der höchste Wert seit Beginn der Erhebungen verzeichnet. Die Dokumentationsstelle spricht von einer besonders besorgniserregenden Entwicklung und verweist darauf, dass die tatsächliche Zahl antimuslimischer Übergriffe aufgrund einer hohen Dunkelziffer deutlich höher liegen dürfte.

Die dokumentierten Fälle machen deutlich, dass antimuslimischer Rassismus für viele Muslim in Österreich weiterhin Teil ihrer Lebensrealität ist. Besonders betroffen sind muslimische Frauen, die häufig von mehrfachen Diskriminierungserfahrungen betroffen sind. Die Vorfälle reichen von Hassrede und Beleidigungen über institutionelle Benachteiligungen bis hin zu körperlichen Übergriffen.

Anstieg antimuslimischer Vorfälle

Rund 63 Prozent aller registrierten Fälle ereigneten sich im digitalen Raum. Gleichzeitig zeigt der Bericht einen Zusammenhang zwischen politischen Debatten und dem Anstieg antimuslimischer Vorfälle auf. Nach Angaben der Dokustelle stiegen die Meldungen insbesondere im Zusammenhang mit öffentlichen Diskussionen über muslimisches Leben, religiöse Symbole und restriktive politische Maßnahmen deutlich an. Diese Entwicklungen wirken sich spürbar auf das Sicherheits- und Zugehörigkeitsgefühl vieler Muslim in Österreich aus.

Besondere Aufmerksamkeit widmet der Bericht auch Formen institutioneller Diskriminierung. So werden Fälle dokumentiert, in denen Schülerinnen bereits vor Inkrafttreten gesetzlicher Regelungen zum Kopftuch unter Druck gesetzt wurden, ihr Kopftuch abzulegen. In einzelnen Fällen sollen Lehrkräfte sogar Klassen darüber abstimmen lassen haben, ob ein Mädchen ihr Kopftuch tragen dürfe. Darüber hinaus verweisen Studien der Dokustelle auf strukturelle Benachteiligungen im Gesundheits- und Justizbereich, die das Vertrauen Betroffener in staatliche Institutionen beeinträchtigen können.

Schüssen auf eine Moschee und ein Mordfall

Mit großer Sorge verweist der Bericht zudem auf schwerwiegende Gewalttaten. Neben Schüssen auf eine Moschee in Niederösterreich wird erstmals auch ein rassistisch motivierter Mordfall mit antimuslimischem Tatverdacht angeführt. Die Dokustelle sieht darin eine neue Eskalationsstufe antimuslimischer Gewalt in Österreich.

Der Bericht zeigt außerdem, dass antimuslimische Inhalte zunehmend von Personen des öffentlichen Lebens verbreitet werden. Der Anteil der dokumentierten Fälle, die von Politiker und Medienschaffenden ausgehen, ist im Vergleich zu den Vorjahren gestiegen. Gleichzeitig bleiben Einzelpersonen weiterhin die größte Gruppe der erfassten Täter.

Angesichts dieser Entwicklung fordert die Dokustelle die rasche Umsetzung eines Nationalen Aktionsplans gegen Rassismus. Ein wirksamer und langfristiger Schutz vor Diskriminierung erfordere konkrete politische Maßnahmen, institutionelle Sensibilisierung sowie die konsequente Bekämpfung rassistischer Strukturen.

„Antimuslimischer Rassismus ist ein Warnsignal für gesamte Gesellschaft“

Die Islamische Glaubensgemeinschaft in Österreich (IGGÖ) sieht die Ergebnisse des Berichts mit großer Besorgnis. IGGÖ-Präsident Ümit Vural betont: „Die steigende Zahl antimuslimischer Übergriffe ist nicht nur ein Problem für Muslim. Sie ist ein Warnsignal für unsere gesamte Gesellschaft. Wo Menschen aufgrund ihrer Religion ausgegrenzt werden, geraten Zusammenhalt, Respekt und demokratische Werte unter Druck.“

Antimuslimischer Rassismus gefährdet nicht nur die unmittelbar Betroffenen, sondern auch den gesellschaftlichen Zusammenhalt und die demokratischen Grundwerte Österreichs. Die IGGÖ dankt der Dokustelle für ihre wichtige Arbeit in der Dokumentation, Beratung und Unterstützung von Betroffenen und fordert verstärkte Anstrengungen auf politischer, gesellschaftlicher und institutioneller Ebene. Ein respektvolles Miteinander, die Anerkennung von Vielfalt sowie die Wahrung der Menschenwürde aller Menschen sind grundlegende Voraussetzungen für ein friedliches und solidarisches Österreich.