Ein Freibad in der Südtiroler Gemeinde Salurn führt ab Ende Juli eine wöchentliche Badezeit für muslimische Frauen ein. Das Angebot soll die gesellschaftliche Teilhabe fördern und stößt neben Kritik aus der Politik auch auf Unterstützung.

Ein Freibad in der Südtiroler Gemeinde Salurn führt ab Ende Juli eine zusätzliche Badezeit ausschließlich für muslimische Frauen ein. Das Bad bleibt dafür einmal pro Woche eine Stunde länger geöffnet. Nach Angaben des Betreibers soll das Angebot Frauen den Zugang zum Schwimmbad erleichtern, die dieses aus religiösen oder kulturellen Gründen bislang kaum nutzen konnten.
Das Projekt entstand in Zusammenarbeit mit örtlichen Vereinen. Während der zusätzlichen Öffnungszeit ist auch das Tragen eines Burkinis erlaubt. Nach Angaben des Betreibers reiht sich das Angebot in weitere Sondernutzungen des Freibads ein. So stehen einzelne Zeiten bereits für Yoga-Gruppen oder die Jugendfeuerwehr zur Verfügung.
Unterstützung erhält das Vorhaben unter anderem vom Bozner Theologen Don Paolo Renner. Gegenüber der Nachrichtenagentur Ansa sagte er, Toleranz bedeute, Menschen mit anderen Lebensweisen zu akzeptieren. Respekt gehe darüber hinaus und heiße, auf deren Bedürfnisse einzugehen, wo dies möglich sei. Die neue Badezeit könne deshalb einen Beitrag zur sozialen Teilhabe leisten. Gerade in Salurn funktioniere das Zusammenleben gut, sagte Renner.
Auch die Südtiroler Senatorin Julia Unterberger begrüßte die Initiative. Sie erklärte, das Angebot ermögliche Frauen, die das Schwimmbad sonst wahrscheinlich nicht besuchen würden, Sport zu treiben, sich zu begegnen und öffentliche Räume zu nutzen. Von einer Ausgrenzung könne deshalb keine Rede sein.
Kritik kommt hingegen von rechten Parteien wie der Lega und den Freiheitlichen. Sie sehen in der zusätzlichen Badezeit eine Trennung von Männern und Frauen und sprechen von einem falschen Signal für die Integration.Frauenbadezeiten sind in Europa jedoch keine Seltenheit.
Auch in Städten wie München oder Wien gibt es seit Jahren spezielle Schwimmzeiten für Frauen. Diese richten sich zwar nicht ausschließlich an Musliminnen, werden aber auch von ihnen genutzt.