Nach dem starken Abschneiden der AfD bei der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt warnen muslimische Vertreter und Kirchen vor gesellschaftlicher Spaltung. Sie fordern den Schutz von Menschenwürde und Religionsfreiheit.

Nach dem starken Abschneiden der AfD bei der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt haben Vertreter der muslimischen Gemeinschaft und der Kirchen ihre Sorge über die politischen Folgen geäußert. Die Islamische Gemeinschaft Millî Görüş (IGMG) warnte davor, dass Minderheiten unter politischen Druck geraten könnten. Die Kirchen mahnten zu einem respektvollen gesellschaftlichen Miteinander.
„Das Wahlergebnis ist demokratisch zustande gekommen“, erklärte IGMG-Generalsekretär Ali Mete. Demokratie erschöpfe sich jedoch nicht in Mehrheiten. Menschenwürde, Gleichheit und Religionsfreiheit stünden nicht zur Abstimmung und müssten auch dann geschützt werden, wenn Minderheiten politisch unter Druck gerieten.
Das Ergebnis sei weder zu verharmlosen noch zu hysterisieren, betonte Mete. Rechtsextreme Positionen und Angriffe auf Minderheiten dürften ebenso wenig kleingeredet werden wie Wählerinnen und Wähler pauschal beschimpft werden. Die Religionsfreiheit von Musliminnen und Muslimen sei ein Grundrecht und keine politische Gefälligkeit.
Auch die Kirchen in Sachsen-Anhalt zeigten sich nach der Wahl „mit großer Sorge“. „Diese Landtagswahl hat die politischen Verhältnisse in Sachsen-Anhalt tiefgreifend verändert. Das Land ist gespalten. Unsere Sorge gilt dem sozialen Frieden und dem Miteinander der Menschen in unserem Bundesland“, teilten die Bischöfe der evangelischen und der katholischen Kirche in Sachsen-Anhalt, Friedrich Kramer und Gerhard Feige, sowie der Kirchenpräsident der Evangelischen Landeskirche, Karsten Georg Wolkenhauer, mit.
Den Geistlichen zufolge zeigt das Wahlergebnis eine große Unzufriedenheit in weiten Teilen der Bevölkerung. „Wir Kirchen stehen auch nach der Wahl fest an der Seite jener, die mit wachsamem Blick auf die Politik der AfD schauen“, erklärte Bischof Kramer.
Auch EKD, Deutsche Bischofskonferenz und Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen erklärten, sie würden nicht schweigen, wenn Menschenwürde verletzt, die Demokratie gefährdet oder der Rechtsstaat ausgehöhlt werde. Das Zentralkomitee der deutschen Katholiken bezeichnete das Wahlergebnis als Weckruf für ganz Deutschland. (dpa, iQ)