CLAIM-Lagebild

Islamrat sieht antimuslimischen Rassismus als Sicherheitsproblem

Der Islamrat warnt vor zunehmendem antimuslimischem Rassismus in Deutschland. Nach einem neuen Lagebild wurden im Jahr 2025 mehr als 4.000 Vorfälle dokumentiert. Betroffene würden im Alltag nicht ausreichend geschützt.

25
06
2026

Der Islamrat für die Bundesrepublik Deutschland warnt vor antimuslimischem Rassismus und sieht darin ein zunehmendes Sicherheitsproblem. Der Verband fordert von der Bundesregierung mehr Aufmerksamkeit sowie einen besseren Schutz für Betroffene in Schulen, Behörden und bei der Polizei.

Der Vorsitzende des Islamrats, Burhan Kesici, erklärte laut Mitteilung, antimuslimischer Rassismus sei „längst ein Sicherheitsproblem für Musliminnen und Muslime sowie für Menschen, die dafür gehalten werden“. Wenn Betroffene Angst hätten, versage der Rechtsstaat.

Anlass der Forderungen ist ein am Mittwoch vorgestelltes Lagebild der Initiative CLAIM. Danach wurden im Jahr 2025 insgesamt 4.096 antimuslimische Vorfälle dokumentiert, darunter 214 Fälle von Körperverletzung.

Kesici bezeichnete antimuslimischen Rassismus als Angriff auf die gesamte Gesellschaft. Betroffen seien nicht nur einzelne Personen, sondern auch das Vertrauen in staatliche Schutzversprechen. Hinter den Zahlen stünden konkrete Menschen, darunter Kinder, Eltern und Beschäftigte im Alltag, so Kesici. Gleichzeitig verweist der Islamrat auf eine hohe Dunkelziffer, da viele Fälle aus Angst oder mangelndem Vertrauen nicht gemeldet würden.

Bundesregierung darf nicht wegschauen

Der Isramrat kritisiert zudem die politische Reaktion auf das Thema. Die Bundesregierung dürfe „die Augen vor diesem Problem nicht weiter verschließen“, sagte Kesici. Wer Gewalt und alltägliche Ausgrenzung nicht ausreichend beachte, sende ein „fatales Signal“.
Besonders Schulen, Behörden und Polizei trügen eine besondere Verantwortung. Dort, wo Schutz und Gleichbehandlung erwartet würden, dürften keine zusätzlichen Hürden entstehen, heißt es in der Mitteilung. Auch indirekte Diskriminierung könne dazu führen, dass Betroffene sich nicht ernst genommen fühlten.

Rassismus beginne nicht erst bei körperlichen Angriffen, sondern bereits bei pauschalen Zuschreibungen gegenüber Menschen aufgrund ihres Glaubens oder äußeren Erscheinungsbildes. Der Staat müsse dem entschieden entgegentreten, um gesellschaftlichen Zusammenhalt zu sichern, fordert der Islamrat abschließend.

Leserkommentare

grege sagt:
slamische Verbände fordern zu Recht, dass Islamfeindlichkeit als ernstes gesellschaftliches Problem anerkannt wird. Wenn Vorfälle gehäuft auftreten, darf man nicht von Einzelfällen sprechen. Umso mehr überrascht es, dass zugleich oft empfindlich reagiert wird, wenn islamistischer Extremismus thematisiert wird und ebenfalls darauf hingewiesen wird, dass es sich dabei nicht um reine Einzelfälle handelt. Häufig folgt dann der Hinweis auf unzulässige Pauschalisierung. Dieses unterschiedliche Maß wirkt inkonsequent. Wer zu Recht fordert, gesellschaftliche Probleme klar zu benennen, sollte dies auch dann akzeptieren, wenn es um problematische Entwicklungen in anderen Kontexten geht. Dabei ist die Sachlage eigentlich klar: Militante Gewalt geht in allen Bereichen – ob islamistisch oder rechtsextrem – von kleinen Minderheiten aus. Gleichzeitig können bestimmte extremistische Narrative oder Einstellungen über diese kleinen Gruppen hinaus wirken und Anschluss in Teilen der Gesellschaft finden. Gerade deshalb braucht es eine offene, nüchterne Debatte – ohne Verharmlosung, aber auch ohne reflexhafte Abwehr. Voraussetzung dafür ist jedoch, dass für alle Themen die gleichen Maßstäbe gelten. Wer Sensibilität gegenüber Generalisierungen einfordert, sollte sie konsequent in beide Richtungen anwenden.
30.06.26
19:12