Jahresbericht

Meldestelle CLAIM erfasst 4096 Angriffe auf Muslime im Jahr 2025

Diskriminierungen, Beleidigungen und Gewalt gegen Muslime haben zugenommen. Ein neues Lagebild der Meldestelle Claim registriert für 2025 insgesamt 4.096 antimuslimische Vorfälle und warnt vor einem hohen Dunkelfeld.

24
06
2026
0
Übergriffe auf Muslime © Shutterstock, bearbeitet by iQ.
Symbolbild: Muslimin mit Kopftuch © Shutterstock, bearbeitet by iQ.

Die Zahl dokumentierter antimuslimischer Vorfälle in Deutschland ist im vergangenen Jahr gestiegen. Wie aus dem am Mittwoch veröffentlichten Lagebild der Organisation CLAIM hervorgeht, wurden 2025 bundesweit 4.096 Fälle registriert – 33 Prozent mehr als im Vorjahr und doppelt so viel wie die Bundesregierung.

Nach Angaben von CLAIM ereigneten sich damit im Durchschnitt mehr als elf dokumentierte antimuslimische Vorfälle pro Tag. Erfasst wurden Diskriminierungen, Beleidigungen, Bedrohungen, Sachbeschädigungen sowie körperliche Angriffe. Die tatsächliche Zahl dürfte nach Aussage von CLAIM-Co-Geschäftsführerin Rima Hanano deutlich höher liegen, da viele Betroffene Vorfälle weder meldeten noch anzeigten.

Die häufigste Form antimuslimischer Anfeindungen waren verbale Angriffe. Sie machten mit 2.379 Fällen mehr als 60 Prozent aller dokumentierten Vorfälle aus. Hinzu kamen 840 Diskriminierungen sowie 680 weitere Fälle verletzenden Verhaltens, darunter Körperverletzungen und Sachbeschädigungen. Das Lagebild dokumentiert zwei Tötungsdelikte, 214 Körperverletzungen, vier schwere Körperverletzungen beziehungsweise versuchte Tötungen sowie fünf Brandstiftungen. Zudem wurden 61 Angriffe auf Moscheen und insgesamt 64 Übergriffe auf religiöse Einrichtungen verzeichnet.

Frauen mit Kopftuch am meisten betroffen

Frauen sind den Angaben zufolge besonders häufig betroffen. In den Fällen, in denen Angaben zum Geschlecht vorlagen, entfielen knapp zwei Drittel der Vorfälle auf Frauen. Dies betreffe insbesondere sichtbar muslimische Frauen mit Kopftuch.Für das Lagebild wertete CLAIM Meldungen von 38 Beratungs- und Dokumentationsstellen in 15 Bundesländern, Daten der politisch motivierten Kriminalität, Medienberichte sowie direkte Meldungen von Betroffenen aus.

Betroffene besser schützen

Antimuslimischer Rassismus gehöre für viele Menschen zum Alltag und schädige das Vertrauen in Politik und staatliche Institutionen, so Hanano. Die dokumentierten Fälle zeigten, dass Ausgrenzung und Diskriminierung nicht nur im öffentlichen Raum, sondern auch in Schulen, auf dem Wohnungsmarkt, am Arbeitsplatz und im Kontakt mit Behörden vorkämen.

CLAIM fordert unter anderem einen Ausbau der staatlichen Erfassung antimuslimischer Hasskriminalität und eine bessere Unterstützung von Betroffenen. Antimuslimischer Rassismus sei kein Randphänomen, sondern komme aus der Mitte der Gesellschaft, betonte Hanano. (KNA, iQ)