ADAS-Auswertung

Antimuslimische Vorfälle an Berliner Schulen nehmen zu

Muslimische Schülerinnen und Schüler erleben an Berliner Schulen laut einer Auswertung von Diskriminierungsfällen regelmäßig Benachteiligungen. In den meisten gemeldeten Fällen sollen Lehrkräfte beteiligt gewesen sein.

24
06
2026
Junge Muslimin mit Kopftuch © Shutterstock, bearbeitet by IslamiQ.
Junge Muslimin mit Kopftuch © Shutterstock, bearbeitet by IslamiQ.

Antimuslimischer Rassismus gehört nach Einschätzung einer Berliner Beratungsstelle für viele muslimische Schülerinnen und Schüler zum Schulalltag. Das geht aus aktuellen Daten der Anlaufstelle für Diskriminierungsschutz an Schulen (ADAS) hervor, die zum bundesweiten Tag gegen antimuslimischen Rassismus am 1. Juli vorgestellt werden.

Demnach war antimuslimischer Rassismus im Jahr 2025 mit 100 dokumentierten Fällen die häufigste Form der bei ADAS gemeldeten Diskriminierung. Rund 76 Prozent der Fälle gingen nach Angaben der Beratungsstelle von Lehrkräften oder anderem Schulpersonal aus.

Die dokumentierten Vorfälle reichen von abwertenden Äußerungen bis hin zu Eingriffen in die Religionsausübung. So sollen Schülerinnen und Schüler teilweise am Beten gehindert worden sein. In einem anderen Fall habe eine Lehrkraft eine Gruppe Jugendlicher mit palästinensischen Terroristen verglichen. Betroffene berichteten zudem von Zuschreibungen wie „nicht richtig deutsch“, „nicht leistungsstark genug“ oder „zu wenig demokratisch“.

Die Sozialwissenschaftlerin Sabine Gauch, die bei ADAS für das Monitoring zuständig ist, sprach von strukturellen Problemen. Die Vorfälle seien in allen Berliner Bezirken und Schulformen zu beobachten und dürften nicht als Einzelfälle betrachtet werden. Zugleich verwies sie auf eine hohe Dunkelziffer. Viele Betroffene würden Diskriminierungen aus Angst vor negativen Folgen oder aus Resignation nicht melden.

Nach Angaben von ADAS stammen 64 Prozent der Meldungen von Eltern. Nur ein kleiner Teil werde direkt von Schülerinnen und Schülern eingereicht. Häufig hätten Betroffene bereits erfolglos versucht, Vorfälle schulintern anzusprechen, bevor sie sich an die Beratungsstelle wandten. Die Beratungsstelle fordert einen konsequenteren Umgang mit Diskriminierung und eine stärkere Sensibilisierung an Schulen.

Leserkommentare

grege sagt:
Der Artikel über angeblich zunehmende antimuslimische Vorfälle an Berliner Schulen wirft wichtige Fragen auf, bleibt in der Darstellung jedoch aus meiner Sicht in zentralen Punkten unzureichend kontextualisiert. Die geschilderten Fälle beruhen überwiegend auf Meldungen von Betroffenen oder Beratungsstellen. Dadurch wird vor allem eine Seite des Konflikts sichtbar, während die Perspektive der beschuldigten Lehrkräfte sowie mögliche Ergebnisse schulischer Klärungen weitgehend fehlen. Es bleibt daher unklar, in welchem Umfang die gemeldeten Fälle nach Prüfung tatsächlich als Diskriminierung bestätigt wurden oder ob es sich teilweise um missverständliche oder konflikthafte Situationen im Schulalltag handelt. Auch einzelne Beispiele wirken ohne Kontext schwer einzuordnen. Aussagen wie, Schüler würden „mit Terroristen verglichen“ oder ihnen werde das Beten verboten, können je nach konkreter Situation sehr unterschiedlich zu bewerten sein. Ohne Kenntnis der jeweiligen Vorgeschichte bleibt die Einordnung offen. Hinzu kommt, dass Begriffe wie „Demokratiedefizit“ im Zusammenhang mit Schülerkonflikten eher unpräzise erscheinen. Solche Situationen lassen sich in der Regel genauer als Mobbing, sozialer Druck oder gruppenbezogene Konflikte beschreiben. Auffällig ist zudem, dass in der Berichterstattung des Portals Islamiq.de wiederholt ähnliche Darstellungsweisen auftreten: Häufig werden zunächst vage geschilderte Vorfälle relativ schnell als Diskriminierungsfälle eingeordnet, ohne dass der jeweilige Kontext oder Gegenperspektiven in vergleichbarem Umfang dargestellt werden. Aus dieser wiederkehrenden Struktur kann sich bei langjähriger Lektüre der Eindruck eines bestimmten Deutungsmusters bzw. einer bestimmten Narrativbildung ergeben. Auch der Begriff „Demokratiedefizit“ erscheint in diesem Zusammenhang überzogen, da er üblicherweise strukturelle Probleme politischer Teilhabe beschreibt und weniger auf individuelle Schülerkonflikte anwendbar ist. Insgesamt entsteht so der Eindruck einer verkürzten Darstellung, bei der gemeldete Wahrnehmungen stärker im Vordergrund stehen als eine umfassende Einordnung des jeweiligen schulischen Kontextes.
24.06.26
19:51