Muslimische Schülerinnen und Schüler erleben an Berliner Schulen laut einer Auswertung von Diskriminierungsfällen regelmäßig Benachteiligungen. In den meisten gemeldeten Fällen sollen Lehrkräfte beteiligt gewesen sein.

Antimuslimischer Rassismus gehört nach Einschätzung einer Berliner Beratungsstelle für viele muslimische Schülerinnen und Schüler zum Schulalltag. Das geht aus aktuellen Daten der Anlaufstelle für Diskriminierungsschutz an Schulen (ADAS) hervor, die zum bundesweiten Tag gegen antimuslimischen Rassismus am 1. Juli vorgestellt werden.
Demnach war antimuslimischer Rassismus im Jahr 2025 mit 100 dokumentierten Fällen die häufigste Form der bei ADAS gemeldeten Diskriminierung. Rund 76 Prozent der Fälle gingen nach Angaben der Beratungsstelle von Lehrkräften oder anderem Schulpersonal aus.
Die dokumentierten Vorfälle reichen von abwertenden Äußerungen bis hin zu Eingriffen in die Religionsausübung. So sollen Schülerinnen und Schüler teilweise am Beten gehindert worden sein. In einem anderen Fall habe eine Lehrkraft eine Gruppe Jugendlicher mit palästinensischen Terroristen verglichen. Betroffene berichteten zudem von Zuschreibungen wie „nicht richtig deutsch“, „nicht leistungsstark genug“ oder „zu wenig demokratisch“.
Die Sozialwissenschaftlerin Sabine Gauch, die bei ADAS für das Monitoring zuständig ist, sprach von strukturellen Problemen. Die Vorfälle seien in allen Berliner Bezirken und Schulformen zu beobachten und dürften nicht als Einzelfälle betrachtet werden. Zugleich verwies sie auf eine hohe Dunkelziffer. Viele Betroffene würden Diskriminierungen aus Angst vor negativen Folgen oder aus Resignation nicht melden.
Nach Angaben von ADAS stammen 64 Prozent der Meldungen von Eltern. Nur ein kleiner Teil werde direkt von Schülerinnen und Schülern eingereicht. Häufig hätten Betroffene bereits erfolglos versucht, Vorfälle schulintern anzusprechen, bevor sie sich an die Beratungsstelle wandten. Die Beratungsstelle fordert einen konsequenteren Umgang mit Diskriminierung und eine stärkere Sensibilisierung an Schulen.