Bertelsmann-Stiftung

Studie: Religiosität kann gesellschaftlichen Zusammenhalt stärken

Mehr Glaube, mehr Zusammenhalt? Eine neue Studie zeigt bei religiösen Menschen im Schnitt höhere Werte für den gesellschaftlichen Zusammenhalt. Doch zwischen den Religionsgemeinschaften gibt es deutliche Unterschiede.

29
09
2026
0
Gegen Spaltung für Zusammenhalt
Gegen Spaltung für Zusammenhalt

Religiosität kann einer neuen Studie zufolge den gesellschaftlichen Zusammenhalt stärken. Menschen mit mittlerer oder hoher Religiosität erreichen im neuen Religionsmonitor der Bertelsmann-Stiftung im Durchschnitt höhere Zusammenhaltswerte als wenig oder gar nicht religiöse Menschen. Zugleich zeigen sich deutliche Unterschiede zwischen den Religionsgemeinschaften.

Wie die Stiftung am Dienstag mitteilte, erreichen wenig oder gar nicht religiöse Befragte im Gesamtindex durchschnittlich 49 Punkte. Bei mittelreligiösen Menschen sind es 53 Punkte, bei Hochreligiösen 52 Punkte.

„Religion kann soziale Beziehungen festigen, Hilfsbereitschaft fördern und Menschen zum Engagement motivieren“, erklärte die Mitautorin der Studie, Yasemin El-Menouar. Entscheidend sei offenbar weniger die bloße Zugehörigkeit zu einer Religionsgemeinschaft als die gelebte religiöse Praxis und die soziale Einbindung, so die Soziologin und Islamwissenschaftlerin.

Für die repräsentative Untersuchung wurden im März gut 5.000 Menschen zwischen 18 und 94 Jahren befragt. Der Index misst den gesellschaftlichen Zusammenhalt auf einer Skala von 0 bis 100. Dabei bündelt er Angaben der Befragten zu sozialen Kontakten, Vertrauen, Zugehörigkeit, Engagement und weiteren Faktoren.

Gesellschaftlicher Zusammenhalt hat sich verbessert

Insgesamt hat sich demnach der gesellschaftliche Zusammenhalt in Deutschland nach einem deutlichen Rückgang wieder verbessert. Der Gesamtindex stieg von 46 Punkten im Jahr 2023 auf 51 Punkte. 2017 hatte er bei 54 Punkten und 2020 bei 55 Punkten gelegen. Das frühere Niveau ist damit noch nicht wieder erreicht.

Besonders verbessert haben sich die sozialen Beziehungen. Deren Wert stieg von 49 Punkten 2023 auf 57 Punkte. Auch die Gemeinwohlorientierung liegt mit 53 Punkten vergleichsweise hoch. Das politische Interesse erreicht mit 65 Punkten den höchsten Wert im betrachteten Zeitraum.

Schwach bleibt dagegen das Vertrauen in die Bundesregierung. Es liegt wie 2023 bei 37 Punkten, das Gerechtigkeitsempfinden fällt auf 25 Punkte und damit auf den niedrigsten Wert seit 2017.

Starke Religiosität führt zu mehr Gemeinwohl

Evangelische Befragte erreichen im Gesamtindex durchschnittlich 55 Punkte, katholische 53 Punkte, Konfessionslose 49 Punkte und muslimische Befragte 46 Punkte. Die Stiftung warnt jedoch davor, den vergleichsweise niedrigeren Wert muslimischer Befragter mit einer geringeren Bereitschaft zu Solidarität oder gesellschaftlichem Engagement gleichzusetzen.

Bei muslimischen Befragten zeigt sich zugleich ein besonderes Muster: Mit zunehmender Religiosität steigen die Werte bei sozialen Beziehungen und Gemeinwohlorientierung. Die Verbundenheit mit dem Gemeinwesen sinkt dagegen von 46 Punkten bei wenig oder gar nicht religiösen Muslimen über 42 Punkte bei mittelreligiösen auf 28 Punkte bei hochreligiösen.

Als mögliche Erklärungen nennt die Studie Diskriminierung, mangelnde gesellschaftliche Anerkennung und begrenzte institutionelle Repräsentation. Auch eine stärkere Orientierung an der eigenen religiösen Gemeinschaft könnte eine Rolle spielen. (KNA, iQ)