Eine 14-jährige Muslimin ist in Bergen gestorben, nachdem sie aus ihrer Familie genommen und in staatliche Obhut gegeben worden war. Angehörige erheben Vorwürfe gegen die Betreuung. Polizei und Behörden untersuchen den Fall.

Der Tod einer 14-jährigen muslimischen Jugendlichen in staatlicher Obhut sorgt in Norwegen für Diskussionen über den Kinderschutz. Die aus Tschetschenien stammende Meryem war Anfang August aus ihrer Familie genommen und dem norwegischen Kinderschutzsystem Barnevernet übergeben worden. Wenige Wochen später starb sie in einem Krankenhaus in Bergen.
Nach Angaben von Angehörigen hatte Meryem während ihres Aufenthalts in einer Einrichtung der norwegischen Kinder- und Jugendbehörde Bufetat mehrfach mit der Familie telefoniert. Dabei habe sie berichtet, dass ihr unter anderem Schweinefleisch angeboten werde und sie deshalb nicht ausreichend essen könne. Kurz vor ihrem Tod habe sie erneut einer Angehörigen gesagt, dass sie Hunger habe. Die Familie äußert deshalb Zweifel an der Betreuung der Jugendlichen.
Die Polizei leitete nach ihrem Tod Ermittlungen ein. Nach ersten Angaben gebe es bislang keine Hinweise darauf, dass Meryem infolge einer Straftat oder einer anderen strafbaren Handlung gestorben sei. Die Ermittler untersuchen den Ablauf der Ereignisse und werten unter anderem Zeugenaussagen, Spuren und digitale Daten aus.
Auch die zuständigen Behörden haben eine Untersuchung eingeleitet. Dabei soll geprüft werden, ob Meryem während ihrer Unterbringung angemessen betreut und versorgt wurde. Nach Angaben der Behörden soll zudem die medizinische Versorgung untersucht werden.
Ein unmittelbarer Zusammenhang zwischen den von der Familie geschilderten Problemen bei der Ernährung und dem Tod der Jugendlichen ist bislang nicht offiziell festgestellt. Die Untersuchungen dauern an.
Auch zwei Brüder Meryems sollen sich weiterhin in staatlicher Obhut befinden. Vertreter der tschetschenischen Gemeinschaft in Norwegen fordern eine umfassende Aufklärung des Falls. Der tschetschenische Menschenrechtsbeauftragte Mansur Soltajew kündigte zudem an, sich an russische Behörden wenden zu wollen.