Berlin

Mann wirft Aschenbecher auf Muslimin

In Berlin hat ein Mann von seinem Balkon aus eine muslimische Frau mit Kopftuch angepöbelt und einen Aschenbecher in ihre Richtung geworfen.

07
07
2021
Polizei sucht Täter
Polizei © Shutterstock, bearbeitet by iQ

Am Montag wurde eine kopftuchtragende Muslimin Opfer eines islamfeindlichen Übergriffs. Laut Polizeibericht habe ein Mann gegen 15 Uhr in der Ernst-Barlach-Straße auf dem Balkon einer Wohnung in der vierten Etage lautstark brüllte und einen Aschenbecher in die Richtung einer vorbeigehenden Frau, bekleidet mit einem Kopftuch, warf.

Der Aschenbecher verfehlte die Passantin knapp. Beim Eintreffen der alarmierten Einsatzkräfte konnte die unbekannte Frau nicht angetroffen und ermittelt werden. Durch die Aussagen der Zeugen konnte der Werfer in einer Wohnung des Mehrfamilienhauses ermittelt werden.

Der 43-Jährige wirkte stark alkoholisiert und gab an, dass er den Aschenbecher in Richtung der Muslimin geworfen habe, weil er „Fremde nicht leiden kann“. Bei einem Atemalkoholtest stellten die Einsatzkräfte bei dem Tatverdächtigen einen Wert von über drei Promille fest. Er wurde zu einer Polizeidienststelle gebracht und konnte diese nach einer Blutentnahme wieder verlassen.

Die Ermittlungen gegen ihn wegen des Verdachts der versuchten gefährlichen Körperverletzungen mit rassistischem Hintergrund dauern an.

Mehr als 900 Angriffe auf Muslime

Im vergangenen Jahr hat es laut einem Bericht wieder mehr Übergriffe auf Muslime und muslimische Einrichtungen wie Moscheen in Deutschland gegeben – und das trotz der Corona-Beschränkungen des öffentlichen Lebens. Mindestens 901 islamfeindliche und antimuslimische Straftaten registrierten die demnach Behörden bundesweit. Bei den Taten wurden demnach 48 Menschen verletzt. 

Leserkommentare

Vera sagt:
Der Aschenbecherwurf mit Pöbelei in Richtung einer später unauffindbaren Passantin ist wichtig. Aber wären aktuellere Meldungen über die Würzburger Messerattacke nicht wichtiger? Der 24-jährige (mutmaßliche) Täter Abdirahman J. tötete mit einem Küchenmesser drei Frauen (24-49-82 J.) und verletzte sechs Personen lebensgefährlich: vier Frauen (26-39-52-73 J.), ein 11-jähriges Mädchen und einen 16-jährigen Jugendlichen. Drei weitere Männer (38-52-57 J.) wurden leicht verletzt. Ein islamistischer Hintergrund steht weiterhin als Tatmotiv im Raum lt. Bekräftigung durch Innenminister Herrmann, wenn auch Anhaltspunkte für eine psychische Beeinträchtigung vorliegen. Der Somalier stach gezielt vor allem auf Kopf und Hals seiner Opfer ein. Couragiertes Eingreifen von Bürgern (m/w) hätte klar dazu geführt, dass der Täter nicht noch weitere Menschen töten oder schwer verletzen konnte, so Herrmann. Die Ermittlungen laufen noch. Die Bluttat von Würzburg und die Balkontat in Berlin - zwischen beiden Angriffen liegen Welten, die entsprechend berücksichtigt werden sollten.
07.07.21
21:11
Johannes Disch sagt:
@Vera... Genau das ist der Punkt: Über Hanau gibt es hier Artikel in Endlosschleife. Über den muslimischen Täter aus Somalia in Würzburg bisher gerade mal einen. Ein Untersuchungsausschuss über Hanau, weil der Notruf nicht erreichbar war. Und die Frage, warum der Mann Waffen besitzen durfte. Alles berechtigt. Ich bin aber mal gespannt, ob hier nach dem Würzburger Täter genauso nachdrücklich ein Untersuchungsausschuss gefordert wird. Schließlich war auch dieser Mann schon seit längerem auffällig und man frägt sich, warum er nicht im Fokus der deutschen Behörden war.
08.07.21
12:44