Das Srebrenica Memorial Center hat binnen eines Jahres 149 Fälle von Völkermordleugnung dokumentiert – mehr als 50 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Die Stiftung warnt vor wachsender Verharmlosung und antimuslimischer Hetze.

Das Srebrenica Memorial Center hat in Bosnien und Herzegowina innerhalb eines Jahres einen deutlichen Anstieg von Leugnungen des Völkermords von Srebrenica registriert. Nach dem am Donnerstag vorgestellten Jahresbericht dokumentierte die Gedenkstätte im Zeitraum von Mai 2025 bis Mai 2026 insgesamt 149 Fälle. Im vorherigen Erfassungszeitraum waren es 99 gewesen.
Nach Angaben der Autoren entfielen 94 Fälle auf die direkte Leugnung des Völkermords an den Bosniaken von Srebrenica. Weitere Vorfälle betrafen die Relativierung oder Rechtfertigung des Verbrechens sowie die öffentliche Verherrlichung verurteilter Kriegsverbrecher.
Zudem wurden Fälle erfasst, in denen die Taten zwar anerkannt, ihre rechtliche Einstufung als Völkermord jedoch bestritten wurde.
Das Memorial Center sieht die Leugnung trotz des seit 2021 geltenden Verbots in Bosnien und Herzegowina weiterhin als weit verbreitet an. Sie erfolge über politische Äußerungen, Medienberichte, öffentliche Institutionen und zunehmend auch über soziale Netzwerke. Eine konsequente strafrechtliche Verfolgung bleibe vielfach aus.
Der Direktor des Memorial Centers, Emir Suljagić, erklärte, die systematische Dokumentation solle dauerhaft festhalten, wie politische und öffentliche Akteure mit dem Völkermord umgingen. Völkermordleugnung diene nicht der Aufarbeitung der Vergangenheit, sondern der Umdeutung historischer Tatsachen und der Beeinflussung künftiger Generationen.
Die Autoren des Berichts warnen zudem vor einer organisierten Entmenschlichung von Bosniaken und Muslimen. Diese gehe über Einzelfälle hinaus und sei Teil einer politischen Strategie. Die Gedenkstätte kündigte an, Leugnung, die Verherrlichung verurteilter Kriegsverbrecher sowie antimuslimische Hetze weiter systematisch zu dokumentieren.
Im Juli 1995 ermordeten bosnisch-serbische Truppen nach der Einnahme der UN-Schutzzone Srebrenica 8.372 bosniakische Männer und Jungen. Internationale Gerichte, darunter der Internationale Gerichtshof und das UN-Kriegsverbrechertribunal für das ehemalige Jugoslawien, stuften die Verbrechen als Völkermord ein.