Beschimpfungen auf der Straße, Benachteiligungen im Beruf und in Schulen: Die Meldestelle Medar NRW hat für das Jahr 2025 insgesamt 104 antimuslimische Vorfälle erfasst. Besonders häufig betroffen waren Frauen mit Kopftuch.

Die Melde- und Dokumentationsstelle antimuslimischer Rassismus in Nordrhein-Westfalen (Medar NRW) hat für das Jahr 2025 insgesamt 104 antimuslimische Vorfälle dokumentiert. Das geht aus dem ersten Jahresbericht der Stelle hervor, der am Montag veröffentlicht wurde.
Die Meldungen reichen von Beleidigungen und Bedrohungen bis hin zu Benachteiligungen im Bildungs- und Arbeitsleben. Besonders häufig betroffen waren Frauen. Nach Angaben von Medar waren 70 Prozent der dokumentierten Betroffenen weiblich. In mehr als der Hälfte der Fälle trugen die Betroffenen ein Kopftuch oder eine Abaya.
Seit März 2025 können Vorfälle anonym über ein Onlineportal gemeldet werden. Insgesamt gingen bis Ende Februar 2026 bei Medar 181 Meldungen ein. Darunter befanden sich auch ältere Fälle, unvollständige Angaben sowie 21 Hass- und Angriffsmeldungen gegen die Meldestelle selbst.
Der größte Teil der dokumentierten Vorfälle ereignete sich im öffentlichen Raum, etwa auf Straßen, in Geschäften oder in öffentlichen Verkehrsmitteln. Weitere Fälle betrafen den Arbeitsplatz und Bildungseinrichtungen. Im Schulbereich wurden unter anderem Meldungen erfasst, wonach Schülerinnen und Schüler als „Terroristen“ oder „Islamisten“ bezeichnet wurden oder Lehrkräfte das Tragen eines Kopftuchs infrage stellten.
Nach Angaben der Meldestelle handelte es sich bei 84 Prozent der Vorfälle um Belästigungen. Häufig seien sogenannte Mikroaggressionen dokumentiert worden – also alltägliche Bemerkungen oder Handlungen, durch die Menschen herabgesetzt oder als nicht zugehörig dargestellt würden. Zwölf Prozent der Meldungen enthielten Gewalt.
In zahlreichen Fällen berichteten Betroffene von Angst, Ohnmacht oder dem Gefühl, nicht ausreichend geschützt zu sein. Medar betont zugleich, dass die Zahlen nicht repräsentativ seien und lediglich die gemeldeten Fälle abbildeten. Das tatsächliche Ausmaß antimuslimischer Vorfälle in Nordrhein-Westfalen dürfte nach Einschätzung der Stelle deutlich höher liegen.