Schweiz

Kopftuch an Schulen: Verband fordert klare Regeln für Lehrerinnen

In der Schweiz will der Lehrerverband neue Regeln zum Kopftuch an Schulen festlegen: Schülerinnen dürfen es tragen, Lehrerinnen sollen darauf verzichten. Die Debatte über Neutralität und Religionsfreiheit spitzt sich weiter zu.

12
04
2026
Schon vor Gesetzesreform erlaubt Berlin Lehrerinnen mit Kopftuch (c)shutterstock, bearbeitet by iQ
Schon vor Gesetzesreform erlaubt Berlin Lehrerinnen mit Kopftuch (c)shutterstock, bearbeitet by iQ

In der Schweiz verschärft sich die Debatte um das Kopftuch im Schulalltag. Der Dachverband der Lehrpersonen (LCH) will in Kürze ein Positionspapier zu Kleidervorschriften verabschieden, das insbesondere den Umgang mit religiösen Symbolen regelt.

Nach einem internen Entwurf soll künftig zwischen Schülerinnen und Lehrpersonen unterschieden werden. Während Schülerinnen weiterhin ein Kopftuch tragen dürfen, sollen Lehrerinnen im Unterricht auf sichtbare religiöse Symbole verzichten. Begründet wird dies mit der konfessionellen Neutralität öffentlicher Schulen, die für Lehrpersonen besonders strikt gelten müsse.

Innerhalb des Verbandes ist die Position umstritten

Der Entwurf verweist zudem auf ein Urteil des Schweizer Bundesgerichts aus dem Jahr 1997, das ein Kopftuchverbot für eine Lehrerin bestätigte und später vom Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte gestützt wurde. Innerhalb des Verbandes ist die Position jedoch umstritten. Präsidentin Dagmar Rösler spricht von einer schwierigen und kontroversen Debatte zwischen rechtlichen Vorgaben und unterschiedlichen pädagogischen Haltungen.

Auch politisch sorgt das Thema für Konflikte. Bürgerliche Politikerinnen und Politiker fordern zunehmend Einschränkungen für Kopftücher bei Lehrpersonen und verweisen auf die Vorbildfunktion im Schulunterricht. Im vergangenen Jahr hatte ein Fall im Kanton St. Gallen, bei dem eine Lehrerin ihre Stelle wegen ihres Kopftuchs nicht antreten durfte, die Debatte weiter angeheizt. Das Egerkinger Komitee prüft zudem eine Volksinitiative für ein umfassenderes Kopftuchverbot an Schulen.

Auf der anderen Seite warnen linke Parteien vor Eingriffen in die Religionsfreiheit. Die SP sieht Kopftuchverbote für Lehrpersonen als unverhältnismässig und diskriminierend, betont jedoch zugleich die Bedeutung religiöser Neutralität im öffentlichen Bildungsraum. Damit bleibt offen, wie Schulen künftig mit religiösen Symbolen umgehen sollen – zwischen Neutralitätsanspruch, Religionsfreiheit und gesellschaftlicher Spannungszone.

Leserkommentare

Irmela Mensah-Schramm sagt:
Eine Lehrerin mit Kopftuch ist für die Behörden offenbar das größere Risiko als 'rechte' Lehrerinnen - also auch Lehrtkräfte ? Darf ein jüdischer Lehrer dann auch nicht mit der Kippa unterrichten ? Dem gegenüber meine Wahrnehmung währe4nd meiner bundesweiten Workshop-Projekte ("Mit bunten arben gegen braune Parolen") dass immer wieder muslimische Schülerinnen und Schüler antisemitische Hassbotschaften mit beeindruckernden friedlich-solidarischen Antworten verfremdet haben!
12.04.26
17:54
Marco Polo sagt:
Hier ist von "Eingriffen in die Religionsfreiheit" zu lesen. Warum lese ich hier gar nichts über religiöses Dominanzstreben islamisch aktiver Gruppierungen und Machtstrukturen?
12.04.26
18:36