77. Jahrestag des Grundgesetzes

KRM zum Grundgesetz: Demokratie und Grundrechte aktiv verteidigen

Zum 77. Jahrestag des Grundgesetzes ruft der KRM dazu auf, Menschenwürde, Grundrechte und gesellschaftlichen Zusammenhalt aktiv zu schützen.

24
05
2026
Grundgesetz
Grundgesetz

Anlässlich des 77. Jahrestags des Grundgesetzes mahnt der Koordinationsrat der Muslime (KRM) zu einem entschlossenen Schutz der Verfassung und warnt vor einer zunehmenden Relativierung grundlegender demokratischer Werte. „Das Grundgesetz ist das Fundament unseres Zusammenlebens und Ausdruck der Verantwortung für die Würde jedes Menschen. Gerade in einer Zeit gesellschaftlicher Spannungen darf seine Geltung nicht relativiert werden“, erklärt KRM-Sprecher Laurent Ibra.

Mit Blick auf die historische Bedeutung des Grundgesetzes erinnert der KRM daran, dass die deutsche Verfassung als Konsequenz aus Krieg, Diktatur und Menschenverachtung entstanden sei und die Würde des Menschen bewusst in den Mittelpunkt der staatlichen Ordnung gestellt habe. Die darin verankerten Grundrechte – darunter Menschenwürde, Religionsfreiheit, Gleichbehandlung und der Schutz der Familie – seien bis heute tragende Säulen von Frieden, Freiheit und gesellschaftlichem Zusammenhalt.

„Verantwortung vor Gott und den Menschen“

Für Musliminnen und Muslime in Deutschland sei das Grundgesetz weit mehr als ein rechtlicher Rahmen, betont Ibra. Die in der Präambel formulierte „Verantwortung vor Gott und den Menschen“ spiegele Werte wider, die auch im islamischen Selbstverständnis tief verankert seien. Der Schutz der Verfassung und der Grundrechte werde daher als gemeinsame gesellschaftliche Aufgabe verstanden.

Zugleich äußert der KRM Sorge über Entwicklungen im öffentlichen Diskurs. Debatten über Migration, Asyl und gesellschaftliche Zugehörigkeit würden zunehmend in einer Weise geführt, die Menschen gegeneinander ausspiele und das Vertrauen in die Gleichwertigkeit aller beschädige. Wenn Menschenwürde infrage gestellt oder Religionsfreiheit relativiert werde, berühre dies den Kern des demokratischen Zusammenlebens.

Pauschale Verdächtigungen gegenüber Muslime

Besonders antimuslimischer Rassismus und pauschale Verdächtigungen gegenüber Musliminnen und Muslimen belasteten nach Einschätzung des KRM den gesellschaftlichen Zusammenhalt. Gerade in Zeiten gesellschaftlicher Polarisierung brauche es mehr Besonnenheit, Dialogbereitschaft und eine klare Orientierung an den Grundrechten statt populistischer Zuspitzungen.

Zum Jahrestag des Grundgesetzes ruft der KRM dazu auf, die demokratische Ordnung nicht als Selbstverständlichkeit zu betrachten. „Das Grundgesetz lebt davon, dass Menschen es schützen, verteidigen und im Alltag mit Leben füllen“, so Ibra. Der Jahrestag sei daher auch ein Appell, gemeinsam Verantwortung für eine freie, gerechte und menschenwürdige Gesellschaft zu übernehmen.

Leserkommentare

grege sagt:
Grundrechte einfordern – aber bitte nicht selektiv Der Appell des Koordinationsrats der Muslime (KRM) zum Jahrestag des Grundgesetzes, Demokratie und Grundrechte aktiv zu verteidigen, ist in seiner Aussage selbstverständlich richtig. Gerade deshalb wirkt er in dieser Form umso weniger überzeugend – weil er zentrale Widersprüche ausblendet. Wer sich öffentlich auf das Grundgesetz beruft, auf Menschenwürde, Meinungsfreiheit und demokratische Prinzipien, muss sich daran messen lassen, ob diese Maßstäbe konsequent und universell angewendet werden. Genau daran entstehen hier Zweifel. Denn im KRM sind mit DITIB und dem Islamrat – in dem die IGMG eine prägende Rolle spielt – Organisationen vertreten, die seit Jahren im Kontext politischer und ideologischer Nähe zur türkischen Regierung diskutiert werden. Dieser Zusammenhang wird in öffentlichen Debatten regelmäßig thematisiert und ist kein Randaspekt. Umso problematischer ist, dass der Artikel diese Dimension vollständig ausblendet – insbesondere vor dem Hintergrund aktueller Entwicklungen. Denn gleichzeitig zeigt sich in der Türkei eine politische Realität, die in einem klaren Spannungsverhältnis zu genau den Werten steht, die der KRM hier einfordert: massiver Druck auf politische Opposition Festnahmen und juristische Maßnahmen gegen politische Gegner Einschränkungen der Meinungsfreiheit staatliches Vorgehen gegen oppositionelle Strukturen Die Ereignisse der letzten Tage, bei denen staatliche Stellen gegen oppositionelle Parteistrukturen vorgegangen sind, unterstreichen diese Entwicklung zusätzlich. 👉 Genau hier entsteht der zentrale Widerspruch: Während der KRM – und damit auch Organisationen wie DITIB und IGMG – in Deutschland zu Recht die Verteidigung von Grundrechten einfordert, bleibt eine klare Einordnung oder Distanzierung von Entwicklungen im eigenen politischen Umfeld aus. Ein solcher selektiver Maßstab untergräbt die eigene Glaubwürdigkeit. Denn das Grundgesetz ist kein politisches Instrument für situative Argumentation – es ist ein universeller Maßstab: Meinungsfreiheit gilt uneingeschränkt politische Opposition muss geschützt werden staatliche Macht ist durch den Rechtsstaat begrenzt 👉 Wer diese Prinzipien ernst nimmt, kann nicht gleichzeitig dort schweigen, wo sie unter Druck geraten – insbesondere dann nicht, wenn es erkennbare politische Bezugslinien gibt. Gerade deshalb wäre vom KRM – und ausdrücklich auch von seinen Mitgliedsorganisationen wie DITIB und IGMG – zu erwarten gewesen, diesen Zusammenhang offen anzusprechen und einzuordnen. Fazit: Der Appell zur Verteidigung von Demokratie und Grundrechten ist inhaltlich richtig – verliert aber an Überzeugungskraft, wenn er nicht von Selbstreflexion begleitet wird. 👉 Grundrechte sind unteilbar. 👉 Demokratie gilt überall – oder sie verliert ihren Anspruch. Wer sie glaubwürdig verteidigen will, muss dies ohne doppelte Maßstäbe tun – auch im eigenen Umfeld.
25.05.26
18:18