Berlin

Muslime und Kirchen verurteilen Anschlag auf Berliner CSD

Eine Person wurde getötet, zahlreiche weitere verletzt. Nach dem Anschlag auf den CSD in Berlin zeigen Muslime und Kirchen ihre Anteilnahme, gedenken der Betroffenen und warnen vor Hass und Spaltung.

26
07
2026
Symbolbiid: Polizei ermittelt nach dem Anschlag auf Berliner CSD
Symbolbiid: Polizei ermittelt nach dem Anschlag auf Berliner CSD © shutterstock, bearbeitet by IslamiQ.

Der tödliche Angriff am Rande des Berliner Christopher Street Day hat bei Kirchen und islamischen Religionsgemeinschaften gleichermaßen Entsetzen ausgelöst. Sie verurteilten die Tat scharf und warnten davor, Hass und Terror die Gesellschaft spalten zu lassen.

Der Vorsitzende des Islamrats, Burhan Kesici, verurteilte den „Terrorangriff auf den CSD in Berlin auf das Schärfste“. Der Familie der getöteten Frau sprach er „aufrichtiges Mitgefühl und tiefes Beileid“ aus. Den Verletzten wünsche er „von Herzen eine schnelle und vollständige Genesung“. Mit Blick auf die mutmaßliche islamistische Motivation erklärte Kesici: „Diese menschenverachtende Ideologie wird sich niemals durchsetzen. Muslime in Deutschland setzen sich Tag für Tag für Frieden ein.“

Auch der Generalsekretär der Islamischen Gemeinschaft Millî Görüş (IGMG), Ali Mete, erklärte in einer Pressemitteilung: „Mit Bestürzung haben wir die tödliche Gewalttat am Rande des Christopher Street Day in Berlin zur Kenntnis genommen. Unser Mitgefühl gilt den Angehörigen der getöteten Frau, den Verletzten und allen Menschen, die diese Tat miterleben mussten. Wir verurteilen diesen abscheulichen Angriff mit aller Entschiedenheit.“

Zu Berichten über eine mutmaßliche Nähe des Täters zum sogenannten IS sagte Mete: „Die menschenverachtende Ideologie dieser Terrororganisation steht in fundamentalem Widerspruch zu den Werten des Islams.“ Weiter betonte er: „Wer Menschen angreift, ermordet oder in Angst versetzt, handelt nicht im Namen des Islams, sondern folgt einer menschenverachtenden Wahnideologie.“

Kirchen rufen zum Zusammenhalt auf

Die Kirchen in Berlin haben der Betroffenen des Anschlags auf den Christopher-Street-Day gedacht und zum gesellschaftlichen Zusammenhalt aufgerufen. „Queeres Leben, das lassen wir uns nicht nehmen“, sagte der evangelische Berliner Bischof Christian Stäblein am Sonntag bei einer Andacht in der evangelischen Marienkirche am Alexanderplatz. „Vielfalt lebt im Herzen Gottes, der die Liebe ist“, fügte er hinzu und rief die Menschen, die gekommen waren, dazu auf, beieinander zu bleiben.

Der katholische Berliner Erzbischof Heiner Koch sagte: „wie schrecklich! Ein so frohes und bewegendes Fest, brutal zu zerstören“. Er mahnte ein gesellschaftliches Miteinander an. „Der Hass darf nicht gewinnen.“

Was war passiert?

Während der Feier im Anschluss an die CSD-Parade fuhr am späten Samstagabend ein Auto in die Menschenmenge am Berliner Tiergarten. Dabei wurde eine Person getötet, mittlerweile geht man von 29 teils schwerverletzten Personen aus. Die Berliner Polizei geht derzeit von einem gezielten Anschlag aus und fahndet öffentlich nach einem Tatverdächtigen, der dem sogenannten „IS“ zugerechnet wird. Der Berliner CSD gehört zu den größten in Deutschland – mehrere hunderttausend Menschen nehmen jedes Jahr an dem Umzug teil.

Polizei erschießt mutmaßlichen Angreifer

Der Tatverdächtige stirbt bei einem Polizeieinsatz – zu dem es nun mehr Details gibt. „Gegen 18.00 Uhr konnte der Tatverdächtige des gestrigen Anschlags im Großen Tiergarten in einer Kleingartenanlage in Spandau lokalisiert werden“, teilte die Polizei mit. Der Mann sei dann mit einer Stichwaffe auf die Einsatzkräfte zugelaufen, daraufhin sei es zum Schusswaffengebrauch durch das Berliner SEK gekommen. „Trotz sofort eingeleiteter Reanimationsmaßnahmen durch die Berliner Feuerwehr verstarb er noch am Einsatzort“, so die Polizei. (KNA, dpa, iQ)

Leserkommentare

grege sagt:
Mit Interesse habe ich den Beitrag über die Reaktionen muslimischer Verbände auf den Anschlag beim Berliner CSD gelesen. Selbstverständlich ist es richtig und wichtig, dass Islamrat, IGMG und andere Verbände die Tat scharf verurteilen und den Opfern ihr Mitgefühl aussprechen. Gerade deshalb reicht es aber nicht aus, bei islamistisch motivierten Anschlägen lediglich die Distanzierung vom Täter in den Vordergrund zu stellen. [islamiq.de] Auffällig ist vielmehr ein wiederkehrender doppelter Standard. Bei islamfeindlichen Anschlägen oder Diskriminierungsvorfällen weisen viele islamische Verbände regelmäßig auf übergeordnete gesellschaftliche Entwicklungen hin. Dann ist häufig von strukturellen Problemen, gesellschaftlichem Klima oder fehlender Sensibilität die Rede. Niemand wirft ihnen deshalb vor, alle Nichtmuslime unter Generalverdacht zu stellen. Bei islamistisch motivierten Anschlägen reagieren dieselben Verbände jedoch oft sehr empfindlich auf vergleichbare Fragen nach ideologischen Hintergründen, problematischen Entwicklungen oder gesellschaftlichen Ursachen. Dabei muss es möglich sein, offensichtliche Tatsachen anzusprechen. Seit Jahrzehnten wird Europa vor allem durch islamistisch motivierten Terror erschüttert. Vergleichbare Anschlagsserien von Christen, Juden, Hindus oder anderen religiösen Gruppen gibt es nicht. Diese Feststellung ist keine Pauschalisierung, sondern die Beschreibung einer Realität, die jeder beobachten kann. Die Frage nach den Ursachen ist daher weder muslimfeindlich noch unangemessen, sondern notwendig. Hinzu kommt, dass zahlreiche Studien seit Jahren auf Probleme wie erhöhte Zustimmung zu homophoben, antisemitischen oder religiös-exklusiven Einstellungen in Teilen muslimischer Milieus hinweisen. Wer diese Befunde anspricht, stellt nicht alle Muslime unter Verdacht. Er verlangt lediglich eine ehrliche Auseinandersetzung mit vorhandenen Problemen. Genau diese Offenheit erwarten islamische Verbände schließlich auch von anderen gesellschaftlichen Gruppen. Umso mehr verwundert es, dass manche Verbandsvertreter kritische Fragen häufig vorschnell als Pauschalisierung oder Islamfeindlichkeit einordnen. Gerade Organisationen, die beim islamischen Religionsunterricht, bei Integrationsfragen oder als Ansprechpartner des Staates eingebunden werden möchten, sollten bereit sein, sich unangenehmen Diskussionen zu stellen. Verantwortung in der Gesellschaft bedeutet nicht nur Mitsprache, sondern auch die Bereitschaft zur Selbstkritik. Gleiche Maßstäbe für alle – das sollte der Anspruch sein. Keine Kollektivschuld für Muslime, aber auch kein Ausweichen vor berechtigten Fragen zu Islamismus, Antisemitismus oder Homophobie in muslimischen Milieus. Nur eine offene und ehrliche Debatte schafft Vertrauen.
27.07.26
6:58