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Mehr Hass im Internet nach CSD-Anschlag in Berlin

Nach dem Anschlag beim CSD meldet die gemeinnützige Organisation Hate Aid eine Häufung der Gewalt in Sozialen Medien gegen Minderheiten. Es gibt Angriffe durch Posts, Hasskommentare, und -videos.

30
07
2026
Hass, Hasskriminalität
Symbolbild: Hass ist keine Meinung - Plakat auf einer Demo © Shutterstock, bearbeitet by iQ

Laut der gemeinnützigen Organisation Hate Aid ist in Sozialen Medien die Zahl der Hasskommentare nach dem Anschlag beim CSD angestiegen. Besonders betroffen seien Muslime, queere Menschen und andere marginalisierte Gruppen, teilte Hate Aid am Mittwoch in Berlin mit.

Sie würden beleidigt, bedroht und verleumdet. Es sei schon jetzt absehbar, dass die Tat politisch instrumentalisiert werde, um Hass gegen Minderheiten zu schüren.

Es handele sich vor allem um Beleidigungen und zum Teil um Morddrohungen oder Doxxing, also die Veröffentlichung von Adressen oder Telefonnummern. In den meisten Fällen sei gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit das Motiv – sowohl gegen queere Menschen als auch gegen Muslime. Letztere würden pauschal unter Generalverdacht gestellt oder Ziel von Gewalt und Bedrohungen im Internet.

Hate Aid fordert wirksame Maßnahmen gegen Hass im Netz, einen niedrigschwelligen Zugang zum Recht für Betroffene sowie eine konsequente Durchsetzung bestehender Gesetze, damit digitale Räume Orte der demokratischen Teilhabe blieben. Plattformen müssten Verantwortung übernehmen, moderieren und sicherstellen, dass strafbare Inhalte wirklich über Meldewege entfernt werden können.

Am Samstagabend war nach der CSD-Parade in Berlin ein Auto in die Menschenmenge am Tiergarten gefahren. Dabei wurde eine Person getötet, mindestens 29 weitere teils schwer verletzt. Der mutmaßliche Täter wurde später bei einem Polizeizugriff erschossen. Er soll in der Vergangenheit mehrfach versucht haben, sich im Ausland der sogenannten „IS“ anzuschließen.

Leserkommentare

grege sagt:
Selektive Empörung hilft niemandem Dass nach dem CSD-Anschlag Hasskommentare, Drohungen und pauschale Anfeindungen gegen Muslime zunehmen, ist inakzeptabel. Beleidigungen, Bedrohungen und Gewaltaufrufe haben in einer demokratischen Gesellschaft keinen Platz und müssen konsequent verfolgt werden. [islamiq.de] Dennoch fällt auf, was in dem Artikel nicht vorkommt. Es wäre wünschenswert, wenn Portale wie IslamiQ mit derselben Entschlossenheit auch über Bedrohungen berichten würden, die von fanatischen Muslimen gegen Homosexuelle, Ex-Muslime, liberale Muslime, Juden oder Islamkritiker ausgehen. Diese Probleme sind keineswegs theoretischer Natur. Europa hat in den vergangenen Jahrzehnten wiederholt islamistisch motivierte Anschläge, Mordtaten und Mordversuche erlebt. Die Bedrohung besteht also nicht nur in Internetkommentaren, sondern hat sich immer wieder in realer Gewalt manifestiert. [islamiq.de] Auffällig ist zudem ein bekanntes Muster: Nach einem mutmaßlich islamistisch motivierten Anschlag verlagert sich die Debatte sehr schnell auf die Folgen für Muslime. Über Islamfeindlichkeit, Generalverdächtigungen und Hasskommentare wird ausführlich gesprochen. Die Frage, welche ideologischen Ursachen solche Taten begünstigen und welchen Beitrag muslimische Verbände zu deren Bekämpfung leisten könnten, tritt dagegen häufig in den Hintergrund. [islamiq.de] Dabei gibt es seit Jahren wissenschaftliche Untersuchungen, die auf erhöhte Zustimmungswerte zu antisemitischen, homophoben oder religiös-fundamentalistischen Einstellungen in Teilen muslimischer Milieus hinweisen. Darauf haben unter anderem Forscher wie Wilhelm Heitmeyer und Ruud Koopmans sowie Studien der Universitäten Leipzig und Münster aufmerksam gemacht. Das sind keine Vorurteile und keine Pauschalurteile, sondern empirische Befunde. Aus solchen Ergebnissen folgt selbstverständlich nicht, dass Muslime insgesamt antisemitisch oder homophob wären. Daraus folgt aber, dass Probleme existieren, über die offen gesprochen werden muss. Gerade deshalb irritiert die häufige Opferperspektive mancher islamischer Verbände. Wer nach rechtsextremen Taten gesellschaftliche Ursachen analysiert, politische Mitverantwortung diskutiert und Veränderungen einfordert, sollte nach islamistischen Taten nicht ausschließlich auf individuelle Schuld und Islamfeindlichkeit verweisen. Niemand verlangt Kollektivschuld. Niemand verlangt eine permanente Distanzierung. Aber man darf erwarten, dass Organisationen, die muslimisches Leben in Deutschland repräsentieren wollen, sich sichtbar und aktiv mit den Problemen auseinandersetzen, die islamistischen Extremismus, Judenhass und Homophobie in Teilen ihrer Milieus begünstigen. Ein Leser, der die Berichterstattung verfolgt, gewinnt leider häufig den Eindruck, dass die Bekämpfung angeblicher oder tatsächlicher Islamfeindlichkeit weit mehr Aufmerksamkeit erhält als die Frage, wie zukünftige islamistische Anschläge verhindert werden können. Genau diese Schieflage trägt nicht zur Glaubwürdigkeit bei.
30.07.26
17:39
grege sagt:
Bereits 2017 kritisierte der Berliner Lesben- und Schwulenverband (LSVD), dass sich große Berliner Moscheevereine gegenüber dem Thema Homosexualität weitgehend abschotten würden und es kaum praktische Zusammenarbeit gebe. LSVD-Geschäftsführer Jörg Steinert beklagte ausdrücklich mangelnde Offenheit der großen Moscheevereine. Das zeigt, Islamverbände haben bei diesem für sie unangenehmen Thema einfach den Schwanz eingezogen. Stattdessen werden lieber Themen wie Diskriminierung, Islamfeindlichkeit, antimuslimsicher Rassismus in epischer Breite behandelt.
01.08.26
0:41