Iran-Konflikt

Muslime rufen zur Deeskalation im Konflikt um den Iran auf

Der Koordinationsrat der Muslime in Deutschland fordert im Iran-Konflikt einen sofortigen Kurswechsel: Statt Militäraktionen sollen Dialog und Völkerrecht im Mittelpunkt stehen.

02
03
2026
Angriffe im Iran © Anadolu Ajans, bearbeitet by iQ.
Angriffe im Iran © Anadolu Ajans, bearbeitet by iQ.

Der Koordinationsrat der Muslime (KRM) in Deutschland mahnt im Konflikt um den Iran Deeskalation an. „Nachhaltiger Frieden entsteht nicht durch militärische Stärke, sondern durch Dialog, Verhandlungen und die konsequente Achtung des Völkerrechts“, erklärte KRM-Sprecher Ali Mete in einer Mitteilung. Der Koordinationsrat rufe daher „alle beteiligten Akteure eindringlich dazu auf, unverzüglich Schritte zur Deeskalation einzuleiten, das internationale Recht zu respektieren und zu einer politischen Lösung zurückzukehren“.

Die vergangenen Jahrzehnte hätten gezeigt, dass militärische Interventionen häufig mit dem Versprechen von Stabilität und Sicherheit begründet würden. „Allzu oft jedoch hinterlassen sie Zerstörung, Traumata und langanhaltende gesellschaftliche Verwerfungen“, sagte Mete. In einer Region, die bereits von Krieg, Vertreibung und Perspektivlosigkeit geprägt sei, dürfe es keine weitere Eskalation geben.

„Neue Gewalt erzeugt neues Leid“

Wer versuche, politische Konflikte mit militärischer Gewalt zu lösen, riskiere eine Spirale, die kaum zu kontrollieren sei. „Neue Gewalt erzeugt neues Leid – und schafft Bedingungen, unter denen ganze Generationen mit den Folgen von Unsicherheit und Instabilität aufwachsen müssen.“

Der Koordinationsrat ist die Dachorganisation islamischer Organisationen in Deutschland. Ihm gehören die Türkisch-Islamische Union der Anstalt für Religion (DITIB), der Islamrat (IRD), der Zentralrat der Muslime (ZMD), die Union Islamisch-Albanischer Zentren und der Zentralrat der Marokkaner an. Sie repräsentieren laut KRM die absolute Mehrheit der Moscheegemeinden, in denen das islamische Gemeindeleben stattfindet. (dpa/iQ)

Leserkommentare

Timotheus sagt:
Die Ermahnungen dieses Koordinationsrats ließen bislang aber sehr zu wünschen übrig, wenn es um eine konsequente Achtung des Völkerrechts in islamischen Ländern und Republiken geht. Diesbezüglich hüllte sich die "absolute Mehrheit der Moscheegemeinden" am liebsten in Schweigen. Das ist traurig, aber wahr. Wichtige Frage: Gibt es übrigens auch wirklich akzeptierte liberale Moscheegemeinden in Deutschland? Oder ist ein liberales Gedankengut mit liberalen Bestrebungen und Zielsetzungen dem Islam sowieso ein Dorn im Auge?
02.03.26
17:43
grege sagt:
Der Koordinationsrat der Muslime (KRM) mahnt nun zum Iran-Konflikt „Dialog, Völkerrecht und Deeskalation“ an. Diese Worte sind richtig – aber sie kommen zu dem Zeitpunkt, an dem sie politisch vollkommen risikolos sind und niemandem im eigenen Umfeld weh tun. Aufhorchen lässt dabei weniger das, was gesagt wird, sondern das, was seit Monaten nicht gesagt wurde. Als Anfang Januar das Massaker an unbewaffneten Demonstranten im Iran stattfand – ein Verbrechen, das weltweit Empörung auslöste –, herrschten sowohl bei IslamiQ als auch beim Koordinationsrat völlige Funkstille. Kein Wort. Kein Mitgefühl. Keine Mahnung zur Deeskalation. Diese auffällige Leerstelle kann man nicht mit „Übersehen“ erklären – IslamiQ berichtet regelmäßig über Menschenrechtsfragen, und der KRM äußert sich gern moralisch grundiert, wenn es um westliche Militäraktionen geht. Doch beim tödlichen Vorgehen eines islamistischen Regimes gegen seine eigene Bevölkerung wurde bewusst geschwiegen. Das belegt ein klares Muster selektiver Empörung: Gegen Westen, USA, Israel: deutliche Worte, moralische Appelle, Völkerrechts-Belehrungen. Gegen islamistische Regime (Iran, Taliban, Golfstaaten): Schweigen oder absolute Zurückhaltung. Gegen Gewalt in der eigenen Community oder von „befreundeten“ Akteuren: völlige Ausblendung. Zum Vergleich: In der aktuellen Deeskalationsmitteilung zum Iran-Konflikt (02.03.2026) spricht der KRM ausführlich über „Traumata“, „Verwerfungen“, „neues Leid“ und die Pflicht, militärische Gewalt zu vermeiden. Diese Begriffe wären exakt die richtigen gewesen, als das iranische Regime im Januar das Feuer auf Demonstrierende eröffnete. Doch da blieb es still. [islamiq.de] Ein Medium, das sich wie IslamiQ gerne als Stimme einer marginalisierten Minderheit inszeniert, verliert an Glaubwürdigkeit, wenn es menschenrechtliche Maßstäbe nur dann anlegt, wenn sie politisch opportun sind. Menschenrechte gelten immer, nicht nur dann, wenn der Täter kein islamischer Staat ist. Dieses selektive Schweigen ist kein Zufall, sondern ein redaktionelles Muster – und die jetzige Deeskalationsmeldung reiht sich nahtlos darin ein: moralische Worte nach außen, Schweigen nach innen. Genau deshalb wirkt die aktuelle Stellungnahme des KRM nicht moralisch konsequent, sondern situativ bequem.
03.03.26
17:17