Dresden

Kinder und Vater rassistisch beleidigt

In Dresden wurden am Dienstag ein Vater und seine drei Kinder rassistisch beleidigt und bedroht. Die Polizei ermittelt.

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10
2022
Polizei-Behörde Ermittler Rechtsextremisten
Polizei-Behörde © Shutterstock, bearbeitet by iQ

Ein bislang unbekannter Mann soll in Dresden drei Kinder und ihren Vater aus dem Irak bedroht und rassistisch beleidigt haben. Wie die Polizeidirektion Dresden am Mittwoch bekanntgab, soll der Mann am Vortag in Dresden-Johannstadt zunächst die drei Kinder im Alter von zwei, sieben und zwölf Jahren mit Gesten verängstigt haben. Sie hätten zu diesem Zeitpunkt in einem Auto gesessen. Als der 39 Jahre alte Vater hinzukam und ihn zur Rede stellte, sei auch er bedroht und beleidigt worden. Danach sei der Unbekannte an einer Bushaltestelle in einen Bus gestiegen. Die Polizei ermittelt nun in dem Fall.

Angriffe – ob verbal oder physisch – auf Kinder sind keine Einzelfälle in Dresden. Zuvor wurde auf einem Spielplatz in Dresden wurde eine Mutter und ihr dreijähriges Kind von drei Männern angegriffen. Zunächst hatten die drei etwa 25 bis 30 Jahre alten Männer die 32 Jahre alte Mutter und ihr Kind auf einem Spielplatz beleidigt. Danach hatte einer der Männer den Jungen gestoßen, der daraufhin stürzte und sich verletzte. Auf Anfrage von IslamiQ erklärte die Pressestelle der Polizei Dresden, dass sie mit den Worten wie „Schlampe“ und „Scheiß Allah“ beleidigt wurden. Die Tat erinnert an den Fall Marwa El-Sherbini.

Marwa El-Sherbini bleibt in Deutschland unvergessen

Am 01. Juli 2009 wurde Marwa El-Sherbini Opfer eines islamfeindlichen und rechtsextremen Angriffes im Dresdner Landgericht. Die 31-jährige Pharmazeutin sollte vor dem Landgericht Dresden als Zeugin aussagen. Der spätere Täter hatte sie auf einem Spielplatz unter anderem wegen ihres Kopftuches beschimpft und beleidigt.

Während des Prozesses im Gerichtssaal wird sie von dem Angeklagten mit 16 Messerstichen erstochen. Ihr Ehemann, der ihr zur Hilfe eilen wollte, wird von herbeigeeilten Polizisten angeschossen und konnte nur durch eine Notoperation gerettet werden. El-Sherbini war zum Zeitpunkt ihrer Ermordung im dritten Monat schwanger; das ungeborene Kind stirbt.

Die Tat löste Entsetzen in Deutschland und in der islamischen Welt Proteste aus. Der Täter wurde wegen Mordes zu lebenslanger Haft verurteilt. Seitdem Mord an Marwa El-Sherbini versammeln sich am 1. Juli eines jeden Jahres Vertreter der Politik, Justiz, Verwaltung und Politik sowie Muslime und andere Religionsgemeinschaften vor dem Landgericht, um Marwas zu gedenken. (dpa, iQ)

Leserkommentare

Marco Polo sagt:
Desden ist auch Schauplatz einer schrecklichen Terrorattacke, die vor zwei Jahren stattfand. Daher lud die Landeshauptstadt Dresden zu einer Gedenkveranstaltung in der letzten Woche am 04.10.2022 zum damaligen Tatort in der Rosmaringasse/Ecke Schloßstraße - zusammen mit den Opferbeauftragten der Bundesregierung, des Landes NRW und des Freistaates Sachsen. Mit dem eindeutigen Motto: "Wir stehen zusammen und erinnern." Am 4. Oktober 2020 hatte der als islamistischer Gefährder eingestufte Abdullah A. unvermittelt auf zwei Männer aus NRW eingestochen, weil er sich an deren nicht heterosexuell genormten Lebensstil störte. Ein Opfer starb nach dem Messerangriff, sein Partner aus Köln überlebte den Anschlag schwer verletzt. Der syrische Mörder, der auch von Landeskriminalamt und Verfassungsschutz observiert wurde, soll homosexuelle Menschen pauschal als "Feinde Gottes" ansehen, die den Tod verdienten. Der Täter war erst kurz vor der feigen und hinterhältigen Mordtat aus einer knapp dreijährigen Jugendhaft entlassen worden. Er war u.a. wegen Propaganda für den Islamischen Staat und Anleitung zur Begehung einer schweren staatsgefährdenden Gewalttat verurteilt worden. Das neue Urteil für den 21-jährigen Syrer Abdullah A. lautete im Mai 2021 auf lebenslange Haft- welche der Bundesgerichtshof später ausdrücklich bestätigte - wegen Mordes, versuchten Mordes , gefährlicher Körperverletzung und noch anderer Delikte. . Die Kulturbürgermeisterin Annekatrin Klepsch erklärte zur jetzigen Gedenkfeier: "Der Anschlag vom 4. Oktober 2020 war ein Angriff auf unsere offene, vielfältige und tolerante Stadtgesellschaft, auf unsere Art zu leben, auf unsere pluralistische und freiheitlich-demokratische Grundordnung. Wir dürfen nicht nachlassen, uns allen Kräften, die unsere freiheitliche und vielfältige Gesellschaft angreifen, entschlossen entgegenzustellen. Das sind wir auch den Opfern dieser schrecklichen Tat schuldig. Denn: Wir alle sind das Ziel gewesen." Und vor dem Kulturpalast Dresden betonte der Beauftragte der Bundesregierung Pascal Kober die tiefere Bedeutung solcher Gedenkfeiern an Jahrestagen. Seine sächsische Kollegin Iris Kloppich ergänzte die große Wichtigkeit der "Bekämpfung von Extremismus und terroristischer Gewalt".
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