Rechtsextremismus

Anschlagspläne auf Moschee: 23-Jähriger zwei Jahre in Haft

Ein Mann aus der Oberpfalz kam 2019 mit Rechtsterroristen in Berührung und plante einen Anschlag auf eine Moschee. Jetzt wurde er verurteilt.

04
12
2020
Symbolbild - Urteil Halle, Synagoge © Shutterstock, bearbeitet by iQ
Symbolbild - Urteil Halle, Synagoge © Shutterstock, bearbeitet by iQ

Das Landgericht Nürnberg-Fürth hat einen 23 Jahre alten Mann zu zwei Jahren Haft verurteilt, weil er einen Terrorakt auf eine Moschee geplant hatte. Die Kammer sah es als erwiesen an, dass der Mann aus der Gegend von Cham (Oberpfalz) vorhatte, sich aus Einzelteilen ein Sturmgewehr zusammenzubauen und eine größere Anzahl von Menschen, unteranderem Muslime, zu töten. Die für die Anschlagspläne notwendige Waffe war noch in Fertigstellung.

Eine Aussetzung der Strafe zur Bewährung sei nicht in Betracht gekommen, dafür sei die Sozialprognose für den Verurteilten, besonders hinsichtlich einer Wiederholungsgefahr, nicht günstig genug, sagte der Vorsitzende der Staatsschutzkammer am Nürnberger Landgericht, Bernd Zuber. Der 23-Jährige wird zudem nach seiner Haftentlassung unter Führungsaufsicht gestellt – diese kann bis zu fünf Jahre dauern. Seit mehr als zehn Monaten sitzt er bereits in Untersuchungshaft.

Der Oberpfälzer war seit 2019 in der Chatgruppe des rechtsgerichteten Terrornetzwerks „Feuerkrieg Division“ aktiv. Dort habe sich der isoliert im Haus seiner Eltern lebende Mann hervorheben wollen und erklärt, er wolle einen „Ort der Andacht“ wie eine Moschee oder eine Synagoge auswählen, an dem er zum „Heiligen“ werde – ein Synonym in der Chatgruppe für das Verüben von Attentaten.

Gericht bestätigt Anschlagspläne

Die Staatsanwaltschaft hatte eine Haftstrafe von vier Jahren gefordert, die Verteidigung hatte auf Freispruch plädiert. Der junge Mann selbst hatte eingeräumt, sich Waffenteile für ein Sturmgewehr AK-47 besorgt zu haben, jedoch die Anschlagspläne verneint. Er habe mit der Waffe in einem Schützenverein schießen wollen, gab er an. Das Gericht wertete dies lediglich als Schutzbehauptung.

Die „Feuerkrieg Division“ ist eine international vernetzte Terrororganisation, die sich den Kampf gegen unter anderem Ausländer, Andersgläubige und Homosexuelle zum Ziel gesetzt hat. Ihre Wurzeln hat sie in den USA, Ableger sind neben Deutschland in Großbritannien und den baltischen Ländern bekannt. (dpa, iQ)

Leserkommentare

Dilaver Çelik sagt:
Zwei Jahre Gefängnis sind leider zu wenig, um potentielle Moscheeangreifer abzuschrecken, was weit über 100 Angriffe auf Moscheen pro Jahr belegen, welche größtenteils unaufgeklärt bleiben. Mindestens 10 Jahre Gefängnis mit erschwerten Haftbedingungen sind da schon angemessen, um potentielle Täter in Zukunft abzuschrecken. Und seien es auch nur vermeintlich "harmlose" Farbschmierereien oder politisch motivierte Aktionen, bei dem die Farben einer Terrororganisation auf die Fassade einer Moschee beleuchtet werden. Wer Moscheen nicht respektiert, der gehört zur Abschreckung empfindlich bestraft. Schließlich leben wir hier in einem Rechtsstaat. Zumindest noch.
04.12.20
15:23