Berlin

Handschlag-Streit an Schule: Giffey ergreift Partei für Lehrerin

An einer Berliner Privatschule entfachte ein Handschlag-Streit zwischen einem Imam und einer Lehrerin. Die Neuköllner Bezirksbürgermeisterin Franziska Giffey (SPD) hat nun für die Lehrerin Partei ergriffen.

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06
2016
Dr. Franziska Giffey (SPD) © http://www.franziska-giffey.de/zur-person/
Dr. Franziska Giffey (SPD) © http://www.franziska-giffey.de/zur-person/

Nach dem Handschlag-Streit an einer Berliner Schule prangert die Bezirksbürgermeisterin von Neukölln, Franziska Giffey (SPD), einen vermeintlich mangelnden Respekt vor Frauen an. Wer den Handschlag verweigere, stelle die über Jahre erkämpfte Gleichberechtigung zwischen Männern und Frauen in Frage, erklärte Giffey auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur. „Das kann nicht einfach toleriert werden.“

Wie der Sender RBB am Donnerstag berichtete, zeigte ein Berliner Imam eine Lehrerin an, weil sie seinen Handschlag in einem Elterngespräch einzufordern versuchte. Er verweigerte das und verwies auf seine Religionsfreiheit. Die Schule hatte sich nicht zu dem Fall geäußert.

Giffey ergriff Partei für die Frau: „Diese Lehrerin hat meine volle Unterstützung.“ In solchen Fälle sei eine Lehrerin nicht in erster Linie eine Frau: „Sie ist Erziehungs- und Respektsperson und zugleich Vertreterin des deutschen Staates. Sie verdient es, dass ihr der Respekt entgegen gebracht wird, der in diesem Land üblich ist.“ Der Imam sagte dem rbb, er habe die Aufforderung freundlich aber bestimmt zurückgewiesen, stattdessen zum Gruß seine Hand aufs Herz gelegt. Der Lehrerin habe er erklärt, diese Geste sei die höchste in seiner Religion mögliche Respektbezeugung bei der Begrüßung einer Frau. Die Frau habe das jedoch nicht akzeptieren wollen, sei laut geworden und habe schließlich das Gespräch für beendet erklärt.

In der Schweiz war im Frühjahr eine Debatte über den Handschlag entbrannt, nachdem zwei Brüder einer Lehrerin aus religiösen Gründen den Handschlag verweigert hatten. Die Schulbehörde entschied daraufhin, dass im Kanton Basel-Landschaft künftig kein Schüler mehr ablehnen darf, einer Lehrerin die Hand zu geben. (dpa, iQ)

Leserkommentare

nicole sagt:
trotzdem hab ich das recht und die freiheit in deutschland und europa männern meine Hand zu verweigern.Oder soll ich dazu gezwungen werden.Wo ist dann die freiheit wenn ich das nicht entscheiden darf?
12.07.16
10:47
Wolfram Obermanns sagt:
Falls sich jemand fragt, warum es mit der Integration hapert, hier haben wir einen Musterfall, der für Antworten sorgt. Auf der einen Seite springt eine Bezirksbürgermeisterin einer Lehrerin wegen eines verweigerten Handschlags bei, auf der anderen beehrt sie aber eine von Muslimbrüdern beeinflußte Moschee. Letzteres, weil ja auch ihr Landeshäuptling Müller dem Imam einen Verdienstorden umgehängt hat, und dies obwohl der Verfassungsschutz vor dieser Gemeinde warnt. Aber das hatte man ignoriert. Die Prioritäten der Berliner SPD sind also schon mal geklärt: Handschlag wichtig, Verfassung unwichtig. Als Immigrant wäre ich nun auch etwas irritiert und ratlos. Seit wann legen Linke Wert auf Etikette, und seit wann ist die Verbreitung verfassungswidrigen Gedankengutes preiswürdig. Da macht man doch lieber erstmal weiter wie bisher - im Rahmen von Ordnung die wenigstens irgendwie funktioniert.
12.07.16
14:43
Charley sagt:
@nicole: Du hast alle Freiheit... und der andere dann auch, Dich NICHT als Gesprächspartner zu akzeptieren. - Hier wollte der Iman so nicht-handgebend akzeptiert werden und klagte deshalb sogar. Die Frage stellt sich also: Welchen Begriff von der Freiheit des anderen hat dieser Iman, wenn er den anderen zwingen will? Es geht hier also - mal wieder - um das ignorante sich in das soziale Leben drängeln und dabei Umgangsformen einzufordern, die hier nicht üblich sind. Es geht um kulturelle islamische Anmaßenheit!
13.07.16
13:24
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