Die Gebetsstätten auf dem Jerusalemer Tempelberg zählen zu den heiligsten Orten des Islams. Gleichzeitig fordern radikale Juden hier die israelische Kontrolle. Muslimische Länder warnen vor einer Eskalation.

Der jordanische König Abdullah II. hat die arabische und muslimische Welt zu gemeinsamen Anstrengungen gegen israelische Zugriffe auf den Tempelberg in Jerusalem aufgerufen. Die Lage in Jerusalem und ihren Heiligen Stätten standen im Zentrum eines Treffens arabischer und muslimischer Außenminister am Mittwochabend in der jordanischen Hauptstadt Amman, wie arabische Medien berichteten.
An dem Treffen nahmen laut Bericht der staatlichen jordanischen Nachrichtenagentur Petra Mitglieder des arabischen Ministerausschusses, der Generalsekretär der Arabischen Liga und die Außenminister der Türkei, Pakistans, Indonesiens und Malaysias teil.
Auf dem Tempelberg, arabisch Haram al-Scharif, befinden sich mit dem Felsendom und der Al-Aksa-Moschee zwei der heiligsten Stätten des Islams. Juden beten an der angrenzenden Klagemauer.
Jordanien warnte bei dem Treffen vor eskalierenden israelischen Maßnahmen, die gegen die Identität der Stadt und ihre islamischen und christlichen Stätten gerichtet seien. König Abdullah II. äußerte die Sorge, dass Unruhen in der Region ausgenutzt werden könnten, um in Jerusalem neue Fakten zu schaffen.
Der jordanische Außenminister Ayman Safadi warf Israel vor, unter anderem durch Siedlungsbau, Landnahme und Einschränkungen palästinensischer Rechte seine Kontrolle über Ostjerusalem zu verstärken. Ferner verletze Israel die Religionsfreiheit von Christen und Muslimen und untergrabe die Möglichkeiten, den Konflikt durch eine verhandelte Zwei-Staaten-Lösung zu lösen.
Unter anderem Besuche nationalistischer Israelis auf dem Tempelberg sowie jüdische Forderungen nach Gebetsrechten auf dem Areal sorgen seit langem für Konflikte. Der geltende Status quo gestattet Nichtmuslimen den Besuch der drittheiligsten Stätte des Islam. Das öffentliche Gebet ist jedoch Muslimen vorbehalten.
Der Tempelberg ist für Juden, Muslime und Christen ein wichtiger heiliger Ort. Bis zur Zerstörung durch die Römer im Jahr 70 befand sich an dieser Stelle der jüdische Tempel, zentrales Heiligtum Israels, von dem nur noch die Klagemauer steht. Zahlreiche biblische und religiöse Überlieferungen wie die Erschaffung Adams und Evas, die Opferung Isaaks oder aufseiten des Islams die Himmelsreise Mohammeds sind mit dem Ort verbunden.
Israel beansprucht Jerusalem als ungeteilte Hauptstadt unter israelischer Souveränität, während der völkerrechtliche Status der Stadt international als ungeklärt gilt. Zahlreiche Staaten, darunter Deutschland, erkennen die israelische Souveränität über den Osten der Stadt nicht an. (KNA, iQ)