Berlin

Tagung berät über muslimische Militärseelsorge in Deutschland

Wie kann muslimische Militärseelsorge in der Bundeswehr aussehen? Eine internationale Tagung in Berlin hat Modelle aus europäischen Ländern verglichen und Anforderungen an Deutschland diskutiert.

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09
2026
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Militärseelsorge
Ein Soldat der betet - Bundeswehr © shutterstock, bearbeitet by iQ.

Der Aufbau einer muslimischen Militärseelsorge in der Bundeswehr war Thema einer internationalen Tagung in Berlin. Am 11. und 12. September diskutierten Vertreter aus Verteidigungsministerien, Wissenschaft, Bundeswehr und muslimische Soldaten über Erfahrungen aus anderen europäischen Ländern und mögliche Modelle für Deutschland.

Veranstaltet wurde die Tagung „Muslim Military Chaplaincy in European Armed Forces“ von der Akademie für Islam in Wissenschaft und Gesellschaft (AIWG) der Goethe-Universität Frankfurt gemeinsam mit dem Deutschen BundeswehrVerband (DBwV).

Frankreich und Großbritannien verfügen nach Angaben der Veranstalter bereits seit 2005 über muslimische Militärseelsorge, in den Niederlanden gibt es entsprechende Strukturen seit 2009. Deutschland plant zunächst ein Pilotprojekt. „Ziel war es, sich untereinander über den aktuellen Stand der islamischen Seelsorge im europäischen Kontext auszutauschen und aus den Erfahrungen Schlüsse für den Aufbau einer solchen in der Bundeswehr zu ziehen“, sagte der Themenverantwortliche Militärseelsorge im DBwV, Hauptmann a.D. Jörg Greiffendorf.

Keines der bestehenden Modelle lasse sich eins zu eins auf Deutschland übertragen, hieß es bei der Tagung. Zu unterschiedlich seien die jeweiligen staatskirchenrechtlichen und institutionellen Rahmenbedingungen. Im Mittelpunkt müsse daher der konkrete Bedarf der schätzungsweise 3.000 muslimischen Soldaten in der Bundeswehr stehen.

Für eine muslimische Militärseelsorge seien sowohl theologische als auch militärische Kenntnisse erforderlich. Die AIWG verwies zudem auf offene Fragen bei Ausbildung, Rekrutierung und der Rolle islamischer Organisationen. Erfahrungen aus anderen Ländern könnten Orientierung bieten, Deutschland müsse jedoch einen eigenen, an die Bundeswehr angepassten Weg entwickeln.

Wehrpflicht und die Frage der Zugehörigkeit

Die Debatte über eine muslimische Militärseelsorge gewinnt auch vor dem Hintergrund der geplanten Wiedereinführung der Wehrpflicht an Bedeutung. Eine aktuelle Umfrage des Deutschen Zentrums für Integrations- und Migrationsforschung (DeZIM) zeigt, dass 58 Prozent der Befragten grundsätzlich für eine Rückkehr zur Wehrpflicht sind. Unter den 18- bis 28-Jährigen wären allerdings nur 14 Prozent bereit, selbst Wehrdienst zu leisten.

Ali Mete, Generalsekretär der Islamischen Gemeinschaft Millî Görüş, betonte vergangenen Jahres das Interesse an fairen Rahmenbedingungen und einem diskriminierungsfreien Umfeld bei der Bundeswehr. Der Wehrdienst sei eine Bürgerpflicht, müsse aber zugleich mit den Grundrechten und der Religionsfreiheit vereinbar sein. „Wir wünschen uns einen religionssensiblen Umgang“, sagt Mete. Dazu gehörten Ansprechpartner für religiöse Belange, qualifizierte Imame, Räume für Gebete und Seelsorge sowie eine Sensibilisierung des Führungspersonals für religiöse Vielfalt. Dies betreffe nicht nur muslimische Soldaten.