Bundeswehr

Soldaten-Vertreterin drängt auf muslimische Militärseelsorge

Die Vorsitzende des Vereins „Deutscher.Soldat“, Nariman Hammouti-Reinke, drängt auf muslimische Militärseelsorge in der Bundeswehr.

26
07
2020
Militärseelsorge
Symbolbild: Bundeswehr, MAD © by Dirk Vorderstraße auf flickr, bearbeitet by IslamiQ.

Die Vorsitzende des Vereins „Deutscher.Soldat“, Nariman Hammouti-Reinke, drängt auf muslimische Militärseelsorge in der Bundeswehr. Dass es nach wie vor ein solches Angebot nicht gebe, empfinde sie als „eine Diskriminierung und eine Ungleichbehandlung“, sagte Hammouti-Reinke in einem am Samstag veröffentlichten Beitrag der Deutschen Welle.

Militärseelsorge für alle – außer für Muslime

Sie bewertete es als ungerecht, dass es das seelsorgerliche Angebot für Christen und künftig auch für Juden, nicht aber für Muslime gebe. „Es bedeutet für mich, dass der Islam immer noch nicht in Deutschland angekommen ist, obwohl wir schon für unser Land dienen – unser Land ist Deutschland – und auch unser Leben für Deutschland geben würden“, sagte Hammouti-Reinke wörtlich.

Die 41-jährige Deutsche war mehrfach für die Bundeswehr in Afghanistan. Bei diesen Einsätzen habe sie für sich selbst jeweils ein Leichentuch mitgenommen, um im Zweifelsfall nach islamischen Vorschriften bestattet werden zu können. „Ich musste für den Todesfall eine Art Bedienungsanleitung für meinen Chef schreiben.“ – Die Zahl muslimischer Soldaten in der Bundeswehr wächst und beträgt nach Schätzungen derzeit rund 3.000.

Der 2010 gegründete Verein „Deutscher.Soldat“ setzt sich nach eigenen Angaben für ein positives Selbstverständnis von Migration und Integration ein. (KNA/iQ)

 

Leserkommentare

Dilaver Çelik sagt:
Um zu verstehen, dass militärische Seelsorge generell unabdingbar ist, muss man sich in den Alltag Wehrdienst leistender Soldaten hineinversetzen: Wehrdienst ist kein Zuckerschlecken. Es wird bedingungsloser Gehorsam erwartet. Zum Drill der militärischen Tradition gehört es auch, vom Ausbilder sowie von Vorgesetzten hin und wieder mal angeschrien oder gar geohrfeigt zu werden. So unterschiedlich Menschen nunmal sind, stecken die einen Soldaten das gut weg, wohingegen andere Soldaten psychisch daran kaputt gehen - im Extremfall so sehr, dass sie ihren Kameraden oder gar sich selbst schaden. Die einen beenden den Wehrdienst als "richtige Männer", andere wiederum sind für ein Leben lang traumatisiert. Dafür rate ich einmal, sich den Film "Full Metal Jacket" von 1987 anzuschauen, um ein Gefühl für den Alltag eines Wehrdienst leistenden Soldaten zu bekommen. Muslimische Soldaten in der Bundeswehr sind auch Menschen und brauchen seelischen Beistand. Das ist unabdingbar und kann nicht in Abrede gestellt werden. Militärseelsorge braucht viel Empathie für Soldaten, die Wehrdienst leisten. Dafür eignen sich Imame der DITIB am besten. Denn diese Imame haben in der Regel in der Türkei ihren Wehrdienst unter zum Teil rauheren Bedingungen geleistet und haben deshalb am besten Empathie für muslimische Soldaten in der Bundeswehr.
26.07.20
14:31
Vera von Praunheim sagt:
Braucht der deutsch-muslimische Soldat (m/w/d) wirklich dringend eine eigene islamisch bestimmte Militärseelsorge? Nur etwa 1,7% beträgt der Anteil muslimisch geprägter Soldaten bei der Bundeswehr. Wie steht es um weitere religiöse Angebote, da es ja mehrere tausend Glaubensgemeinschaften auf der Welt gibt? Und diese bezeichnen sich selbst ebenfalls als Religion. Dann könnte natürlich jeder Soldat auch ein eigenes Leichentuch mit sich führen, einschließlich genauerer Bedienungsanleitung entsprechend seiner religiösen Orientierung. Da muß dann schon gelten: Gleiches Recht für alle. Und die dazu passende Militärseelsorge sollte dann die Bundeswehr auch überall anbieten. Oder etwa doch nicht? Vielleicht genügt eine allg. Militärseelsorge?
26.07.20
20:07