Hunderttausende muslimische Schülerinnen und Schüler lernen an Deutschlands Schulen. Die allermeisten von ihnen besuchen keinen islamischen Religionsunterricht. Doch die Zahl ist gestiegen.

Nur ein Bruchteil der muslimischen Schüler in Deutschland besucht laut einer aktuellen Auswertung islamischen Religionsunterricht. Im vergangenen Schuljahr 2025/26 waren es in sieben Bundesländern rund 84.000, wie der Mediendienst Integration am Donnerstag in Berlin auf Grundlage einer eigenen Umfrage unter den Kultusministerien der Länder mitteilte. Mindestens 780.000 muslimische Schülerinnen und Schüler gehen demnach in Deutschland zur Schule.
Der Auswertung zufolge besuchten in Bayern nur 15 Prozent der muslimischen Schüler den staatlich organisierten „Islamunterricht“. In Nordrhein-Westfalen waren es 7 Prozent, in Rheinland-Pfalz 5 Prozent und in Niedersachsen 4 Prozent. Für andere Bundesländer lagen keine aktuellen Daten aus dem vergangenen Schuljahr vor.
Zudem gibt es nicht überall ein entsprechendes Angebot. Im Schuljahr 2025/2026 wurde bekenntnisorientierter islamischer Religionsunterricht in sechs Bundesländern angeboten: Baden-Württemberg, Berlin, Hessen, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz und dem Saarland. Allerdings herrscht in vier von sechs Bundesländern ein Modellprojekt. In Bayern und Schleswig-Holstein wird der „Islamunterricht“ in staatlicher Verantwortung erteilt. In Bremen und Hamburg wurde ein konfessionsübergreifender Religionsunterricht angeboten, der auch den Islam umfasst. In Sachsen, Sachsen-Anhalt, Mecklenburg-Vorpommern, Thüringen und Brandenburg gibt es keinen Islamunterricht.
Laut Mediendienst besuchten im Saarland zuletzt gerade einmal zwei Prozent der muslimischen Schüler den Islamunterricht. In Nordrhein-Westfalen waren es sieben Prozent, in Niedersachsen knapp vier Prozent. In Bayern nahmen demnach 15 Prozent der muslimischen Schülerinnen und Schüler am islamischen Religionsunterricht teil. Dort erfolgt der Islamkundeunterricht in staatlicher Verantwortung. In Baden-Württemberg, wo den Angaben zufolge zuletzt rund 11.800 Schüler am Islamunterricht teilnahmen, verantwortet die Stiftung Sunnitischer Schulrat die religiös-inhaltliche Seite des Unterrichts.
Für viele Eltern stellt sich auch oft die Frage, ob ihre Kinder am Islamischen Religionsunterricht teilnehmen können. Das Angebot unterscheidet sich je nach Bundesland: Während in einigen Ländern Islamischer Religionsunterricht bereits angeboten wird, gibt es in anderen Bundesländen staatlich verantwortete Modelle oder einen gemeinsamen Religionsunterricht für alle. In mehreren Bundesländern besteht derzeit kein entsprechendes Angebot.
Auch die Anmeldung ist unterschiedlich geregelt. In Nordrhein-Westfalen können Eltern den Wunsch nach Islamischem Religionsunterricht bei der Schulanmeldung erklären. Ist das Fach an einer Schule noch nicht eingerichtet, können Eltern ihren Bedarf gegenüber der Schulleitung bekunden. Für die Einrichtung sind unter anderem ausreichend Schülerinnen und Schüler sowie qualifizierte Lehrkräfte erforderlich. In Hessen und Baden-Württemberg ist zum Beispiel kein gesonderter Elternantrag erforderlich. (dpa, KNA, iQ)