Schweiz

Erst Zugangsverbot, jetzt höhere Eintrittspreise: Freibad verschärft Regeln für ausländische Gäste

Schweizer Freibad sorgt erneut für Kritik: Ausländische Gäste zahlen künftig doppelt so viel Eintritt – die Gemeinde spricht von „Ruhe“, Kritiker von Ausgrenzung.

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Geschlechtergetrenntes Schwimmen für Muslime? © by Tim Simpson auf Flickr (CC BY-SA 2.0), bearbeitet islamiQ

Nach dem umstrittenen Zugangsverbot für ausländische Badegäste im vergangenen Jahr sorgt ein Freibad im Schweizer Pruntrut erneut für Diskussionen. Die Gemeinde im Kanton Jura hat ihre Regelung angepasst: Das frühere Verbot wurde aufgehoben, dafür zahlen ausländische Besucherinnen und Besucher künftig deutlich höhere Eintrittspreise.

Seit Beginn der Freibadsaison 2026 kostet der Eintritt für Erwachsene ohne Schweizer Wohn- oder Arbeitssitz 15 Franken statt bisher 7,50 Franken. Für Kinder und Jugendliche beträgt der Preis zehn statt fünf Franken. Zusätzlich müssen Gäste aus dem Ausland ihre Tickets online erwerben und sich beim Einlass mit einem amtlichen Ausweis ausweisen. Saisonkarten bleiben ihnen verwehrt.

Sicherheits- und Ordnungsprobleme

Die Gemeinde verteidigt die Maßnahmen mit Verweis auf Sicherheits- und Ordnungsprobleme aus dem Vorjahr. Pruntrut liegt nahe der französischen Grenze und verzeichnete im Sommer 2025 einen starken Besucherzuwachs, nachdem Schwimmbäder in benachbarten französischen Regionen zeitweise geschlossen worden waren. Nach Angaben der Behörden kam es wiederholt zu sexuellen Belästigungen, aggressivem Verhalten sowie Polizeieinsätzen wegen Gewaltvorfällen. Insgesamt wurden rund 20 Hausverbote ausgesprochen.

Gemeindepräsident Philippe Eggertswyler betonte gegenüber Schweizer Medien, die neuen Regeln richteten sich nicht gegen bestimmte Nationalitäten. Ziel sei vielmehr, „die Ruhe zu garantieren“. Auch ein eingesetzter Sicherheitsdienst habe die Lage im vergangenen Sommer nicht nachhaltig beruhigen können, so die Begründung der Verantwortlichen.

Das frühere nahezu vollständige Zutrittsverbot für Personen ohne Wohnsitz in der Schweiz hatte bereits europaweit Kritik ausgelöst. Damals durften ausländische Gäste das Freibad nur besuchen, wenn sie einen Urlaub in der Region und eine Unterkunft nachweisen konnten.

Kritik von Menschenrechts- und Antidiskriminierungsstellen

Kritik an den Maßnahmen kommt weiterhin von Menschenrechts- und Antidiskriminierungsstellen. Die Eidgenössische Kommission gegen Rassismus hatte bereits das pauschale Verbot als problematisch bezeichnet und statt kollektiver Einschränkungen individuelle Maßnahmen gegen konkrete Störer gefordert. Auch die nun eingeführte Preisregelung stößt auf rechtliche und gesellschaftliche Bedenken.

Die Gemeinde hält sich dennoch weitere Einschränkungen offen. Ein neues Reglement soll künftig ermöglichen, bei Sicherheitsproblemen oder großem Besucherandrang den Zugang einzelner Gruppen zeitweise zu begrenzen.

Unter den Badegästen bleiben die Meinungen geteilt. Während einige die strengeren Regeln als notwendige Reaktion auf frühere Vorfälle begrüßen, kritisieren andere eine pauschale Benachteiligung ausländischer Besucher. Mehrere französische Gäste verzichten nach eigenen Angaben inzwischen auf einen Freibadbesuch, weil die höheren Preise abschreckend wirkten.