Wir alle sind für Frieden, sagen Religionsvertreter oft. Beim Katholikentag räumten einige ein, dass dies nicht immer gelingt. Und machten auch Vorschläge, Verständigung einzuüben.

Trotz zunehmender Verrohung im gesellschaftlichen Umgang sind nach Ansicht von Religionsvertretern viele Menschen an Verständigung und Dialog interessiert. Oft fehle ihnen dazu schlicht die Gelegenheit, so Hamburgs evangelische Bischöfin Kirsten Fehrs am Donnerstag auf dem Katholikentag in Würzburg. Mehr unmittelbare Begegnung von Menschen sei notwendig, weil vielfach die Fähigkeit fehle, auch Rituale, Bräuche und Mentalitäten zu verstehen.
Gemeinsam mit fünf weiteren Vertretern des Rundes Tischs der Religionen in Deutschland sprach die Vorsitzendes Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) über „Religion als Ressource des Friedens“.
Religionen, so ein Fazit des interreligiösen Podiums, veränderten die innere Haltung von Menschen: Sie schärften das Gewissen, regten zur Selbstkritik an und gäben mit ihren Visionen Hoffnung. Ihre friedensstiftende Kraft sei leise, aber nachhaltig.
Um Frieden und Verständigung Raum zu geben, sollte jeder bereit sein, innerlich drei Schritte zurückzutreten und sich selbst zu relativieren, empfahl der Berliner Rabbiner Andreas Nachama. Im jüdischen 18-Bitten-Gebet, das im Stehen gesprochen wird, tue man dies am Ende auch buchstäblich. Eine solche Zurücknahme sei ein Anliegen in allen Religionen – „trotz ihrer jeweiligen eigenen Ultras“.
Augsburgs katholischer Bischof Bertram Meier nannte vier Kriterien für gelungene Verständigung: erlebte Gemeinschaft – etwa bei Katholiken- und Kirchentagen, konkretes Handeln, hoffnungsvolle Visionen und Vertrauen in bestehende Möglichkeiten. Auch in diesem Sinne gebe es gemeinsame Nenner zwischen den Religionen.
Der Vorsitzende des Islamrats in Deutschland, Burhan Kesici, nannte vier friedensstiftende Impulse: die grundlegende Anerkennung von Vielfalt, Unterschiedlichkeit als Chance sowie Gerechtigkeit, „auch wenn sie sich gegen einen selbst wendet“, weil man selbst Fehler begangen habe.
Zwei Vertreterinnen von Buddhismus und Baha’i hoben ebenfalls die Prägung der eigenen Persönlichkeit durch ihre Religion hervor. Persönliche Friedfertigkeit entwickle sich zunächst im eigenen Denken, Reden und Handeln, so die Buddhistin und Tibetologin Carola Roloff. Dann komme es aber darauf an, aufzustehen gegen Hass und für Menschlichkeit, Demokratie, Respekt und die gleiche Würde von Frauen und Männern.
Am Ende empfahl Bischöfin Fehrs den Besuchern eine praktische Übung: „Von vier Menschen an einem Tisch dürfe jeder vier Minuten ununterbrochen reden, die anderen hörten insgesamt zwölf Minuten still zu. „Erst dann dürfen Sie über das sprechen, was Sie gehört haben. Das ist nicht leicht, aber es bereichert“, so Fehrs. (KNA, iQ)