Islamdebatte

Islamwissenschaftler kritisiert pauschale Vorwürfe gegen Muslime

„Islamisierung“ ist ein gefährliches Zerrbild: Der Islamwissenschaftler Mathias Rohe warnt vor Generalverdacht gegen Muslime und mahnt zu einer klaren Unterscheidung zwischen Religionsausübung und Extremismus.

07
07
2025
Prof. Dr. Mathias Rohe
Prof. Dr. Mathias Rohe

Der Islamwissenschaftler und Jurist Mathias Rohe warnt vor einem Generalverdacht gegen Muslime in Deutschland. Es sei ein gefährliches Zerrbild, immer wieder von einer „Islamisierung Deutschlands“ zu sprechen, schreibt der Direktor des Zentrums für Islam und Recht in Europa an der Uni Erlangen-Nürnberg in einem Gastbeitrag für die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ (Montag).

Natürlich sei islamistisch motivierte Gewalt eine reale Bedrohung und müsse mit rechtsstaatlichen Mitteln konsequent bekämpft werden, betonte Rohe. Doch jeder Generalverdacht gegen die muslimische Bevölkerung sei unbegründet und schädlich.

Der Begriff „Islamisierung“ werde häufig zur Beschreibung islamistisch-extremistischer Entwicklungen genutzt, sei aber irreführend. Tatsächlich handele es sich bei Islamismus um eine politische Ideologie, die eine islamische Gesellschaftsordnung über den säkularen Staat stellen wolle.

„Nur ein kleiner Teil unterstützt radikale Ideologien“

Doch nur ein kleiner Teil der muslimischen Bevölkerung in Deutschland unterstütze solche Positionen, so Rohe. Das zeigten zahlreiche Studien. Die Mehrheit lebe religiös im privaten Rahmen und bekenne sich zu Demokratie und Grundgesetz.

Rohe warnte vor pauschalen Unterstellungen: Religiöse Praktiken wie das Tragen eines Kopftuchs oder ein Verzicht auf den Handschlag zur Begrüßung sollten nicht vorschnell als Zeichen von Extremismus gewertet werden.

Wer religiöse Normalität mit Islamismus verwechsle, betreibe eine gefährliche Täter-Opfer-Umkehr. Islamfeindliche Pauschalurteile förderten nicht die Sicherheit, sondern Radikalisierung.

Zwischen legitimer Religionsausübung und extremistischen Bestrebungen klar zu unterscheiden

Zugleich forderte Rohe eine effektive Bekämpfung des Islamismus – etwa durch bessere digitale Überwachung, verstärkte internationale Kooperation und die gezielte Prävention in sozialen Medien.

Wichtig sei dabei, zwischen legitimer Religionsausübung und extremistischen Bestrebungen klar zu unterscheiden. Auch müssten muslimische Organisationen gleichberechtigt am gesellschaftlichen Leben teilhaben können, wenn sie die freiheitlich-demokratische Grundordnung achten.

Leserkommentare

Marco Polo sagt:
Die Übergänge zwischen der hier in der Überschrift benannten "Religionsausübung" und islamischen Extremismus-Varianten sind doch fliessend. Da kann dieser Mahner und Warner Rohe in Erlangen und Nürnberg noch so viel reden und philosophieren. Einfach eine "klare Unterscheidung" zu wollen, das sind oftmals nur naive und realitätsferne Träumereien in irgendwelchen Studierstuben. Die Mehrheit der Bevölkerung will keine muslimische Umgestaltung der Gesellschaft. Und sie will auch nicht einen neuen (SPD-)Oberbürgermeister in Nürnberg mit Vornamen Ahmed haben, der überall aktuell vorprescht, weil er stark karriere- und publicity-süchtig ist. Wo bleibt denn die Kampfansage der tiefreligiösen und ach so liberal gesinnten Korananhänger an den extremistischen Islam? Wo ist die denn? Sie taucht höchstens mal eher versteckt und marginalisiert auf, wenn überhaupt. Die Nürnberger Altstadt wird nicht bereichert, wenn dort immer mehr Muslimas in islamischer Tracht flanieren und damit ihrem Islam und sich selber mehr Präsenz und Beachtung verschaffen wollen. Religiöse Praktiken in aller Öffentlichkeit in historisch gewachsenen Stadtkernen stossen eben in der Regel nicht auf Zustimmung. Sie wirken befremdlich, unpassend, oftmals anmaßend und teilweise sogar bedrohlich. Kein islamisches Land würde es dulden, wenn dort die in Bayern üblichen Trachtenmoden in aller Öffentlichkeit getragen würden. Männer in kurzen Lederhosen und Frauen, in Dirndlkleidern mit großer Oberweite und brustbetont, würden da schnell verhaftet werden. Die neue schwedische Integrationsministerin Simona Mohamsson von der Partei Die Liberalen sagte kürzlich: "Es ist kein Menschenrecht, in Schweden zu leben". Sie thematisierte die Zuwanderungs- Problematik im Hinblick auf im Land vorherrschende Wertvorstellungen im Vergleich zu davon abweichende Ansichten bei neu in Schweden eintreffenden Migranten - auch mit islamischem und "nicht-westlichem" Hintergrund. Die Islamdebatte findet statt. In Schweden und in ganz Europa. Das Schlußwort hat hierbei aber nicht der Islam. Und auch nicht Mathias Rohe und sein Lehrstuhl.
07.07.25
18:51
grege sagt:
Der Vorwurf des Generalverdachts wird gerne von bestimmten Islamverbänden als Totschlagargument geäußert, um sich gegen berechtitigte Kritik zu immunisieren. Dass Extremimus unter Muslimen nicht marginal verbreiteitet ist, sondern über Einzelfälle hinausgeht, belegen diverse Studien, die z.B. Heitmeyer, der Uni Münster oder Ruud Koopermanns veröffentlicht haben. Ebenso sind Vertreter von Islamverbänden auch wenig zurückhaltend mit Vorwürfen gegenüber der Mehrheitsgesellschaft, die Islamfeindlichkeit als gesellschaftsrelevantes Problem erachten. Hier zeigt sich das heuchlerische Verhalten von Islamverbänden bzw. islamiq.de, die gerne Vorwürfe äußern, die sie an die eigene Adresse gerichgtet als stigmatisierend empfinden.
07.07.25
21:47