Debatte

Islamrat warnt nach Merz-Aussagen zum Frauenbild vor Spaltung

Der Kanzler hat sich am Mittwoch beim Thema Gewalt gegen Frauen im Bundestag mit den Grünen angelegt. Jetzt legt er noch einmal nach. Muslime finden diese Aussagen „problematisch“.

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03
2026
CDU-Chef Friedrich Merz © shutterstock, bearbeitet by iQ
Bundeskanzler Friedrich Merz © shutterstock, bearbeitet by iQ

In der Debatte über Gewalt gegen Frauen und Zuwanderung hat Bundeskanzler Friedrich Merz den Grünen vorgeworfen, das Frauenbild im Islam auszublenden. „Ich wundere mich immer wieder darüber, wie zum Beispiel die Grünen mit einer unglaublichen Pose für Gleichberechtigung und für Frauenrechte einstehen, und dann werden sie plötzlich ganz still, wenn es mal darum geht, mal über das Familienbild im Islam zu sprechen und mal darüber offen zu sprechen, was da denn auch für ein Frauenbild in diesen Gesellschaften teilweise herrscht“, sagte der CDU-Chef in einem Interview beim F.A.Z.-Kongress 2026 in Frankfurt am Main.

„So, und darüber müssen wir sprechen, das müssen wir ansprechen, und wir müssen es versuchen zu ändern. Und das genau versuche ich zu tun.“

Merz hatte sich am Mittwoch in der Regierungsbefragung im Bundestag zur Debatte über Gewalt gegen Frauen geäußert und war anschließend scharf dafür kritisiert worden, dass er für einen „beachtlichen Teil“ der Gewalt Zuwanderer verantwortlich machte. Die Kritik kam vor allem von Grünen und Linken, aber auch vom Koalitionspartner SPD. Mit den Grünen hatte er sich schon im Bundestag dazu einen Schlagabtausch geliefert.

Kanzler will sich nicht beirren lassen

Der Kanzler wies nun darauf hin, dass Migration sowohl Chancen und Probleme bringe. Die Chancen lägen in der Migration in den Arbeitsmarkt. Man dürfe aber auch die Augen nicht davor verschließen, dass in den letzten zehn Jahren „ziemlich große Probleme“ mit irregulärer Migration entstanden seien. „Und ich werde mich auch nicht davon beirren lassen, das anzusprechen.“

Islamrat: Debatte schürt Hass gegen Muslime

Der Vorsitzende des Islamrats, Burhan Kesici, kritisiert die Aussagen von Bundeskanzler Friedrich Merz bezüglich der Gewalt gegen Frauen und Muslime als „problematisch“. Zum einen würden dadurch Muslime problematisiert und stigmatisiert sowie bestehende Vorurteile bedient. Zum anderen sei zu kritisieren, dass der Bundeskanzler mit pauschalen Aussagen „auf ein solches Niveau sinkt“ und damit Rechten die Möglichkeit gebe, noch stärker zu werden.

Gewalt gegen Frauen gebe es in allen Gesellschaften, unabhängig von Religion oder Herkunft. In den letzten Jahren habe man zudem gesehen, dass die Gewalt gegen Muslime und insbesondere gegen muslimische Frauen zugenommen habe. Was man jetzt brauche, sei keine Debatte, die Hass gegen Muslime schüre, sondern eine Debatte darüber, wie diese Gewalt verhindert werden könne, so Kesici abschließend.

Grüne wollen muslimisches Leben stärker fördern

Die Bundestagsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen hat einen Antrag mit dem Titel „Vielfältiges muslimisches Leben in Deutschland fördern“ vorgelegt. Darin schlägt die Fraktion 24 Maßnahmen vor, mit denen muslimisches Leben in Deutschland stärker unterstützt, sichtbarer gemacht und institutionell besser eingebunden werden soll. Ziel ist es laut Antrag, die gesellschaftliche Teilhabe von Musliminnen und Muslimen zu verbessern und bestehende strukturelle Ungleichheiten abzubauen. (dpa, iQ)

Leserkommentare

grege sagt:
Der Beitrag „Merz fordert Debatte über Frauenbild im Islam“ auf IslamiQ offenbart ein Muster, das inzwischen kaum noch überrascht – aber dennoch besorgniserregend ist: Kritik wird nicht diskutiert, sondern reflexhaft moralisch neutralisiert. Bundeskanzler Friedrich Merz hat eine Debatte gefordert – keine Pauschalverurteilung, kein Generalverdacht, sondern ein offenes Gespräch über das Frauen‑ und Familienbild in Teilen muslimisch geprägter Gesellschaften. Was folgt, ist keine inhaltliche Auseinandersetzung, sondern der altbekannte Reflex: Kritik wird als Stigmatisierung, ja als potenzieller Hass gebrandmarkt. [islamiq.de] Auffällig ist, worüber nicht gesprochen wird: über patriarchale Normen, religiös legitimierte Geschlechterhierarchien, Zwangsheirat, Ehrgewalt oder moralischen Druck auf Frauen – Phänomene, die nicht exklusiv islamisch sind, aber in bestimmten kulturellen und religiösen Kontexten eben nicht zufällig gehäuft auftreten. Wer diese Zusammenhänge aus Angst vor „Spaltung“ tabuisieren will, betreibt keinen Opferschutz, sondern Debattenvermeidung. Gewalt gegen Frauen existiert in allen Gesellschaften – das ist eine triviale Wahrheit. Daraus jedoch abzuleiten, dass kulturelle oder religiöse Wertvorstellungen keiner kritischen Betrachtung zugänglich sein dürfen, ist intellektuell unredlich. Wer Gleichheit ernst meint, muss Unterschiede benennen dürfen. IslamiQ folgt hier demselben Muster wie in anderen Beiträgen: Kritik am politischen oder kulturellen Islam wird nicht mit Argumenten beantwortet, sondern moralisch delegitimiert. So entsteht keine Debatte, sondern ein rhetorisches Leisetreten um ein reales Problem. Das Ergebnis ist nicht Schutz vor Diskriminierung, sondern wachsende Skepsis in der gesellschaftlichen Mitte. Eine liberale Gesellschaft lebt davon, dass Religionsfreiheit und Religionskritik zusammen gedacht werden. Wer das eine nur um den Preis des Schweigens über das andere gewährt, ersetzt Aufklärung durch Abschottung. Wer Vertrauen gewinnen will, muss Diskussionen ermöglichen – nicht sie pathologisieren
01.04.26
16:36