Bundestag

Merz gerät wegen Äußerungen zu Zuwanderern in Gewaltdebatte unter Kritik

Bundeskanzler Friedrich Merz löst mit seiner Aussage, ein „beachtlicher Teil“ der Gewalt gegen Frauen komme von Zuwanderern, heftige Debatten aus. Kritiker widersprechen. Gewalt musse unabhängig von Herkunft konsequent verfolgt werden.

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03
2026
Bundeskanzler Friedrich Merz © shutterstock, bearbeitet by iQ.
Bundeskanzler Friedrich Merz © shutterstock, bearbeitet by iQ.

Eine Äußerung über Zuwanderer in einer Debatte zu Gewalt gegen Frauen hat Bundeskanzler Friedrich Merz heftige Kritik eingebracht. Merz hatte am Mittwoch im Bundestag von einer „explodierenden Gewalt“ in der Gesellschaft gesprochen und gefordert, darüber zu sprechen, „wo diese Gewalt herkomme“. Dabei sagte er, dass „ein beachtlicher Teil dieser Gewalt aus den Gruppen der Zuwanderer in die Bundesrepublik Deutschland kommt“.

Für diese Aussage erhielt er Beifall von Abgeordneten der Union und der AfD, während es Zwischenrufe aus den Reihen der Grünen und der Linken gab. Die Linken-Abgeordnete Clara Bünger erklärte: „Diese Gewalt ist nicht zugewandert, sie war schon immer da – alle Frauen in diesem Land wissen das.“ Der Grünen-Rechtspolitiker Helge Limburg ergänzte: „Wer wirklich glaubt, patriarchale Gewalt und Femizide seien ein eingewandertes neues Phänomen, der glaubt auch an die Beliebtheitswerte dieses Bundeskanzlers.“

Auch zivilgesellschaftliche Stimmen meldeten sich zu Wort. Die Bundesvorsitzende der Türkische Gemeinde in Deutschland (TGD), Mehtap Caglar, kritisierte Merz’ Aussagen: „Mit seinen Äußerungen hat er bewiesen, dass es ihm nicht um den Schutz von Frauen geht, sondern um politische Instrumentalisierung.“ Wer Gewalt nur dann thematisiere, wenn sie Migranten zugeschrieben werde, lasse jede Frau in Deutschland im Stich, die Schutz vor patriarchaler Gewalt brauche – egal, woher der Täter komme.

Der Sprecher des Koordinationsrats der Muslime und Generalsekretär der IGMG, Ali Mete, betonte in diesem Zusammenhang, dass Migration „eine Bereicherung und Notwendigkeit für Deutschland, das ein Einwanderungsland ist“ sei. „Jeder Migrant hat dieselben unveräußerlichen Rechte und Würde“, sagte Mete. Straftaten müssten unabhängig von Herkunft, Religion oder politischer Haltung nach geltendem Recht verfolgt werden. „Der Islam ist ein Teil Deutschlands. Muslime sind Teil Deutschlands. Sie haben unser Land mit aufgebaut und leisten jeden Tag ihren Beitrag dazu.“ (dpa, iQ)

Leserkommentare

Timotheus sagt:
"Der Islam ist ein Teil Deutschlands." So lese ich hier. Ali Mete würde sicherlich nur zu gerne lieber sagen können: "Deutschland ist ein Teil des Islam." Die hier besonders betonte Äußerung von Merz hat ihm aber auch heftige Zustimmung eingebracht. Er hatte auch von Gewalt aus den Gruppen von Zuwanderern bzw. Migranten in Deutschland gesprochen, aber nicht nur davon. Mehtap Caglar verzerrt diesbezüglich die Fakten in eine falsche Richtung. Ausgeübte Gewalt von Zuwanderern oder gar Terror ist eine schlimme Angelegenheit für sich und muss entsprechend thematisiert werden. Ohne wenn und aber. Wenn dies nicht geschieht, werden bestimmte Parteien zwangsläufig noch mehr Zulauf bekommen.
28.03.26
0:32
Pervin sagt:
Warum fehlen hier die Messerattacken und Anschläge und Morde in der Berichterstattung, die tagtäglich von Muslimen in Deutschland verübt werden? Es wird von rechter Gewalt berichtet, von einer falschen Wortwahl des deutschen Bundeskanzlers - aber wie geht islamiq.de mit den zahlreichen Verbrechen aus den eigenen Reihen um?? Mit Totschweigen? Ignoranz? Es wäre an der Zeit, diese Taten offen zu benennen und zu verurteilen!
31.03.26
19:09