Frankreich

Verdächtiger von Paris gibt “pathologischen Hass auf Ausländer” an

Ein Mann schießt bei einem kurdischen Gemeindezentrum in Paris und tötet drei Menschen. Schnell steht ein rassistisches Motiv im Raum. Nun werden Details zur Tat bekannt.

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12
2022
Frankreich, Polizei, Muslimin, Kopftuch
Symbolbild: Polizei in Frankreich © Shutterstock, bearbeitet by iQ.

Nach einem tödlichen Angriff bei einem kurdischen Kulturzentrum in Paris hat sich der mutmaßliche Täter zu einem “pathologisch gewordenen Hass auf Ausländer” bekannt. Das teilte die Pariser Staatsanwaltschaft am Sonntag mit.

Der Mann hat demnach seit einem Einbruch vor sechs Jahren “immer Lust gehabt, Migranten beziehungsweise Ausländer zu töten”. Bereits am Samstag war ein rassistisches Motiv in die Ermittlungen wegen vorsätzlicher Tötung und schwerer Gewalt mit aufgenommen worden.

Laut Staatsanwaltschaft wollte der Mann ursprünglich im stark von Migranten geprägten Pariser Vorort Saint-Denis Menschen angreifen. Er habe sich bewaffnet dorthin begeben, “um Morde an ausländischen Personen zu begehen”, hieß es. Dann habe er von seinem Plan abgelassen, weil nur wenige Menschen vor Ort waren und er wegen seiner Kleidung seine Waffe nicht leicht nachladen konnte.

Am Freitag hatte ein Mann bei einem kurdischen Gemeindezentrum mehrere Schüsse abgefeuert und drei Menschen getötet. Drei weitere Menschen wurden bei dem Angriff im zehnten Pariser Arrondissement verletzt.

Nach Angaben des kurdischen Dachverbands Demokratischer Kurdischer Rat in Frankreich (CDK-F) sind alle Opfer kurdische Aktivisten. Der mutmaßliche Täter, ein 69 Jahre alter Franzose, wurde festgenommen. Wegen seines Gesundheitszustands wurde er auf eine psychiatrische Station gebracht. (dpa, iQ)

Leserkommentare

Minimalist sagt:
So schlimm diese Vorgänge in Frankreich auch sind, so darf man keinesfalls andere schlimme Ereignisse bzw. Messerattacken in Deutschland aus dem Fokus verlieren. Vor drei Tagen sprach nach einem zweimonatigen Prozess das Oberlandesgericht München einen in Syrien aufgewachsenen palästinensischen Volksangehörigen unter anderem wegen dreifachen versuchten Mordes und gefährlicher Körperverletzung schuldig und verurteilte ihn zu 14 Jahren Haft. Der 28-jährige Angeklagte griff 2021 in einem ICE in Bayern vier Reisende mit einem Messer an und verletzte sie zum Teil schwer. Laut Gericht mit den Mordmerkmalen der niedrigen Beweggründe und der Heimtücke. Ebenso wie die Bundesanwaltschaft ging hier das Gericht von einem radikal-islamistischen Hintergrund aus. Und so berichteten auch alle führenden Medien in Deutschland. Drei psychiatrische Gutachter waren im Prozess zu dem Ergebnis gekommen, der Angeklagte sei nicht psychisch krank, sondern simuliere dies nur. Die Tat selber brannte sich nachhaltig bei den Opfern und Zeugen ein und belastet sie teils bis heute. Im Urteil heißt es, der Täter habe aus islamistischen Motiven mit Tötungsabsicht gehandelt. Er habe mehrfach "wuchtig" zugestochen, so beschrieb es der Richter - aus einer nachweislich islamistisch-dschihadistischen Überzeugung heraus. Die Radikalisierung erfolgte seit 2018 mit Ausrichtung an islamistischen Vorschriften bei entsprechendem Videokonsum. Auch Freunde sollten in diese Richtung vom späteren Täter bekehrt und missioniert werden. War hier letztlich ein "pathologischer Hass auf Ungläubige" in einem für den Täter fremden Land das primäre Mordmotiv im ICE in der Oberpfalz zwischen Regensburg und Nürnberg?
26.12.22
16:32
Dilaver_Ç. sagt:
Der Kommentar von Minimalist ist ein klassisches Beispiel für Whataboutism.
28.12.22
13:44