Völkermord in Srebrenica

Historiker erhält doch kein Verdienstkreuz

Das Auswärtige Amt hatte für das Bundesverdienstkreuz den Historiker Gideon Greif vorgeschlagen. Ihm wird vorgeworfen den Genozid in Srebrenica zu leugnen. Nach Kritik kommt es zur Wende.

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Gedenkstätte in Srebrenica © Anadolu Ajans, bearbeitet by iQ
Gedenkstätte in Srebrenica © Anadolu Ajans, bearbeitet by iQ

Der Historiker Gideon Greif erhält nach dpa-Informationen nun doch nicht das Bundesverdienstkreuz. Die ursprünglich geplante Ehrung des wegen pro-serbischer Aktivitäten umstrittenen Wissenschaftlers hatte für Irritationen gesorgt – vor allem in Bosnien-Herzegowina. Das Bundespräsidialamt hatte Ende Oktober erklärt, dass die Entscheidung in Abstimmung mit dem Auswärtigen Amt überprüft werde. Am Samstag bestätigte eine Sprecherin des Bundespräsidenten, dass das Bundesverdienstkreuz an Greif nicht verliehen worden sei. Der Vorschlag sei aus inhaltlichen Gründen vom Auswärtigen Amt zurückgezogen worden.

Greif forscht vor allem zum Holocaust, hat sich aber auch als Leugner des Völkermords von Srebrenica hervorgetan. Der 70-Jährige leitete eine internationale Historikerkommission, die im Juni 2021 in einem mehr als 1000-seitigen Bericht den Völkermordcharakter des Massakers bestritt. In Srebenica hatten bosnisch-serbische Truppen während des Bosnien-Kriegs 1995 mehr als 8000 Muslime ermordet. Dem Bericht messen unabhängige Historiker keinen wissenschaftlichen Wert bei.

Die Kommission hatte der führende Politiker der bosnischen Serben-Republik, Milorad Dodik, eingesetzt. Dodik betreibt die Abspaltung der Serben-Republik aus dem bosnischen Staatsverband. Greif ist seit vielen Jahren auch in Serbien aktiv. Er veröffentlichte auch Arbeiten, die die Zahl der serbischen Opfer im Zweiten Weltkrieg übertreiben.

Mehrere Urteile des Internationalen Kriegsverbrecher-Tribunals für das ehemalige Jugoslawien in Den Haag stufen das Massaker als Völkermord ein. Der bis Ende Juli amtierende Hohe Repräsentant der internationalen Gemeinschaft in Bosnien, Valentin Inzko, machte die Leugnung des Völkermords von Srebrenica – aber auch anderer Kriegsverbrechen im Bosnien-Krieg (1992-1995) – zu einem strafrechtlichen Vergehen.

Über die Entscheidung, Greif nun doch nicht das Bundesverdienstkreuz zu geben, hatte am Donnerstag zuerst das bosnische Nachrichtenportal „klix.ba“ berichtet. Es veröffentlichte eine Antwort des Bundespräsidialamts. Darin heißt es: „Der Bundesminister für Auswärtiges hat seinen Vorschlag, Professor Greif mit dem Verdienstorden der Bundesrepublik Deutschland auszuzeichnen, zurückgezogen.“ Das Schreiben trägt das Datum 7. Dezember. (dpa, iQ)