Lübeck

Familie attackiert – Polizei prüft rassistisches Motiv

Am Samstag wurde in Lübeck eine türkischstämmige Familie durch den Einsatz von Reizgas verletzt wurde. Die Polizei ermittelt.

05
07
2021
Rassistische Chats Polizei
Symbolbild: Polizei © shutterstock, bearbeitet by iQ.

Nach einem Angriff auf eine türkischstämmige Familie in Lübeck ermittelt der polizeiliche Staatsschutz gegen die mutmaßlichen Täter. Ein 51-jähriger Mann und seine 49 Jahre alte Frau sollen nach bisherige Erkenntnissen nach einem verbalen Streit einen 45-jährigen, türkischstämmigen Familienvater und seine beiden vier und acht Jahre alten Kinder mit einem Tier-Abwehrspray angegriffen und verletzt haben, wie Polizei und Staatsanwaltschaft am Montag mitteilten.

Die drei wurden zur Behandlung in ein Krankenhaus gebracht.

Woran sich der Streit am Sonnabend auf einem belebten Fußgängerüberweg entzündete, ist nach Angaben der Ermittler noch unklar. Es gebe aber Anhaltspunkte für einen rassistischen Hintergrund, sagte eine Sprecherin der Staatsanwaltschaft.

Der Angreifer und seine Frau hatten den Angaben zufolge neben dem Tier-Abwehrspray auch ein Einhand-Messer und einen Teleskopschlagstock bei sich. Deshalb wird gegen sie auch wegen Verstoßes gegen das Waffengesetz ermittelt. Die Gruppierung La Rage rief mit Blick auf den Vorfall für Montagabend zu einer Demonstration gegen rassistische Gewalt auf. (dpa, iQ)

Leserkommentare

Vera sagt:
Am Mittwochabend dieser Woche wurde ebenfalls ein türkischstämmiger Mann in Berlin-Neukölln im Innenhof seines Wohnhauses attackiert. Der 48-jährige türkische Exil-Journalist Acarer wurde von drei unbekannten Männern mit Schlägen und Tritten angegriffen und am Kopf verletzt. Im Krankenhaus wurde er später medizinisch versorgt. So berichtete rbb-24. Erk Acarer sagte: "Dass nichts schlimmeres passiert ist, habe ich der Nachbarschaft zu verdanken...durch die vielen Zeugen gerieten die Angreifer in Panik. Für mich ist klar, daß die türkische AKP/MHP-Regierung dahintersteckt. Es war jedenfalls ein organisierter Angriff gegen mich. Meine Familie und ich stehen inzwischen unter Polizeischutz." Der für politisch motivierte Taten zuständige Staatsschutz im Landeskriminalamt (LKA) hat die Ermittlungen aufgenommen. Erk Acarer: "Ich kenne die Täter. Ich werde niemals vor dem Faschismus kapitulieren. Dieser Angriff ist der Beweis dafür, dass alles, was wir gegen die islamistische und faschistische AKP-MHP-Regierung geschrieben und gesagt haben, korrekt ist." Der Journalist weist auch auf sein Buch "Die IS und die Türkei" hin, in dem es auch um IS-Strukturen in der Türkei geht. Cem Özdemir twitterte dazu: "Es ist ungeheuerlich, daß Exilanten aus der Türkei hierzulande Angst haben müssen um ihre Sicherheit." Sevim Dagdelen schrieb: "Erdogans Schergen greifen in Berlin einen Exil-Journalisten in seiner Wohnung mit Messern an. Wie lange will die Bundesregierung dem lebensgefährlichen Treiben des Erdogan-Netzwerks noch zuschauen?" Und Journalist Can Dündar wertete den Angriff als "direkte Botschaft" des türkischen Staatschefs Recep Tayyip Erdogan. Rund 200 Menschen nahmen am Abend noch an einer Solidaritäts-Demonstration am Kottbusser Tor teil.
09.07.21
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