Rassismus

Rassistische Anschläge in Deutschland – eine Chronologie

Hanau war kein Einzelfall. Seit 1990 werden rassistische Gewalttaten in Deutschland erfasst. Mehr als 200 Menschen sind seitdem durch rechtsextremistischen Terror getötet worden. Manche sind bereits wieder in Vergessenheit geraten.

20
02
2021
Rassistische Anschläge in Deutschland
Rassistische Anschläge in Deutschland

Die Liste der rechtsextremen und rassistischen Anschläge in Deutschland ist lang. Duisburg, Mölln, Solingen, Halle, Hanau, die NSU-Mordserie oder die Ermordung Marwa El-Sherbinis, um nur wenige zu nennen. Seit 1990 werden rassistische Gewalttaten in Deutschland statistisch erfasst. Mehr als 200 Menschen sind seitdem Opfer rechtsextremistischen Terrors geworden, doch nicht alle wurden so eingestuft. Noch immer gibt es keine Lösung. Zurecht stellt sich die Frage: Was muss noch passieren? Im Gedenken an alle Opfer des Rassismus.

Duisburg – 27.08.1984

Der Brandanschlag in Duisburg ist kaum bekannt. In der Nacht vom 26. auf den 27. August 1984 wurde in einem Wohnhaus in Duisburg-Wanheimerort, in dem überwiegend aus der Türkei Eingewanderte wohnten, Feuer gelegt. Döndü Satır, Zeliha und Rasim Turhan, deren Sohn Tarık Turhan, sowie Çiğdem Satır, Ümit Satır und Songül Satır starben. 23 Menschen wurden verletzt. Rukiye und Aynur, zwei weitere Töchter der Familie Satır, überlebten schwerverletzt durch einen Sprung aus dem Fenster. Ebenso der Vater Ramazan Satır, der zum Zeitpunkt des Brandes außer Haus gewesen war.

Nachdem die Täterin lange nicht ermittelt werden konnte, gestand Evelin D. 1994 im Rahmen der Ermittlungen zum Brandanschlag auf ein Flüchtlingswohnheim in Duisburg- Hamborn am 26. Januar 1993 auch die Tat in Wanheimerort. Als Tatmotiv wurde Pyromanie ermittelt, die Täterin wurde nach dem Urteil vom 30. Dezember 1996 in die Psychiatrie eingewiesen, wo sie 2010 starb. Obwohl sich beide Taten gegen Migranten richteten, wurde ein politisches Motiv der Täterin ausgeschlossen. 2018 wurde der Fall wieder publik gemacht, wodurch ein möglicher rassistischer Hintergrund der Tat in den Fokus geriet.

Hamburg – 24.12.1985

Am 21.Dezember 1985 wurde Ramazan Avcı Opfer eines rechtsextremen Angriffs. Er war mit seinem Bruder und einem Freund auf dem Nachhauseweg, als er an einer Haltestelle, vor einer für Rechtsextreme berüchtigte Gaststätte, wartete. Als eine Gruppe von Rechtsextremisten auf sie aufmerksam wurde, kam es zu einer kleinen Rangelei, in der Gegenstände wie Bierflaschen rumflogen. Als Avci und seine Begleiter die Flucht ergriffen, werden sie mit einem Auto verfolgt. Avcis Bruder und sein Freund haben den Bus noch bekommen, doch Avci schaffte es nicht mehr und wurde von den Rechtsextremisten überfahren. Später stiegen sie aus und prügelten auf Avci ein, bis er bewusstlos wurde. Avci erleidet schwere Brüche am Schädel, Becken und an den Beinen. Trotz Notoperation konnte er sich nur drei Tage am Leben festhalten. Am 24. Dezember 1985 erlag er seinen Verletzungen.

Mölln – 23.11.1992

Am 23. November 1992 setzten Neonazis ein von türkeistämmigen Menschen bewohntes Haus in der schleswig-holsteinischen Stadt Mölln in Brand. Bei dem Anschlag starben Bahide Arslan, Yeliz Arslan und Ayşe Yılmaz. Neun weitere Menschen wurden zum Teil schwer verletzt. Ein Täter musste lebenslänglich in Haft, sein jugendlicher Komplize zehn Jahre.

Der Anschlag von Mölln erregte weltweit Aufsehen. Die „Eulenspiegel-Stadt“ wurde zum Sinnbild für mörderischen Rassismus. In ganz Deutschland protestierten Menschen mit Lichterketten gegen den wachsenden Rechtsradikalismus. An der Trauerfeier für die Opfer nahmen am 27. November 1992 in Hamburg mehr als 10.000 Menschen teil. Die Ermittlungen zu dem Brandanschlag zog die Bundesanwaltschaft an sich – ein Novum. Der Anschlag sei dazu bestimmt gewesen, „die innere Sicherheit der Bundesrepublik Deutschland zu beeinträchtigen“, begründete Generalbundesanwalt Alexander von Stahl die Entscheidung.

Das Schleswig-Holsteinische Oberlandesgericht verurteilte die Täter am 8. Dezember 1993 wegen dreifachen Mordes in Tateinheit mit versuchtem Mord an sieben Menschen. Der 19-jährige Täter wurde zu zehn Jahren Haft nach dem Jugendstrafrecht und der 25-jährige Mittäter zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe verurteilt. Die Brandstifter sind inzwischen beide wieder auf freiem Fuß.

Solingen – 29.05.1993

Der Brandanschlag in Solingen ist einer der folgenschwersten rassistischen Anschläge in der Geschichte der Bundesrepublik. In der Nacht auf den 29. Mai 1993 wurden Gürsün Ince (27), Hatice Genç (18), Gülüstan Öztürk (12), Hülya Genç (9) und Saime Genç (4) getötet. 14 weitere Familienmitglieder erlitten zum Teil lebensgefährliche Verletzungen. Die Opfer waren Töchter, Enkelinnen und eine Nichte von Mevlüde und Durmuş Genç, die Anfang der 1970er Jahre mit drei Kindern aus der Türkei nach Deutschland eingewandert waren. In Solingen bekamen sie zwei weitere Kinder und fanden dort auch ihren Lebensmittelpunkt.

Schon wenige Tage nach dem Anschlag wurden die Täter festgenommen: Vier männliche Jugendliche aus der Solinger Nachbarschaft, zwischen 16 und 23 Jahre alt. Alle vier waren schon zuvor mit rechtsextremen Sprüchen aufgefallen. Der international beachtete Prozess gegen die vier Angeklagten begann im April 1994 vor dem Oberlandesgericht Düsseldorf. Nach 127 Verhandlungstagen wurden die Täter im Oktober 1995 wegen fünffachen Mordes, 14-fachen Mordversuchs und besonders schwerer Brandstiftung zu Jugend und Haftstrafen zwischen zehn und 15 Jahren verurteilt. In der Urteilsbegründung heißt es, dass die Morde aus niederen, rassistischen Beweggründen begangen wurden. Inzwischen haben die Täter ihre Strafen verbüßt und sind wieder auf freiem Fuß.

NSU – 09.09.2000-25.04.2007

Am 9. September 2000 wurde Enver Şimşek auf offener Straße anschossen. Zwei Tage später stirbt er in einem Krankenhaus. Einen rechtsextremen Hintergrund erwägen die Beamten zunächst nicht. Erst elf Jahre nach dem Mord, als Fotos des schwer verletzten Şimşek in dem von Beate Zschäpe veröffentlichten Bekennervideo des „Nationalsozialistischen Untergrund (NSU)“ auftauchen, wird sein Tod aufgeklärt. Bis dahin hatten die Beamten auch in den darauffolgenden NSU-Mordfällen einen rechtsextremen Hintergrund der Verbrechen ausgeschlossen und im Umfeld der Opfer nach den Tätern gesucht.

Im November 2011 wurden die Leichen der Mittäter Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt nach einem Banküberfall in einem abgebrannten Wohnmobil aufgefunden. Mit der Identifizierung der Täter wird klar: Şimşek wurde aus einer rassistischen, islamfeindlichen Motivation heraus getötet. Nach Enver Şimşek tötet das NSU-Netwerk mindestens neun weitere Menschen: Abdurrahim Özüdoğru (13. Juni 2001, Nürnberg), Süleyman Taşköprü (27. Juni 2001, Hamburg), Habil Kılıç (29. August 2001, München), Mehmet Turgut (25. Februar 2004, Rostock), Ismail Yaşar (9. Juni 2005, Nürnberg), Theodoros Boulgarides (15. Juni 2005, München), Mehmet Kubaşık (4. April 2006, Dortmund), Halit Yozgat (6. April 2006, Kassel), Michèle Kiesewetter (25. April 2007, Heilbronn) Am 11. Juli 2018 endete in München der NSU-Prozess nach 438 Verhandlungstagen. Beate Zschäpe wurde zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe verurteilt.

Dresden – 01.07.2009

Im August 2008 wurde die ehemalige Handballerin und Apothekerin Marwa El-Sherbini von ihrem späteren Mörder auf einem Dresdner Spielplatz als „Islamistin“ und „Terroristin“ beschimpft. Nach einer Anzeige bei der Polizei kam es am 1. Juli 2009 zur Gerichtsverhandlung im Dresdner Landgericht, bei der die schwangere El-Sherbini als Zeugin aussagen sollte. Als sie den Gerichtssaal verlassen wollte, wurde sie vom Angeklagten mit 16 Messerstichen getötet – im Gerichtssaal, vor den Augen ihres Ehemanns und ihres Kindes. Auch ihr Mann wurde bei dem Angriff schwerverletzt.

Der dreijährige Sohn wurde Zeuge, wie seine Mutter verblutete. Der Angeklagte trug in seinem Rucksack unbemerkt ein Kampfmesser ins Gerichtsgebäude. Der Täter wurde wegen Mordes zu einer lebenslangen Haft verurteilt; die besondere Schwere der Schuld wurde festgestellt. Im Prozess gegen Marwa El-Sherbinis Mörder benennt die Staatsanwaltschaft erstmals antimuslimischen Rassismus als zentrales Tatmotiv. Der 1. Juli ist in Deutschland, seit 2015 der „Tag gegen antimuslimischen Rassismus“ – in Gedenken an Marwa El-Sherbini.

Halle – 09. Oktober 2019

Ein 28-jähriger Rechtsextremist hat versucht am 09. Oktober 2019, am höchsten jüdischen Feiertag Jom Kippur, die Synagoge von Halle zu stürmen und ein Massaker anzurichten. Er warf Brand- und Sprengsätze und schoss auf die Zugangstür, gelangte aber nicht auf das Gelände.

Vor der Synagoge ermordete er dann die 40 Jahre alte Passantin Jana L. und in einem nahe gelegenen Döner-Imbiss den 20-jährigen Kevin S, weil er dachte er sei ein Muslim. Auf seiner Flucht schoss der Mann auf Polizisten, fuhr mit dem Fluchtwagen davon. Anschließend wurde er festgenommen. Ende Dezember wurde er zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe verurteilt.

Hanau –  19.02.2020

Der 19.02.2020 wird als ein Tag des Schreckens in die Geschichte Deutschlands eingehen. An jenem Abend wurden Ferhat Unvar, Mercedes Kierpacz, Sedat Gürbüz, Gökhan Gültekin, Hamza Kurtović, Kalojan Velkov, Vili Viorel Păun, Said Nesar Hashemi und Fatih Saraçoğlu in Hanau von einem rechtsextremistischen Attentäter erschossen. Die Polizei findet den Attentäter später tot in der Wohnung seiner Eltern in der Nähe des letzten Tatortes. Auch seine eigene Mutter hat er getötet. Vor dem Anschlag hatte er Pamphlete und Videos mit Verschwörungstheorien und rassistischen Ansichten im Internet veröffentlicht.

Der 43-jährige Attentäter war aktiver Sportschütze und seit 2012 Mitglied im Frankfurter Schützenverein Diana Bergen-Enkheim. Warum er trotz einer psychischen Krankheit ein Waffenschein besitzen durfte, bleibt weiterhin ungeklärt.

Leserkommentare

grege sagt:
anbei ein Beitrag, den Islamiq.de vielleicht verschweigen möchte Unsere altbekannten Islamprotagonisten schlafwandeln mal wieder bei Fabulieren ihrer islamisch humanen Kriegsethik durch Allahs Wunderland fernab jeder Realität. Diese sieht so aus, dass die heutige Auswahl eines islamisch geprägten Landstriches ohne Krieg, Gewalt und religiösen Extremismus einer wenig erfolgreichen Sisyphusarbeit gleicht. Die Weltöffentlichkeit dominierende Bürgerkriege in Syrien, Jemen und Libyen mit abertausenden Toten, Verletzten und Vertriebenen gleichen überwiegend einem Gemetzel zwischen islamischen Konfessionen. Bei gezielten Bombardierungen, Vergewaltigungen, Folterungen und Massakrierungen von Zivilisten in diesem Kriegen - begangen im wesentlichen von Muslimen an Muslimen - mutet der Verweis auf eine islamisch humane / korrekte Kriegsführung geradezu grotesk an. Mit derselben realitätsfernen Vermessenheit hätte man Wehrmacht und SS während des 2. Weltkrieges die Einhaltung der Genfer Kriegskonventionen attestieren können. Dass unsere Islamprotagonisten ihre Wunschträume wohlgenährt aus einer beheizten Wohnstube nördlich der Alpen und nicht aus zerschossen Häuserruinen eines islamischen Landes propagieren, lässt alleine die Glaubwürdigkeit dieser „Ethik“ ins Nirwana abgleiten. Nicht nur in der Gegenwart, sondern auch in der jüngeren und früheren Vergangenheit erweist sich die islamische Kriegsethik als gegenstandsloses Hirngespinst. Bei dem ebenso innermuslimischen Iran-Irakkrieg sind tausende von zwangsrekrutierten Kindern als Kanonenfutter quasi hingerichtet worden, im ostpakistanischen Bürgerkrieg haben westpakistanische Soldaten zusammen mit bengalischen Kollaboraturen aus dem islamistischen Umfeld 500.000 Hindus, Christen und sonstige Nichtmuslime getreu dem Motto „Killing the Kafirs“ abgeschlachtet, ebenso im gigantischen Ausmaß Bengalinnen vergewaltigt und zwangsweise prostituiert. Ähnliche Verbrechen im vergleichbaren Ausmaß wiederfuhren Sikhs und Hindus bei ihrer Vertreibung aus muslimisch geprägten Landstrichten nach der Unabhängigkeit Pakistans und Indiens vom Britisch Empire. Dass Hindus ähnliche Grausamkeiten begingen, macht solche Verbrechen aus nicht gerechter. Auch der Genozid an die andersgläubigen Armenier während des 1. Weltkriegs verhöhnt ebenso die angepriesene islamische Kriegsethik. Gleichfalls in der früheren Vergangenheit glänzte diese „Kriegsethik“ durch Nichtexistenz, wie der 1. große Genozid in der Menschheitsgeschichte beweist, dem 80 Millionen Hindus auf dem indischen Subkontinent bei den muslimischen Eroberungsfeldzügen zum Opfer fielen, größtenteils Kinder und Frauen. Dass letztere nicht nur ermordet, sondern auch als Sexsklavinnen vergewaltigt worden sind, stellt eine ebenso eine traurige Selbstverständlichkeit dar. Die Versklavung von Millionen Schwarzafrikanern durch Araber und Osmanen als stetiger Wegbegleiter islamischer Geschichte lässt die „korrekte Kriegsethik“ einmal mehr zur Lachnummer verkommen. Diese beispielhafte Aufzählung von Ereignissen aus Gegenwart und Vergangenheit beweist mal mehr, dass auch Muslime sich weiß Gott kaum das Prädikat einer humanen Kriegsführung anheften dürfen. Selbst der sogenannte Prophet Mohammed müsste nach heutigen Maßstäben wegen damaliger Kriegsverbrechen hinter schwedische Gardinen verbannt werden….
28.03.21
20:47
Tarik sagt:
Hier hat sich wohl jemand in seiner wutentbrannten Phrasendrescherei ziemlich verrannt - würde mich nicht wundern, wenn da jemand eine neue Tastatur bräuchte. In der jüngeren Vergangenheit hat die Forschung - in den jeweiligen Disziplinen/Bereichen - u.a. zutage gefördert, wie sehr Vordere Orient etwa ab der Zeit von Napoleons Invasion in Ägypten zunehmend unter westlichem Einfluss stand und welche Folgen dies in welchen BEreichen des Alltags, der Wirtschaft, der Bildung oder der Politik genau hatte. Daher ist es auch nicht verwunderlich, dass der "Beginn des islamischen Niedergangs" immer weiter in die Neuzeit verlegt worden ist - weil Geschichtsforschung, zumal weniger ideologisch eurozentrisch als früher und dank interdisziplinärer und interuniversitärer Zusammenarbeit. Hieß es früher noch auch in deutschen Bestsellern von ehemaligen Journalisten, dass "im 13. Jahrhundert "der Islam" die Tore des Wissens schloss und ein Niedergang einsetzte", so ist bis zum 18. Jahrhundert der Forschung sei dank, von einem Niedergang keine Rede sein. Dass es einen direkten Zusammenhang zwischen "Aufstieg Europas" und "Niedergang der "Islamischen Welt", ist wissenschaftlich unbestritten. Die Franzosen begannen bsp. unmittelbar nach ihrem Einmarsch in Kairo Stadtteile abzureißen und breite Alleen usw. zu errichten. Dieser Einfluss nahm stetig zu. Sie betraf nicht nur Architektur und Infrastruktur, sondern auch das Bildungssystem sowie den Import und schließlich die Übernahme von Ideen. Das Osmanische Reich, damals ein "Kranker Mann am Bosporus" stand unter finanzieller Aufsicht der Ententemächte, von der sie Reformen diktiert bekam. Nun, auch andere Regionen teilten solch ein Schicksal, waren jedoch vergleichbar entweder weniger lang unter Kolonialherrschaft oder aber standen aufgrund der geographischen Entfernung etwas weniger im Fokus. Die Kontrolle über Südchineische Meer zu verlieren wäre bsp. für die Briten schmerzhaft gewesen, aber der Suezkanal bsp. war gleichbedeutend mit nationaler Sicherheit. Und je länger eine Region unter fremder Herrschaft stand und je mehr diese Fremdmacht in die dortige Elite investierte, desto größer war der geistige Input in der jeweiligen Gesellschaft - dass bsp. der Reformdenker (und Freimaurer) Muhammad Abduh zum Chef von Al-Azhar bestimmt wurde, ist der direkten Invervention des britischen Gouverneurs zu verdanken. Übrigens waren auch die führenden Köpfe der osmanischen "Tanzimat-Reformen" Freimauerer - genau wie ihre geistigen Väter der Republiken in Europa. (man denke da bsp. an die Führer des Projekts "italienischer Nationalstaat" wie Garibaldi und Co.) "Tanzimat" heißt nicht zufällig "neue Ordnung". Das ist übrigens alles kein Geheimnis, sondern den entsprechenden Biographien zu entnehmen. Zum Import von Ideen gehörte auch der Nationalismus - eine Ideologie, die dem Islam grundlegend widerspricht. Dem Massenmord an den Armeniern ging eine Jungtürkenrevolution voraus, und diese neue Herrschaftsriege dachte modern. Sie orientierte sich am Westen und an Europa. Und was tat man da? Nun, die Briten hatten die Konzentrationslager erfunden (Burenlager in Südafrika) und seit den 60ern Jahren des 19. Jahrhunderts fand mit den Balkankriegen 1912/13 als Höhepunkt in Südosteuropa ein Genozid an der muslimischen Bevölkerung statt (übrigens auch an den Juden, die in Sofia oder in Saloniki das gleiche Schicksal wie Muslime fanden). Daher schrieb ich auch, dass - nach dem Untergang von einst von Sufiorden getragenen Widerständen, die moderne, dem Westen entsprungene säkulare Kriegslogik in der islamischen Welt durchgesetzt hat. Dasselbe gilt auch für andere Ideen - Thomas Bauer hat dies in seinem wissenschaftlich ausgezeichneten Buch anhand zahlreicher anderer Beispiele deutlich gemacht (z.B. der Homophobie, die es so damals nicht gab - Menschen nach Geschlechtsverhalten zu definieren, auszusondern und einzusperren ist eine westliche Idee, die bis nach dem zweiten Weltkrieg fortlebte). Nachdem - wie ich ja bereits schrieb, dass die ursprünglich von religiösen Führern getragenen bewaffneten Widerstände (19. und Anfang des 20. Jahrhunderts) gebrochen waren, akzeptierte letztlich die islamische Geistlichkeit die neue Realität. Es war dieser klassisch sunnitische Pragmatismus, der dafür sorgte, dass a) antikolonialer Widerstand von säkularen Gruppen getragen wurde wie bsp. der PLO. Und sie übernahm die säkulare Kriegslogik "mit allen Mitteln". Und wenn die Pandora aus der Büchse ist, lässt sie sich nicht einfangen, sondern ist eher ein Krebsgeschwür. Genauso wie der islamistische Terror, der - und genau das habe ich s.o. deutlich gemacht, in seiner Methode (Töten von weichen Zielen) seine Wurzeln woanders hat und noch weniger ein Alleinstellungsmerkmal, quasi als authentisch islamisches Produkt. Ihre aufgeführten Beispiele zeigen lediglich genau das, was ich ja schon auch an anderer Stelle gesagt habe und dienen nur als Nebelkerzen. Denn meine Beitrag bezog sich auf ihren Kommentar, indem sie dem in der Moderne entstandenen islamistischen Terror und das damit einhergehende Töten weicher Ziele eine Art Alleinstellungsmerkmal, Kennzeichen wäre. Was es - wie ich anhand zahlreicher Beispiele konkret aufgezeigt habe - eben nicht ist. Der islamistische Terror hat eine Zukunft, weil die Moderne eine Zukunft hat und nicht weil er islamischem traditionellen Denken enspringt - mit dem Niedergang des spirituellen und moralischen Kerns (sufische Orden) haben wir heute auf der einen Seite säkulare, autoritäre Kräfte und auf der anderen Seite, Reformislamistische Regimes und Gruppen, die den Islam spirituell entkernt haben zu einem rein exoterischen System, aber die moderne, genauer utilitaristische Ethik, nämlich, dass der Zweck die Mittel heiligt, haben alle in der heutigen Welt übernommen. Da muss man schon mit der Lupe suchen - das Schicksal will es, dass diese Länder genau in jenem Teil der Welt sich befinden, der geostrategisch für die USA so wichtig sind, dass zigtausende von Menschen, ob im Pentagon oder für die NSA nur dafür bezahlt werden, dafür zu sorgen, wie man Land x destabilisieren könnte. Und für den dauerhaften Geldzufluss ist dank Nixonreform ja auch gesorgt, aber das ist ein anderes Thema. Um das hier deutlich zu machen: Es geht bei der inzwischen wissenschaftlich sehr gut erfassten Einflussnahme und Übernahme - die Denker wie Gray, Zizek und Margalit schon vor 20 Jahren aufführten - von europäischen Ideen und Methoden nicht um eine Frage von "Schuld" oder "Verantwortung" - allerdings ist es sehr wohl wichtig, daran zu erinnern - gerade für den ein oder anderen einseitig gebildeten, westeuropäischen, islamhassenden Phrasendrescher, der von der WArte einer nicht vorhandenen moralischen Überlegenheit gerne seine Tiraden loslassen möchte.
29.03.21
19:08
Tarik sagt:
Abschließend ncoh etws grungsätzliches @ grege Ihre beispielhafte Erzählung untermauert lediglich meine Argumentation - Unterschied zwischen einer Kriegsethik des „gerechten Krieges“, wie sie im 19. und 20. Jahrhunderts von Leuten wie Abdel Kader und Omar Mukhtar richtig verstanden wurden und der modernen Kriegslogik des Terrors als Mittel zum Zweck. Natürlich waren solche Beispiele zu allen Zeiten überall eher selten, aber es gab sie z.B. auch in der Form eines deutschen Generals, der als Verräter gehängt wurde, weil er sich weigerte, Wien dem Erdboden gleichzumachen vor den anrückenden Sowjets. Solch eine universelle Ethik ist nicht an eine Kultur gebunden, sondern wie der Name schon sagt, universell. Und Saddam Hussein bsp. Greueltaten verübt, dann sind das nicht die Greueltaten eines „Muslims“ sondern schlicht eines rücksichtslosen Machtmenschen, der über Leichen geht. Solche Menschen gibt es überall. Kriegsverbrechen ereignen sich überall. Der Punkt ist, dass islamhassende Phrasendrescher einen Konflikt gerne „islamisieren“. Und was ihre allerletzte Bemerkung betrifft. Es steht Ihnen frei, sich weiterzubilden – es gibt andere Biographien als ideologische, aufgeblähte Pamphleme oder persönliche „Abrechnungen“ – natürlich nur, sofern sie bereit und willens sind, auch Dinge, Daten und Fakten zu lesen, die nicht ihre voreingenommene Meinung dank einseitiger Bildung widerspiegeln (was schon in der Al-Andalus-Diskussion sowie ihr beharrliches Leugnen, dass der „Bosnienkrieg etwas mit Islamophobie zu tun gehabt hätte“ – obgleich dutzende von Studien und akademischen Büchern genau DAS belegen, um ein beliebiges Beispiel zu nennen, die Arbeiten von Tatjana Taskeva, die aufzeigt, wie die islamophobe Narrative über muslimische Geburtenraten in serbisch-nationalistischen Kreisen die späteren systematisch organisierten Vergewaltigungen ermöglichten)
29.03.21
20:14
Tarik sagt:
Ergänzung, weil ein Teil fehlt. Ich schrieb: "Die moderne, genauer utilitaristische Ethik, nämlich, dass der Zweck die Mittel heiligt, haben alle in der heutigen Welt übernommen. Da muss man schon mit der Lupe suchen" ...da muss man schon mit der Lupe suchen, um Ausnahmen zu finden. Eine solche Ausnahme ist der Bosnienkrieg 1992-1995. Trotz der mehr als 1.000 zerstörten Moscheen, trotz nachgewiesener systematischer Massenvergewaltigungen, Massakern und Massengräbern (98% der Leichen in Massengräber waren bosn. Muslime), Folterlager sehen wir auf der bosn./muslim. Seite dies eben nicht - die einzigen Anklagepunkte für vereinzelte bosnisch/muslimische Kommandeure in Den Haag (die freigesprochen wurden) lautete, dass sie veeinzelne Racheakte an Zivilisten nicht haben unterbinden können. Kommandoverantwortlichkeit lautet das im Rechtssprech. Das kontra Genozidale Absichten. Mehr noch, sämtliche Kirchen blieben unangetastet - weil Gotteshäuser eben nun mal heilig sind. Verschiedene serbische udn kroatische Autoren haben diese gerade zu ins Auge springenden Unterschied in der jeweiligen auf dem Felde vorfindenen Kriegsethik, der nur ein Ignorant nicht erkennen kann und der durch Tonnen an Dokumenten international belegt ist, direkt mit dem damaligen bosnischen Präsidenten und islamischen Philosophen Alija Izetbegovic in Verbindung gebracht und in ihren Nachrufen gewürdigt, dass er, (der dies ethisch begründete zeitlebens) durch direkte Intervention revanchistische Racheakte der bosnischen Muslime habe unterbinden können wie z.B. im hart umkämpften Vitez. Siehe Gojko Beric, Ivan Lovrenovic oder den ex-Präsidenten Kroatiens Stipe Mesic. Aber, wie gesagt, solche Ausnahme sind heutzutage in unserer Moderne äußerst rar gesät.
30.03.21
13:15
Tarik sagt:
"80 Millionen Hindus auf dem indischen Subkontinent bei den muslimischen Eroberungsfeldzügen zum Opfer fielen, größtenteils Kinder und Frauen" Dies ist ein perfektes Beispiel für die einseitige Bildung islamfeindlicher Phrasendrescher. In historischen Studien wie bsp. an der Uni Cambridge wurde diese völlig aus der Luft gegriffene Zahl und Behauptung widerlegt und als das enttarnt, was es ist: als Produkt eines indischen Historikers, der aktiv und wirkungsmächtig an der radikal-nationalistischen, islam-feindlichen Hindutva aktiv gewesen ist, einer Bewegung, die erfolgreich darauf erpicht ist, alles was mit Islam zu tun hat, als "nichtindisch" zu deklarieren und aus der eigenen Geschichte zu verbannen und die Periode, in der es multireligiöse Symbiose gab, leugnen.Es gab unterschiedliche Phasen, ein Akbar war kein Aurangezeb (und selbst der hielt einige Privilegien für Hindus bei trotz seiner aggressiven Außenpolitik) - ähnlich, wie wir das bei dem ein oder anderen, heute in der Minderheit befindlichen spanischen Historiker sehen, die das gleiche in Bezug auf Andalusien behaupten. Nun ist Geschichtswissenschaft eine emotionslose Disziplin und man kann darauf vertrauen, dass Minderheitenmeinungen aus einem völlig nachvollziehbaren Grund Minderheitenmeinungen sind! Zu Indien und der von der Hindutva aufgesetzten geschichtsrevisionisitischen Mähr und Aufblähung von Opfern siehe historische Studien, siehe Ranjit Hoskoté ("Kampfabsage") oder Audrey Truschke "Hindutva’s Dangerous Rewriting of History". Dass islamfeindliche Phrasendrescher lediglich sich die Zahlen nehmen, die ihrer Argumentation passt, ist verständlich, die Bringschuld liegt aber bei demjenigen, der sich einseitig bildet.
30.03.21
13:28
grege sagt:
Alle Negativentwicklungen und Negativzustände in muslimischen Staaten werden nahezu ausschließlich Außenstehenden, wie skrupellosen Westmächten, nationalistischen Serben oder radikalen Hindus zugeschrieben. Dass Großreiche wie das römische oder eben auch das Osmanische Imperium im wesentlichen durch interne Missstände wie technologischer Rückstand, Versäumnis gesellschaftlicher Reformen, Aufruhr fremdbeherrschter Völker oder Zwistigkeiten unter den Herrschenden sowie wirtschaftliche Misswirtschaft ihren Untergang erleben mussten, wird von unseren Islamprotagonisten gerne ignoriert. Ebenso wird anhand von historischer Inkompetenz ausgeblendet, dass das osmanische Reich den wesentlichen Rückgang seines nördlichen und östlichen Territoriums durch die Ausdehnung des russischen Reiches erleben musste. Der sogenannte Westen war im Umgang mit dem osmanischen Reich tief gespalten, was insbesondere der 1. Weltkrieg und stets wechselnde Bündnisstrukturen zuvor zeigen. Hier lassen sich Islamprotagonisten wieder einmal vom Wunsch als Vater des Gedanken leiten, den säkularen Westen vor die Flinte zu setzen. Mit derselben Wahrnehmungsverzerrung werden muslimische Herrschaften über andersgläubige Völker wie auf dem Balkan oder iberischen Halbinsel als zivilisatorische Wohltat verherrlicht, während natürlich Israelis oder Franzosen in Algerien bei einem Rollentausch dieses Recht abgesprochen wird. Aufstände und Unabhängigkeitsbestrebungen gegen die Unterjochung muslimischer Herrscher werden in Massaker gegen Muslime umgedeutet. Von Muslimen begangene Massaker werden entweder als Ausdruck eines islamfeindlichen Aktes negiert oder als Wirkung einer vorherigen Ursache relativiert bis legitimiert. Genau mit derselben Denkweise haben nationalistische Serben das Massaker von Srebrenica als Reaktion auf die jahrhundertelange Unterjochung der Serben durch die Osmanen gerechtfertigt. Letztlich erfolgt die Beurteilung und Analyse von Konflikten nicht anhand von Tatsaschen, sondern auf Basis der Religionszugehörigkeit bzw. Volkszugehörigkeit von Opfern und Tätern, was eher einer rassistischen Denkweise gleichkommt. Auch durch die permanente Gleichsetzung von Muslimen als Opfer oder Wohltäter anhand ausgiebiger Detailbeschreibungen von Einzelfällen gesellen sich Islamprotagonisten in die Nähe nationalistischer Serben, die ebenso mythisch beide Rollenklischees pflegen. Diese kritiklose Larmoyanz und Selbstbeweihräucherung stellt die ideale Voraussetzung für Extremismus dar, von dem die islamische Welt heute befallen ist. Mit floskelhaften Kunstbegriffen wie westliche / säkulare Kriegslogik versuchen Islamprotagnisten ihre hasserfüllte Denkweise zu legitimieren, ignorierend, dass insbesondere auch Muslime fortlaufend seit Anfang der islamischen Geschichte gezielt mit systematischen Vergewaltigungen, Massakern, und Versklavungen Angst und Schrecken unter den betroffenen Zivilbevölkerungen verbreitet haben. Einen traurigen Höhepunkt in der Menschheitsgeschichte stellt der in seinem Ausmaß nahezu einmalige Genozid an die Hindus zwischen ca. 700 und 1800 HD dar, als diese zu tausenden abgeschlachtet, auf erfinderische Weise grausam gefoltert, mit Gewalt zwangsbekehrt worden sind, versklavt und entführt worden sind sowie großangelegte Zerstörungen ihrer Kulturgüter erleben mussten. Die gezielte Einschüchterung, Drangsalierung und Demoralisierung von Zivilisten als perfides Kriegsmittel ist somit kein Novum der Neuzeit, sondern ein ständiger Wegbegleiter der Menschheitsgeschichte, von dem auch Muslime schon Zu Lebzeiten Mohammeds Gebrauch gemacht haben. Gerade der von muslimischen Herrschern verübte Blutrausch auf dem indischen Subkontinent ist in wissenschaftlicher Literatur von diversen Experten wie William Durrant oder Fernand Braudel von der Pariser Elite Universität verfasst worden. Dass der Gebirgszug Hindukush genau diesen Namen trägt, kommt nicht von ungefähr. Wie Neonazis den Holocoust als Akt der Germanophobie leugnen, so können Islamprotagonisten nicht genehme Fakten über den indischen Holocoust mit dem Vorwurf der Islamfeindlichkeit dementieren und sich weiter in ihrem mit Opfer- und Wohltätertum bestücktem Elfenbeinturm isolieren. Nationalismus hat nichts mit dem Islam tun“ Welcher Islam ist denn hier gemeint? Offenbar weniger der real existierende Islam als vielmehr der Wunschislam unserer Islamprotagonisten. Gerade die heutige Türkei ist ein perfektes Beispiel für die Symbiose von Nationalismus und Islamismus, wo Erdogans AKP mit UItranationalisten der MHP eine Koalition eingegangen ist und auf brutale Weise eine Zwangsassimilierung nichttürkischer Minderheiten betreibt. Selbst hier in Deutschland ist die Liaison von Islam und Nationalismus unübersehbar, sind doch Türkisch-islamische Kulturvereine mit den nationalistischen und terroristisch aktiven Grauen Wölfen verbandelt und zugleich Mitglied des Zentralrates der Muslime, der sich als eine repräsentative Instanz der hier lebenden Muslime versteht. Dieses völkische Denken spiegelt sich auch in Streitigkeiten der Islamverbände wieder, die größtenteil immer noch nach Volkszugehörigkeit segregiert sind. Neben dem Turanismus stellte der sunitische Islam ebenso eine ideologische Komponente der Jungtürken dar, so dass der Genozid an die christlichen Armenier sowie assyrische Christen im 1. Weltkrieg auch religiöse Ursachen hatte. Des Weiteren fanden auch schon Massaker an Armenier vor Machtergreifung der Jungtürken im Ende des 20. Jahrhunderts im osmanischen Reich statt, die als wirtschaftliche erfolgreiche Nichtmuslime die Rolle des Sündenbocks innehatten. Auch in Nordafrika erweist sich ein von Nationalismus bzw. Rassismus befreiter Islam als Fiktion. In den dortigen Gesellschaften sind dunkelhäutige Menschen als Nachkommen von Sklaven, Migranten, sowie ethnische Minderheiten jahrhundertelang Opfer eines strukturellen Rassismus sowie brutaler Ausbeutung wie das Beispiel Libyen. Hier zeigen sich die traurigen Nachwirkungen von tausendjähriger Sklaverei, die die Trennung von Nationalismus / Rassismus sowie Islam offenkundig Lügen strafen. Wenn global umspannender Terror und Extremismus religiös motiviert ist, ist die Assoziation mit der Religion in ihrem Hier und Jetzt angebracht. Der Vorwurf von Islamfeindlichkeit bzw. Islamisierung lenkt einzig allen von einer kritischen Auseinandersetzung mit dem eigenen auf Selbstbetrug basierenden Weltbild ab, dass Terror und Extremismus ein Alleinstellungsmerkmal des realexisterenden Islams darstellen, insbesondere hier in Europa. Die Missbrauchsvorwürfe an die Kirchen oder die mittelalterlichen Exzesse werden ebenso mit der christlichen Religion in Verbindung gebracht, so dass niemals Vorwürfe von Christianophobie oder Christianisierung seitens der Kirche geäußert werden. Auch für Kommunisten ist die Tatsache schmerzlich, dass ihre Weltanschauung mit den Schattenseiten des Stalinismus assoziert wird. Ob die real existierenden Zustände einer Weltanschauung deren reiner Lehre entsprechen, ist insbesondere bei Religionen aufgrund der weiten Auslegungsmöglichkeiten und daher geringen Konkretisierbarkeit eine müßige Fragestellung. Letztlich ist das Weltbild unserer Islamprotagonisten durch eine gehörige Portion Doppelmoral geprägt, wenn einerseits Würdenträger anderer Weltanschauungen durch harsche Kritik vom Sockel gestoßen werden, andererseits Beanstandungen an dem Leben und Wirken muslimischer Gallionsfiguren per se als islamfeindlicher Akt verschrien werden. Eine kritische Auseinandersetzung mit Mohammed und seinem sakrosanten Status findet bisher nicht statt, sind doch seine Kritiker in der islamischen Welt sowie Ländern mit signifikanten muslimischen Migrantenanteil Lebensgefahren ausgesetzt, wie die jüngsten Ereignisse in Frankreich oder UK zeigen. Daher sollten Islamprotagonisten ausnahmsweise zunächst ihren eigenen Empfehlungen folgen, ihre einseitige Informationsaufnahme durch eine objektive, differenzierte und vielseitige ersetzen. In dem Zuge wird schnell erkennbar, dass z.B. während des jugoslawischen Erbfolgekrieges in serbisch besiedelten Gebieten nicht nur eine Islamophobie, sondern ein Phobie gegen alles Nichtserbische grassierte.
02.04.21
23:49
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