München

Report des Muslimrats registriert 180 rassistische Fälle

Der Muslimrat München e.V stellt den ersten (antimuslimischen) Rassismus Report vor. 2019 wurden 180 rassistische Fälle in München erfasst.

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2020
Online-Umfrage zu Diskriminierungserfahrungen in Sachsen gestartet©shutterstock, bearbeitet by iQ
Online-Umfrage zu Diskriminierungserfahrungen in Sachsen gestartet©shutterstock, bearbeitet by iQ

Der Muslimrat München stellt seinen ersten (antimuslimischen) Rassismus Report für München für das Jahr 2019 vor. In dem Report präsentiert der Muslimrat die Auswertungen sämtlicher eingegangener Einsendungen von Meldebögen des Jahres 2019, d. h. zwischen der erstmaligen Veröffentlichung des Meldebogens im Internet am 01.06.2019 und dem Ende des Kalenderjahres (31.12.2019).

Insgesamt seien beim Muslimrat in diesem Zeitraum 180 Diskriminierungsmeldungen eingegangen.

Laut dem Rassismus Report seien online erfolgte Diskriminierungen besonders auffällig. Zusätzlich soll in 13 Meldungen (7%) von Diskriminierungsfällen am Arbeitsplatz beziehungsweise auf dem Arbeitsmarkt berichtet worden sein. Auch hier meldeten größtenteils Muslim*innen antimuslimische Vorfälle, allesamt Kopftuchträgerinnen.

Report: Antimuslimische Einstellungen nehmen zu

Mit dem größten Anteil von über 60% erlebten demnach Trägerinnen einer religiösen Kopfbedeckung die Diskriminierung in Form von einem verbalen Angriff, gefolgt von Belästigung beziehungsweise Mobbing in 30% der Fälle. Besonders erschreckend sei, dass 15% der Opfer mit religiöser Kopfbedeckung körperliche Gewalt widerfahren ist. Einige Beispiele für diese Taten stellen Faustschläge gegen den Rücken, Versuche das Kopftuch herunterzureißen und Bespucken der Opfer dar. Zudem sollen sich diese Vorfälle laut den Meldungen in aller Öffentlichkeit, wie in öffentlichen Verkehrsmitteln oder der Fußgängerzone ereignet haben.

Trotz zum Teil heftiger Auseinandersetzungen oder körperlicher Übergriffe werde allerdings in 88% der Meldungen angegeben, dass die Polizei nicht alarmiert wurde. Antimuslimische Diskriminierungsvorfälle werden demnach nur zum Bruchteil bei der Polizei gemeldet und tauchen dadurch in wesentlich kleineren Zahlen oder gar nicht in Statistiken auf. Auch bei Alltagsrassismus werd deutlich, dass die gemeldeten Diskriminierungen nur einen Bruchteil der sich tatsächlich ereignenden Vorfälle ausmachen.

„Wir fordern ein friedliches Miteinander“

„Wir fordern die Berufung eines bayerischen/städtischen Beauftragten gegen Islam- und Muslimfeindlichkeit, die / der sich vertieft mit Erscheinungsformen und präventiven Maßnahmen gegen antimuslimischen Rassismus auseinandersetzt“, so der Muslimrat in dem Report.

Zudem wünsche man sich eine Errichtung einer Experten Kommission „Antimuslimischer Rassismus“ für München und Bayern, geplante Maßnahmen und Strategien gegen (antimuslimischen) Rassismus, engere Zusammenarbeit mit zivilgesellschaftlichen (muslimischen) Organisationen und die Entwicklung und Umsetzung von Strategien gegen strukturelle sowie institutionelle Diskriminierungen.

Jeden zweiten Tag ein Moscheeangriff

Aus der Antwort der Bundesregierung auf eine große Anfrage der Linken- Bundestagsfraktion zum Thema “Antimuslimischer Rassismus und Diskriminierung von Muslimen in Deutschland” im Juni 2019 gehe hervor, dass für das Jahr 2019 von 184 Fällen islamfeindlich motivierter Angriffe auf Moscheen, Religionsstätten und religiöse Repräsentanten ausgegangen wird. Jeden zweiten Tag gab es demnach einen Angriff auf eine Moschee, eine muslimische Einrichtung oder muslimische Repräsentanten. Unter diesen 184 Fälle waren 64 Fälle der Volksverhetzung, Verwendung verfassungswidriger Kennzeichen sowie Körperverletzung, Bedrohung und Sachbeschädigung.

 

 

 

Leserkommentare

stratmann sagt:
Islamfeindliche Übergriffe und Diskriminierungen sind unentschuldbar. Doch die Betreiber dieser Meldeportale und auch IslamiQ sollten unbedingt auch Folgendes bedenken : Wenn man einseitig nur immer Muslime als Opfer darstellt und die Fälle, ausblendet, wo Muslime Täter sind, wirkt man unglaubwürdig. Und man sorgt dafür, dass früher oder später auch entsprechende Meldeportale entstehen, wo die Diskriminierungen und Übergriffe durch Muslime erfasst werden, die in den Medien verschwiegen oder vertuscht werden. Und dann wird das innenpolitische Klima in Deutschland erst recht angeheizt. Bisher versuchen die Medien, muslimische Namen großenteils zu vertu- schen. Ich bringe ein Beispiel von vielen : Im August 2019 ließen in einem Düsseldorfer Freibad ca. 50 muslimische junge Männer nur Muslime auf die große Rutsche, andere nicht. Die Freibadleitung wurde mit den 50 muslimischen jungen Männern nicht fertig, rief die Polizei. Auch diese wurde mit den 50 muslimischen Rowdies nicht fertig; schließlich mussten deshalb über 1.000 unschuldige Freibad- besucher nach Hause geschickt werden. Eine Woche später wiederholte sich exakt dasselbe Spiel; wieder wurden über 1.000 unschuldige Frei- badbesucher nach Hause geschickt. In der Woche drauf wiederholte sich zum dritten Mal an einem Freitag dasselbe Spielchen. Wieder wurden über 1.000 unschuldige Freibadbesucher nach Hause geshickt. Doch die deutschen Medien vertuschten, welche Täter für das Ganze verantwortlich waren. Erst am Montag drauf meldete eine ausländische Nachrichten- agentur, dass die Täter muslimische junge Männer waren. Und erst jetzt mussten auch die deutschen Medien notgedrungen Klartext melden. Es wäre gut gewesen, wenn auch in solchen Fällen IslamiQ berichtet hätte und künftig auf ihre eigene Klientel pädagogisch einwirken würde. Da die Medien – so wie in der Kölner Silvesternacht 2015/2016 – höchst unzuverlässig sind und IslamiQ nur einseitig berichtet, werden früher oder später andere Meldeportale muslimische Übergriffe und Diskrimi- nierungen erfassen : x wie türkische Frauen und Mädchen darüber klagen, dass sie von Verwandten und Bekannten behelligt werden, damit sie endlich das Kopf- tuch nehmen und unter ihresgleichen bleiben; x wie muslimische Schüler andere Schüler drangsalieren, dass sie ein Kopf- tuch nehmen sollen, keine Wurst essen dürfen; mit diesem oder jenem nicht Freund sein dürfen; usw. x wie muslimische Schüler sich in Schulmensen als Schiedsrichter aufspie- len, was Andere dort essen dürfen; auch das ist muslimische Diskrimi- nierung – diese doktrinäre Intoleranz haben die Schüler ja nicht von sich aus, sondern sie wurde ihnen von Erwachsenen eingeimpft; x wie Muslime andere Muslime verdammen, wenn diese einen Weihnachts- baum haben oder am Silvesterabend ebenfalls Feuerwerksköper zünden; x wie muslimische Männer und volljährige Brüder von Schülern rechtswidrig Schulgelände betreten und in Klassenräume eindringen, um in ihrem Sinn selber Maßnahmen zu ergreifen; und dann erst die Polizei gerufen werden muss gegen solche muslimische Anmaßung; x wie muslimische Osmanen auf deutschen Straßen Kurden hetzten; x dass Namen vieler Moscheen offen ein militantes Programm feiern; usw. usf. Meldeportale über solche muslimischen Feindseligkeiten würden leider die Atmosphäre in Deutschland aufheizen. Doch ich habe den Eindruck, dass auch die Einseitigkeit der Berichterstattung von IslamiQ und der muslimischen Portale nicht ganz unschuldig ist, wenn solche Meldepor- tale über muslimische Diskriminierungen früher oder später kommen. Zugunsten der muslimischen Frauen noch einmal ein Vorschlag: Warum kann IslamiQ nicht offen zur Diskussion stellen, dass der Koran kein KOPFTUCH vorschreibt, aber die moslemische Tradition an anderen Stellen muslimische Frauen sehr wohl diskriminiert (Erbrecht, Heiratsrecht, usw. usf. ).
29.12.20
20:27
Dilaver Çelik sagt:
So lange die Medien mit ihrer einseitigen Berichterstattung die Bevölkerung manipulieren und Volksverdummung betreiben, indem sie antimuslimische Propaganda verbreiten, so lange ist es auch nicht verwunderlich, wenn Fanatiker auf die Idee kommen, Muslime zu diskriminieren oder gar anzugreifen. Die Medienmanipulation muss gestoppt werden, weil sie eine Verhöhnung des Menschenverstandes und damit ein Angriff auf die Menschenwürde ist. Wer dagegen ist, der ist selbst medienmanipuliert. Pressefreiheit ist schließlich kein Freibrief für Hetze und Medienmanipulation. Pressefreiheit hört dort auf, wenn es dazu führt, dass die Würde des Menschen angegriffen oder sonstwie verletzt wird.
29.12.20
23:21
Bea McL sagt:
München hat fast 1,5 Millionen Einwohner. Mehr fällt mir zu den 180 Meldungen nicht ein, außer vielleicht, dass 180 Fälle 180 zu viel sind!
30.12.20
12:53
grege sagt:
@ stratmann muslimische Portale wie islamiq.de beschweren sich über einseitige Berichterstattung. Genau dieses Fehlverhalten legen sie selber an den Tag, wenn die von Ihnen genannten Vorkommnisse ausgeblendet werden. Diese Doppelmoral schadet Islamiq.de sowie den namhaften Islamverbänden derart, dass mir diese Einrichtungen kaum glaubwürdig sind.
30.12.20
20:42