REZENSION

Die Sache mit dem Islam

„Gottes falsche Anwälte“. So heißt das neue Buch des Theologen Mouhanad Khorchide. Es geht um den „Verrat am Islam“ und eine „Kultur der Unterwerfung“. Ali Mete hat es gelesen.

05
09
2020
Mouhanad Khorchide - Gottes falsche Anwälte
Mouhanad Khorchide - Gottes falsche Anwälte

Wenn man das Buch „Gottes falsche Anwälte“ des Münsteraner Theologen Mouhanad Khorchide in wenigen Worten zusammenfassen müsste, könnte man sagen: Ethisierung und Enttraditionalisierung des Islams. Ethisierung deshalb, weil der Autor viele Gebote entweder für heute ungültig bzw. irrelevant erklärt und sich stattdessen auf die ethische Dimension des Islams beschränkt. Enttraditionalisierung deshalb, weil er die Tradition teils ausblendet, teils für verfälscht hält und sich nur in dem selbst festgesetzten Rahmen auf den Koran bezieht.

Die Hauptthese des Buches ist eine umfassende Tahrîf-Theorie: Demnach sei der Islam nach dem Ableben des Propheten Muhammad (s) mehr oder weniger bewusst verfälscht worden. Infolgedessen seien in Lehre und Praxis „Unterwerfungsstrukturen“ entstanden. Diese bestünden bis heute fort und seien schuld an der heutigen Misere der Muslime und der islamischen Länder. Das Buch erweckt den Eindruck, als sei in der islamischen Geschichte und Lehre der Muslime so ziemlich alles falsch gelaufen. Nur ein aufgeklärter Islam könne Abhilfe schaffen.

Ich möchte in diesem Beitrag exemplarisch auf einige theologische und historische Aspekte eingehen, die mir überbetont bzw. verzerrt dargestellt erscheinen. Zudem möchte ich auf auffallende sprachliche Merkmale aufmerksam machen. Beginnen wir mit dem Letzteren.

In Gegensätzen denken

Wie schon in seinen vorherigen Büchern, verwendet Khorchide bewusst eine populäre Sprache, um mehr Leser zu erreichen. Das ist nachvollziehbar. Doch darüber hinaus ist die Sprache bestimmt von Dichotomien, unterstützt von tendenziösen Schlagwörtern.

Ein Merkmal des Denkens und der Sprache des Autors sind Gegensätze. In diesem Buch sind es z. B.: Gehorsam vs. Freiheit, barmherzig vs. restriktiv, Gebot vs. Ethik, konservativ vs. aufgeklärt, Argument vs. Zwang, Liebesbeziehung vs. Unterwerfungsbeziehung. Für das Ausloten von Positionen und Gedanken sind Dichotomien geeignet. Problematisch ist es, wenn es dabei bleibt. Denn das erschwert es, eine dritte oder vierte Position miteinzubeziehen. Im Buch entsteht der Eindruck als könne es nur einen aufgeklärten oder einen restriktiven Islam geben, Gott könne nur autoritär oder barmherzig sein, und ein gläubiger Mensch könne entweder Gebote befolgen oder ethisch handeln. Alles, was dazwischen ist, bleibt ausgeblendet. Dabei ist doch gerade dieses Dazwischen das Reale, Menschliche.

Ein Beispiel hierfür ist das von Khorchide entwickelte Gottesverständnis. Zum einen ist hier eine Dichotomie zu erkennen: Entweder glaubt man an einen restriktiven oder an einen barmherzigen Gott. Beides wird quasi absolut gesetzt. Zum anderen wird der Schöpfer und sein Geschöpf fast auf eine Stufe gestellt, was in Richtung „Vermenschlichung“ Gottes geht. Natürlich ist Allah, der Barmherzige, Gnädige, Vergebende usw., der dem Menschen näher ist als seine Halsschlagader, wie es im Koran heißt. Das bedeutet aber nicht, dass er in eine „Gemeinschaft“ mit seinen Geschöpfen tritt oder sogar treten muss.

Gewalt, Manipulation und Macht

Vielmehr ist das Verhältnis des Muslims zu Gott als eines zwischen „Hawf“ und „Radscha“, also zwischen Furcht und Hoffnung. So wird in der Sure Isrâ von denen gesprochen, die „auf Gottes Barmherzigkeit hoffen und seine Bestrafung fürchten.“ Dies ist dem Gelehrten Ibn Arabi so wichtig, dass er in seinem „Futuhât“ den Gläubigen als jenen bezeichnet, dessen Hoffnung und Furcht ausgeglichen sind. Dieses ausgewogene Verhältnis ist ebenso für Gazâli zentral. Im „Ihyâ“ beantwortet er die Frage, was wichtiger ist, Hoffnung oder Furcht, mit einer Gegenfrage: „Was ist wichtiger, Brot oder Wasser?“.

Die dichotome Sprache des Buches wird unterstützt durch tendenziöse Schlagwörter, die den ganzen Text durchziehen. So ist die Rede von „Herrschern“ und „Machthabern“ – nicht etwa von „Regierenden“ oder „Staatsführern –, die fast immer „autoritär“ oder „restriktiv“ sind, während ihr Gegenpart durchweg „kritisch“, „aufgeklärt“ oder „liberal“. Worum es in dem Buch geht, verdeutlicht nicht zuletzt auch die Häufigkeit bestimmter Wörter: In verschiedenen Variationen kommt „Gewalt“ 46 mal, „Manipulation“ 70 mal und „Macht“ 140 mal vor. Alles in allem findet man also eine sehr deutliche, aber deshalb auch sehr drastische und tendenziöse Sprache vor.

Geschichte des Islams – Macht, Macht, Macht!?

Im ersten Kapitel geht es um politisch-religiöse Macht. Es wird beschrieben, wie nach dem Ableben des Propheten innerarabische Stammesrivalitäten, aber auch die Adaptation sassanidischer, der islamischen Lehre widersprechender Herrschaftsvorstellungen, nach und nach zur Errichtung einer Erbmonarchie geführt haben. Hierhin spielt der Prophetengefährte Muâwiya eine unheilvolle Rolle. Dies sind, aus meiner Sicht, schmerzliche Erfahrungen, die Teil des kollektiven Gedächtnisses der Muslime sind. Heute gilt es selbstkritisch zu fragen, ob und was Muslime aus diesen Erfahrungen gelernt haben.

Der Autor geht aber weiter. Ihm zufolge haben die nachprophetischen Entwicklungen eine Gesellschaft und Theologie, ja eine „Kultur der Unterwerfung“, entstehen lassen, die über die Jahrhunderte bis heute bestehe. Muslime seien darin gefangen und reproduzierten sie sogar, oft ohne zu wissen, dass sie nicht frei sind.

Richtig hieran ist, dass die Politik – Khorchide bevorzugt die Bezeichnung „autoritäre Machthaber“ –, oft versucht, Einfluss auf Religionsgemeinschaften und deren religiöse Lehren zu nehmen. Früher wie heute. Die abbasidischen und umayyadischen Herrscher nutzten lediglich andere Mittel als heutige Regierungen. Eine religiöse Sprache und theologische Argumente waren und sind hierbei besonders beliebt. Übrigens gilt das nicht nur für Länder der islamischen Welt, sondern auch für säkulare Staaten, die direkt oder über Umwege eine bestimmte Lesart des Islams fördern. Nüchtern betrachtet, ist die dramatische und Jahrhunderte islamischer Geschichte ausblendende Darstellung des „Verrats am Islam“ relativ zu sehen, wenn nicht selbst als Verzerrung zurückzuweisen.

Zurecht wird auch festgestellt, dass die Bezeichnung des Gemeinwesens in Medina als „Staat“ irreführend und eine unzulässige Rückprojizierung eines modernen Konzepts sei. Allerdings ist es nunmal so, dass der Prophet vor allem in Medina viele Positionen in sich vereinte. Vermutlich war die Nachfolge auch deshalb so strittig, übernimmt der Kalif doch alle Ämter außer der Prophetenschaft.

Jedoch war es in der damaligen Zeit unmöglich und auch unnötig, „Staat“ und Religion zu trennen, wie es heute in säkularen Staaten, mit verschiedenen Staat-Religion-Beziehungsmodellen, der Fall ist. Der Prophet kann, um einen aktuellen Begriff zu benutzen, nicht nachträglich „entpolitisiert“ werden. Es ist historisch unrealistisch und theologisch nicht haltbar, dass der Gesandte Gottes, wie Khorchide meint, bloß Verkünder der Botschaft gewesen sei, und ansonsten keinen Einfluss auf die Gemeinde gehabt habe. Dabei war er doch die zentrale Figur, vor allem nach dem Abkommen von Medina. Was mit dieser zentralen Sonderstellung des Propheten in späteren Zeiten legitimiert wurde, ist eine andere Frage.

Seltsam klingt in diesem Zusammenhang zudem, wenn der Autor anscheinend demokratische Wahlen im siebten Jahrhundert erwartet. So etwa, wenn er feststellt, dass nur einige wenige in die Wahl Abû Bakrs einbezogen und „alle anderen Muslime“ nicht gefragt wurden, oder bei Muâwiya eine fehlende „Legitimation durch das Volk“ vermisst.

Das Unerwähnte

Was in diesem Kontext deutlich zu kurz kommt, sind die Gegenstimmen und -bewegungen, vor allem aus theologischer Sicht. Zum Beispiel weigerte sich Abû Hanîfa, auf den die heute weit verbreitete hanafitische Rechtsschule zurückgeführt wird, zeitlebens, in den Staatsdienst einzutreten. Er wurde festgenommen und gefoltert. Ahmad ibn Hanbal, „Begründer“ der hanbalitischen Rechtsschule und zentrale Referenz der Salafiyya, wurde wegen seines öffentlichen Widerspruchs gegen die vorherrschende Meinung der Mutazila über den Koran eingekerkert. Und auch die beiden anderen Imame der vier bekannten Rechtsschulen, Imam Schafiî und Imam Mâlik, standen im Konflikt mit den Regierenden.

Ebenso bleibt unerwähnt, dass die nachprophetischen Jahrhunderte die Zeit waren, in der Kunst, Kultur und Wissenschaft gefördert wurden und einen immensen Aufschwung erlebten. Diese beiden Aspekte entkräften die Fixierung auf das vom Autor eingebrachte, unterworfene Objektsein der muslimischen Untertanen. Ohne diese Aspekte bekommt der Leser den Eindruck als würde die muslimische Bevölkerung – damals wie heute –, weil sie ja nicht eigenständig denkende und handelnde Subjekte seien, alles über sich ergehen lassen.

Zwischenfazit: Die theologisch-politischen Diskussionen nach dem Ableben des Propheten Muhammad (s) haben sicherlich Spuren hinterlassen und teilweise Weichen gelegt. Aber eine direkte Linie von der nachprophetischen Zeit bis in die Gegenwart zu ziehen und zu folgern, dass „ein Großteil dessen, was wir Muslime heute als islamisch bezeichnen, lediglich Produkt eines politischen Missbrauchs“ sei, ist nicht haltbar. Deshalb hat sich bisher auch kein Wissenschaftler von Rang gemeldet, der diese These mitträgt. Übrigens kritisiert der Autor an anderer Stelle genau diese epochenüberspringende Sichtweise, wenn er schreibt: „Der postsalafistische Islamist versucht einen roten Faden zu ziehen vom einstigen Kolonialismus zu der heutigen Lage der Muslime in der Welt.“

Mehr als ein historischer Klacks: Kolonialismus

Manchmal ist das Verschwiegene wichtiger als das Gesagte. Vor allem, wenn es zu einer verzerrten Sichtweise des Sachverhaltes führt. So sieht der Autor in der „Rhetorik des Kolonialismus“ bzw. Postkolonialismus eine Ausrede, die von Muslimen oder dem „politischen Islam“ vorgebracht werde, um die Schuld bei anderen zu suchen und nicht bei sich selbst. Doch Kolonialismus als Mittel der Schuldzuweisung zu betrachten, ohne die breit belegten und wissenschaftlich erforschten, immensen Folgen für die kolonisierten Länder auch nur zu erwähnen, ist irreführend. Andere haben die Folgen von Kolonialismus und Dekolonisation zutreffend erkannt, weshalb z. B. langsam eine sehr selbstkritische Beschäftigung mit der kolonialen Vergangenheit Deutschlands begonnen hat, und zwar aus der Mitte der Gesellschaft und Forschung.

Ein anderes Beispiel für das Auslassen relevanter Informationen betrifft die Selbstverortung des Korans. Dieser versteht sich als Fortsetzung der göttlichen Offenbarung, also als Bestätigung von Thora und Evangelium. Wenn man das so versteht, sind Sätze wie „Mohammed sah seine Verkündigung in einer Linie mit dem Judentum und dem Christentum“ folgerichtig. Der Koran ist allerdings nicht nur Bestätigung, sondern auch Korrektur der vorherigen Offenbarungen. Er bestätigt nicht „das Christentum“ und „das Judentum“, sondern nur jene Teile davon, die im Laufe der Zeit nicht verändert wurden.

Klassische Gelehrte als Referenz

Obwohl der Autor die islamische Geschichte als eine Art strukturellen Machtmissbrauch zu sehen scheint, versucht er an verschiedenen Stellen, seine Positionen durch Zitate und Verweise auf anerkannte, klassische Gelehrte zu untermauern. Dass dies aber nicht gründlich gemacht wurde, zeigt ein Beispiel von Tragweite, geht es doch immerhin um Himmel und Hölle. Khorchide meint, dass Gazâli, einer der zentralen klassischen Gelehrten, die „koranischen Bilder von Paradies und Hölle nur metaphorisch und nicht wortwörtlich“ verstanden habe.

Hier scheint eine Verwechslung vorzuliegen. Gazâli war der Meinung, dass die Höllenstrafen nicht figurativ oder metaphorisch zu verstehen sind, sondern körperlich. Himmel und Hölle metaphorisch zu deuten, bezeichnet Gazâli am Ende seines bekannten Werkes „Tahâfut al-Falâsifa“ sogar als Unglauben. Gazâli behauptet also das Gegenteil dessen, was ihm der Autor zuschreibt. Der Grund der Verwechselung ist vermutlich, dass, wie man an den Fußnoten dieses Passus erkennt, nicht die arabischen Originalquellen genutzt wurden, sondern deutsche Übersetzungen.

Weitere problematische Positionen

Auch in der Frage, ob Frauen „Imaminnen“ sein können, beruft sich Khorchide, nachdem er Muslimen vorgeworfen hat, ihr eigenes Erbe nicht zu kennen, auf Gelehrte, darunter Ibn Tamiyya. Dieser sehe „kein Problem darin, dass eine Frau als Imamin vor Männern betet.“ Tatsächlich ist Ibn Taymiyya dieser Meinung. Allerdings beschränkt er dies nur auf Notfälle, wenn kein geeigneter Mann vorhanden ist. Eine unerwähnte, aber wichtige Einschränkung, die ein ganz anderes Licht auf die Frage wirft.

Neben der umstrittenen Frage, ob Frauen einer gemischtgeschlechtlichen Gemeinschaft als „Imaminnen“ vorstehen können, gibt es noch eine Reihe anderer theologischer Positionen, die problematisch sind, in diesem Beitrag aber nicht behandelt werden können. Dazu zählen die Relativierung des Fastens, des Kopftuchgebotes sowie anderer religiöser Praktiken und Normen, die Ablehnung der Gültigkeit einzelner Koranverse, die recht freie, lebensberatermäßige „Exegese“ der Sure Fâtiha, die Stellung von Juden und Christen im Jenseits und die Bezeichnung der Offenbarung als unabgeschlossene Kommunikation.

Leserkommentare

Tarik sagt:
Es mangelt (noch) in Europa an islamischen Gelehrten, Großbritannien ist hier eine positive Ausnahmeerscheinung, das Muslim College in Cambridge bildet qualitativ exzellente Imame und Theologen aus, das sieht man an den exponentiell steigenden Veröffentlichungen in der Fachliteratur. Dort schöpft man im Lehrplan aus dem reichhaltigen Fundus des "Traditionellen Islam". Und dazu gehört auch eine traditionelle Diskussionskultur, die ein breites Spektrum an Meinungen umfasst. Hierzulande steckt solch eine Diskussionskultur - falls es sie überhaupt gibt - noch in den Kinderschuhen. Statt miteinander, redet man übereinander und säkulare Muslime/Modernisten nebeneinanderder und der ein oder andere Autor will sich auf Kosten von Anderen Meinungen, über die polemisch hergezogen wird, profilieren. Der Konflikt Khorchide vs Murtaza ist hier ein negatives Paradebeispiel. Aber langfristig gebrachtet und positiv gedacht sind solche Reibungen vielleicht produktiv, solange nicht mehr mit Unterstellungen um sich geworfen wird.
17.09.20
21:03
Johannes Disch sagt:
Es braucht schon sehr viele kreative Fantasie, um im Islam Säkularismus zu entdecken. Der Fachbegriff für diese Art von Rabulistik lautet Geschichtsklitterung. Säkularismus ist eine Errrungenschaft des Westens. Das ist eine historische Tatsache. Ebenso unlauter ist es eine Randerscheinung des Islam-- den Sufismus-- zum Mainstream zu erklären. Der Sufismus wurde vom orthodoxen Islam schon immer verfolgt. Islamischer Mainstream ist heute nicht der Sufismus, sondern der wahhabitische Islam der Saudis und die Ideologie der ägyptischen Muslimbrüder. Beides sind totalitäre Auslegungen des Islam. Und was das anrichtet, das kann man vom Nahen Osten über Asien bis nach Afrika betrachten. Der Grund für den Niedergang der islamischen Zivilisation war nicht ökonomischer Natur, jedenfalls nicht hauptsächlich. Der Grund liegt in einem kulturellen Faktor. Die verhängnisvollste und folgenschwerste Entscheidug lag im Verbot des Buchdrucks. Sultan Bayazid II. verbot auf Druck der Ulema-- der islamischen Rechtsgelehrten-- 1485 den Buchdruck arabischer Buchstaben im gesamten osmanischen Reich. Die gelehrten Herren sahen durch Bücher ihr Monopol auf die Auslegung des Koran bedroht. Seit dieser Entscheidung geht es mit dem Islam bergab! Vorherrschend ist eine Geringschätzung des säkularen Wissens. Man glaubt, im Koran wäre schon alles Wissen enthalten. Heutzutage erscheinen selbst im kleinen Finnland pro Jahr mehr übersetze neue Bücher als in der gesamten islamischen Welt. Das spricht in der Tat Bände. Der Westen hat den Islam nicht mit Gewehren und Geld überholt, sondern mit gedruckten Büchern. Der Buchdruck machte die Aufklärung und deren Folgen (Demokratie, Menschenrechte) erst möglich.
18.09.20
9:46
Tarik sagt:
"Es braucht schon sehr viele kreative Fantasie, um im Islam Säkularismus zu entdecken. Der Fachbegriff für diese Art von Rabulistik lautet Geschichtsklitterung." Ich verstehe, dass Sie nicht fähig sind, unter der Oberfläche zu schauen. Und das Thema ist natürlich auch komplex und umfangreich. Allerdings würde ich über etwas, von dem ich nur Halbwissen habe, aucn lieber nichts sagen. Hydrokulturen zum Beispiel. Lesen Sie bsp. eine der Studien des international renomierten Rechtshistorikerns Wael Hallaq. Der moderne Islamische Staat ist ebenfalls ein Produkt der Moderne. Eine Diktatur nach westlichem Format - und ein totalitärer Staat ist ein Produkt des Westens -, halt nur mit islamischen Anstrich. IN klassischen Zeiten regulierten sich verschiene Gemeinten vorwiegend selbst. So gab es im Osmansichen Reich ganze Landstriche, in denen die Leute dort nie einen Beamten des Zentralstaates zu sehen bekamen. Und das Osmanische Reich war noch am zentralistischen von allen islamischen Reichen. Es gab keinen unfehlbaren Papst, dafür aber verschiedene Rechtsschulen, die alle gültig waren. Das ermöglichte ein äußerst flexibles Rechtssystem. Französische Rechtshistoriker fanden mittlerweil heraus, dass Napoleon - der ein ganzes Expertenteam aus unterschiedlichen Bereichen mit sich führte, einschließlcih des Rechts - sich vor allem aus malikitischen Manuskripten einiges an Inspiration für seinen Code Civil übernahm, einige GEsetze wurden sogar 1:1 übernommen. Gleichzeitig - und DAS ist der Niedergang der Islamischen Welt gewesen, als man im Vorderen Orient sich im Bildungsystem an FRankreich orientierte und das eigene Denken als rückständig ansah. Bis dahin gab es keinen Niedergang, höchstens eher einen langsamen Fortschritt. Warum auch rasant? Europas Weg war ein aggressiver Sonderweg. It's the economy, stupid. Man sollte auch nicht vergessen, dass die erste Präsentation des Korans durch jene venezianischen Abgesandten voller Fehler war. Denn die arabische Sprache eignete sich für den Buchdruck weit weniger als die lateinische. Lesen Sie, sofern Sie mitreden wollen, Studien über den Chrakter des Seldschukenreiches, des Ayyubidenreiches oder des Mamelukenstaates und sie werden die de facto Trennung der Gewalten - nicht Säkularismus, denn das heißt "Verdrändung der Religion" und ist eine Ideologie. Darüber hinaus - haben sie Thomas BAuer - dessen Bücher alle ausgezeichnet wurden - wohl nicht gelesen. Die absolute Mehrzahl der Werke im arabischen Raum hatten nichts mit Religion zu tun. "Ebenso unlauter ist es eine Randerscheinung des Islam-- den Sufismus-- zum Mainstream zu erklären. Der Sufismus wurde vom orthodoxen Islam schon immer verfolgt." Das ist eine Behauptung wider bessen Wissens. Jeder islamische Gelehrte schrieb auch über sufische Themen. Durch al-Ghazali wurde der Sufismus Teil des orthodoxen Islams. Und eben jener Sufismus war mit am einflussreichsten - neben dem Handel - für die Verbreitung des Islams. Denken Sie an all die großen Widerstandsführer der Islamischen Welt gegen den Kolonianismus im 19. Jahrhundert. DAs waren fast alles Sufi-Führer. Abdel Kader ist hier ein Paradebeispiel. Während Frankreich - im Namen der "westlichen Werte" - eine Taktik der verbrannten ERde und Rücksichtslos gegen Zivilisten vorging, behandelte Abdel Kader, ganz im Sinne seiner Ethik, französische Soldaten mit. Dies beeindruckte übrigens jenen bekannten Gründer des Roten Kreuzes. Nicht viel anders verhält es sich bei Omar Mukhtar in den 30ern in Libyen. Insofern können Sie natürlich bei den Phrasen a la Menschenrechte bleiben - die solange hier herrschen, solange der Wohlstand dies erlaubt. Aber wir sehen ja, wohin der Hase läuft. Wenn wir es denn sehen wollen.
18.09.20
17:55
Tarik sagt:
@ Buchdruck Die Verantwortlichen im Osmanischen Reich beobachteten häufig genau Entwicklungen in Europa -so kam es bsp. zum Bündnis mit Frankreich (gegen Österreich). Was denBuchdruck angeht. Diese Erfindung war im wahrsten des Wortes revolutionär. Er verhalf Luthers Ideen zu einem Bekanntheitsgrad, der ihm wohl ansonsten verwehrt geblieben wäre. Die rasche Ausbreitung von Ideen destabilisierte Europa und gipfelte letztlich im dreißigjährigen Krieg - auch die Erfindung des Radios - Volksempfänger - ernöglichte Hitlers Aufstieg. Nun war dasOsmanische Reich win Vielvölkerreich im Gegensatz zu den monokulturellen europäischen Ländern. Dazu war es multikonfessionell (während es hier lange hieß: Wie der König, so das Volk - was Religion anging) Mit anderenWorten: Angesichts der Revolutionen und blutigenUnruhen europaweit, hatte das Osmanische Reich sicherlich - da es aufgrund der multikulturalität anfälliger war - ein Interesse an Stabilität. Es war also primär eine praktische Entscheidung. Und bedeutete mitnichten, dass keinWisden mehr produziert wurde nur halt wesentlich langsamer. Das ging halbwegs gut, bis eine weitere Erfindung des Wastens, der Nationalismus aufkam, quasi Frankreichs Frankenstein. Und die Reformen im19. Jahrhundert im Osmanischen Reich, die u.a. das Dhimmi-System sbschaffte, kam zu spät, denn die Idee der „Nation“ hatte sich in den zahlreichen Volksgruppen eingepflanzt. Und vorbei wars mit der kulturellen Vielfalt, mit Opfern auf allen Seiten. Der Historiker Stanford Shaw erinnert in seiner Studie, das im Zuge des „nationalen Erwachens“ vor allem Juden auf dem Balkan- die man als mit Muslimen verbündete ansah ebenfalls Opfer von regelrechten Progromen Ende des 19. Jahrhunderts wurden.
19.09.20
16:32
Tarik sagt:
Um auf Khorchide zurückzukommen. Woran es bei zahlreichen Reformen krankt, daran erinnerte Abdel-Wahab Meddeb in seinem brillianten, selbstkritischen Bestseller "Die Krankheit des Islams": Oberflächlichkeit. Einer der ersten Reformdenker, ein Ägypter namens al-Tahtawi ist so ein Musterbeispiel. Er verbrachte einige Zeit in Frankreich. Ihm ging es darum, westliche philosophische Ideen der Aufklärung mit in reformistischen Ideen innerhalb des Islams zu verknüpfen. Allerdings: Statt wirklich in die Tiefe zu gehen und die gesamte Breite europäischen Denkens aufzunehmen, blieb es nur Stückwerk. Daran krankt es auch heute noch bei vielen Denkern. Bassam Tibi bsp. - ein Schüler Adornos - versuchte de facto sogenannte linkshegelianische Philosophie, ein bisschen Habermas, dazu Freudsche Psychologie (vor allem bei Abdes-Samad) und so weiter zu verbinden und dies mit einer rationalistischen Auslegung (Mu'tazila) als das Nonplus-Ultra zu vermarkten. Das ist zu engstirnig. Aufklärung ist nicht gleich Aufklärung. Ein Rosseau sagte etwas völlig anderes als ein Voltaire. Aber ansonsten macht Khorchide seine Sache - mit Abstrichen - recht ordentlich. Was bei ihm jedoch fehlt: Die Antike. Das Kernelement im Islam ist antikes Denken, insbesondere Sokrates, der da (so sagte Platon) lehrte, dass alles Lernen letztlich ein Wiedererinnern ist, und in diesem Sinne wird der Prophet im Kur'an ja als "Mudhekkir" (der in Erinnerung ruft) und der Kur'an sich selbst als Erinnerung (des Ursprungs des Menschen) bezeichnet. Anders ausgedrückt: Alleine das Konzept der Offenbarung/Prophetie könnte bei aller innermuslimischer Diskussion zwischen Offenbarung und Verstand doch ein Hinweis darauf sein, dass der Mensch allein mit seinem Verstand eben nicht zur Selbsterkenntnis gelangt. Und hier ist die Verbindung mit der Antike. Jene Antike, auf die sich Europa ja auch bezieht. Es geht also letztlich darum, wirkliche Wurzelanalyse zu betreiben und das Gemeinsame herauszuarbeiten. Alles in allem natürlich eine herausfordernde Aufgabe, aber eben darum sollen die Intellektuellen miteinander diskutieren, nicht übereinander. In dieser Hinsicht können die Muslime von westlicher Debattenkultur sehr viel lernen.
19.09.20
17:28
Tarik sagt:
Ergänzend zum Punkt der Oberflächlichkeit. Entgegen von Khorchides Behauptung - die er mit Salafisten gemein hat -, dass ein idealer Urislam durch den Kontakt mit anderen Kulturen verfälscht wurde: Gerade die Offenheit gegenüber anderen Kulturen ist für eine sehr lange Zeit die Stärke des Islams gewesen. Die Sure "Wir haben euch in verschiedene Stämme und Völker erschaffen, auf das Ihr einander kennenlernt" war ja geradezu ein Aufruf dazu. Der Fehler einiger moderner Reformer ist es, genau diesen Punkt der genuin angelegten Offenheit in seiner Bedeutung nicht erkannt zu haben. Natürlich soll man offen gegenüber Ideen sein, die im Westen weiterentwickelt wurden. Doch genau wie man einst den Hellenismus selektiv und nach kritischer Überprüfung in das islamische Denken einbettete, so gilt dieses traditionelle Vorgehen auch hier. Und eben nicht den jeweiligen Zeitgeist des Westens 1:1 kopieren zu wollen, während man aus der überreichen eigenen Tradition nicht schöpft. Dass bsp. Bassam Tibi widerlegt wurde, hat ja seinen Grund: Johannes Disch sprach den Punkt des Buchdruck-Verbots in der Islamischen Welt an. Ein Frank Griffel gilt im deutschsprachigen Raum als herausragender Ghazali-Experte. Nach eigenen Angaben hat Griffel bei seinen Übersetzungen von Ghazali aus Manuskripten geschöpft, die bis dato hierzulande unbekannt waren. Der Experte Dimitri Gutas erinnert in seinem WErk über den Avicennismus daran, dass man von einem "Goldenen Zeitalter der Philosophie in der Islamischen Welt bis etwa 1350 nur deshalb ausgehenen kann, weil über 90 Prozent der Werke NACH dieser Zeit noch gar nicht übersetzt wurde". Daher auch der gegenwärtige Fokus auf die nachklassische Zeit, und seit Bauer seine Ambiguitätstheorie 2011 veröffentlichte, haben andere Publikationen international seine Thesen nur noch weiter erhärtet. Natürlich gibt es muslische Denker, die heute von Muslimen rezipiert werden und die eine gesunde Mischung aus Selbstkritik und Lösungsansätzen aus der eigenen Tradition mit selektiver Übernahme von westlicher Philosophie anbieten. Muhammad Iqbal, dessen "Wiederbelebung des religiösen Denkens im Islam" ein Meilenstein ist und zahlreiche heutige muslmische Philosophen geprägt hat. Fazlur Rahman ist hier ebenfalls zu nennen oder gegenwärtig im deutschsprachigen Raum Ahmad Milad Karimi. Selektive Übernahme heißt, um ein Beispiel zu nennen, sicherlich Heidegger statt Habermas (!).
21.09.20
17:39
Salim Spohr sagt:
Mouhamad Khorchides neues Buch „Gottes falsche Anwälte“ — ein Verrat am Islam? Eine Anmerkung zu den Rezensionen des Buches durch Ali Mete und Thomas Bauer In ihren, wie ich finde, sehr hilfreichen Rezensionen des neuen Buches von Mouhamad Khorchide, „Gottes falsche Anwälte“, üben Ali Mete und Thomas Bauer doch gleichermaßen Kritik an der Grundthese des Autors, der Islam sei schon kurze Zeit nach dem Tode des Propheten ﷺ von einer Botschaft der „Befreiung des Menschen zu selbstbewußten Subjekten“ nämlich in ein Instrument verwandelt worden, die Menschen zu gehorsamen Objekten zu machen. Und beide Rezensenten kritisieren in schöner Weise die Umdeutung des Zwecks der Religion des Islam in ein Programm der Selbstfindung: „Der Koran beschreibt sieben Dimensionen der Selbstfindung als Angebot an jeden, der sich befreien und sich endlich als selbstbestimmtes Subjekt wahrnehmen will.“ (Khorchide, S. 154 (nach Bauer)). Diese Passage erinnert mich an die Zeit der 68-er und die Unbedarftheit gruppendynamisch orientierter Suche nach dem Übersinnlichen und jenen Turnhallen-Angeboten „vormittags Yoga mit Sabine und nachmittags Tantra mit Michael (bitte eine Wolldecke mitbringen!)“. Hierzu paßt auch die laissez-faire-artige Verharmlosung der Höllenstrafen zu bloßen Metaphern. Daß der Autor sich dabei zu Unrecht auf Imam al-Ghazali beruft, welcher am Ende seines „Tahâfut al-Falâsifa“ diese Ansicht in Wahrheit sogar „als Unglauben“ brandmarkt, wie Ali Mete sachkundig nachweist, ist nurmehr ein weiteres Zeichen jenes Mangels an Sorgfalt, der im Felde der Religionswissenschaft gar nicht erlaubt sein kann. Daß der Autor im Entwurf einer neuen Spiritualität die Mystik aber außen vor läßt, moniert Thomas Bauer in einer treffenden Richtigstellung: Diese sei nämlich „keineswegs . . . eine Richtung des Islams, sondern in allen Richtungen ein untrennbarer Bestandteil, ebenso wie Dogmatik und Recht, und zwar, wo nicht salafistischer Wahn wütet, bis heute“. Angesicht einer wohl übermächtigen Inanspruchnahme solcher Items wie „Selbstbestimmung“, „Selbstfindung“ „selbstbewußter Subjekte“ erscheint der Hinweis darauf erlaubt, wenn nicht gar als geboten, daß das „Selbst“, arabisch „nafs“ geheißen, unter Muslimen als Vertreter Shaiṭans in uns gilt. Die existenzphilosophische Umdeutung der Religion des Islams durch den Autor in ein Unternehmen der Selbstfindung durch Befreiung von Fremdbestimmung scheint in einem gravierenden Unverständnis dessen ihren Grund zu haben, daß der Muslim sich eo epso als Diener seines Herrn versteht und nur verstehen kann und gerade darin seine Würde, seine Schönheit, seine Kraft und auch eine neue Art von Freiheit erfährt, wie es im Titel einer Sammlung von Ansprachen Sheikh Nazim Efendis, „Islam. Freiheit der Dienenden“ anklingt. Dem Herrn der Welten gegenüber aber erscheint es mit Blick allein auf die Anzahl Seiner 99 „Schönen Namen“ als klare Blasphemie, Ihn zu einer Art Schmuse-Gott zu verkürzen, der nur lieb und nett wäre. Nein. Angesichts so vieler Fehler und Ungereimtheiten frage ich mich, was denn das Motiv des Mouhamad Khorchide für den Entwurf seiner Wellness-Spiritualität hätte gewesen sein können. War es vielleicht so etwas wie das Streben nach öffentlichem Beifall? Ich hoffe nicht, denn der wäre in diesem Felde, wie Immanuel Kant einmal gesagt hatte, nur wie das „Zuklatschen der Menge, darüber der Philosoph errötet, der populäre Witzling aber triumphiert und trotzig thut“. Obwohl ich das neue Buch Mouhamad Khorchides selbst gar nicht besitze, es mir nur mittels genannter Rezensionen und einiger Leserbriefe bekannt wurde, lockt es mich doch nicht, noch mehr über es zu erfahren oder es gar zu erwerben. Auch wenn bestimmte Kreise am Tenor des Buches Gefallen finden möchten, so glaube ich auch nicht, daß es sich gut verkauft. Das scheint neben anderem schon von einer extrem unglücklichen Covergestaltung verhütet zu werden, der in ihrer Farbgestaltung einer roten Schrift des Haupttitels, „Allahs falsche Anwälte“, auf schwarzem Grund etwas nachhaltig Häßliches, wenn nicht gar Shaiṭānisches anhaftet. Da frage ich, was es für Gründe dafür gegeben haben mag, daß ein, wie ich dachte, muslimisch orientierter Autor seinen Titel beim christlichen Herder Verlag in Freiburg erscheinen läßt. Und was ist mit dem gehässig anmutenden Untertitel „Verrat am Islam“, stammt der vom Autor selbst oder war das die Idee eines übereifrigen Lektors? Dieser hätte damit aber, ohne es selbst vielleicht zu bemerken, möglicherweise eine treffende Beschreibung dessen gegeben, was es mit dem ganzen Buche überhaupt vielleicht auf sich haben könnte, ein Verrat nämlich am Islam zu sein.
22.09.20
20:22
Johannes Disch sagt:
Auch wenn die Gründe für den Verbot des Buchdrucks 1485 nachvollziehbar sein mögen, so war diese Entscheidung doch fatal und wirkt bis heute nach. Selbst das kleine Finnland (ca. 5 Millionen Einwohner) übersetzt pro Jahr mehr Bücher als die komplette islamische Welt, die mehrere hundert Millionen zählt. Der Verbot des Buchdrucks ist einer der Gründe für den Niedergang und die anhaltende Rückständigkeit der islamischen Welt. Ein anderes Beispiel zeigt, wo der Schuh drückt: Selbst das kleine Israel (ca. 9 Millionen Einwohner) meldet im Jahr mehr Patente an als die komplette islamische Welt. Es ist also-- wie Koopmans in seiner Studie "Das verfallene Haus des Islam" richtig diagnostiziert-- die Geringschätzung des säkularen Wissens, das den Islam blockiert. Zudem wäre der Fluch des Öls zu nennen. Dieser Reichtum macht es diesen Staaten möglich, ihre Bevölkerung zu versorgen, ohne ihnen Rechte gewähren zu müssen. Die Arbeit machen die anderen ("ungläubige" Kulis aus dem Himalaya, etc.). Die Gründe für die Probleme der islamischen Welt sind also hausgemacht und der Kolonialismus eine billige Ausrede. Im Gegenteil: Die Länder, die unter kolonialer Herrschaft waren, stehen heute besser da als Länder, bei de en das nicht der Fall war. Der Kolonialismus hatte hier auch eine positive Seite, da er westliche Werte, westliches Denken und westliches Know-How in diese Länder brachte. Koopmans Ergebnisse wurden schon vor anderthalb Jahrzehnten vom amerikanischen Soziologen Dan Diner erbracht: "Versiegelte Zeit. Über den Stillstand in der islamischen Welt." "Die Allgegenwart des Sakralen" machte Diner als Grund für die Rückständigkeit aus, also die Fokussierung auf die Religion und die Geringschätzung des säkularen Wissens. Die Daten des "Arab Development Index" bestätigten Diner. Über ein Jahrzehnt später hat sich noch nicht viel zum besseren verändert, wie Koopmans Studie zeigt.
27.09.20
12:02
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