Eine Studie aus Belgien zeigt: Religiös engagierte Bewerber werden bei der Jobsuche benachteiligt. Das gilt für Christen und Muslime gleichermaßen.

Religiöses ehrenamtliches Engagement kann die Chancen auf einen Job offenbar deutlich benachteiligen. Das geht aus einer aktuellen Studie belgischer Forschender hervor. Demnach werden Bewerber schlechter bewertet, wenn aus ihren Unterlagen eine religiöse Haltung hervorgeht. Besonders deutlich ist der Effekt bei einem Ehrenamt in einer Kirche oder Moschee.
„Die Angabe von ehrenamtlicher Tätigkeit in einer Kirche oder einer Moschee senkt die Wahrscheinlichkeit, im Auswahlverfahren weiterzukommen, erheblich“, schreiben die Forschenden. Der Effekt zeige sich gleichermaßen bei christlichen und muslimischen Bewerbern.
Für die Untersuchung mit dem Titel „Religion Versus Religiosity: What Matters for Hiring?“ bewerteten professionelle Personalvermittler in Belgien fiktive Bewerbungsprofile. Forschende der Universitäten Gent und Antwerpen sowie der Katholischen Universität Löwen wollten dabei untersuchen, welche Rolle Religion und Religiosität bei Einstellungsentscheidungen spielen. Die Profile enthielten unter anderem sichtbare religiöse Merkmale und Angaben zu ehrenamtlichen Tätigkeiten, die auf eine christliche oder muslimische Religionszugehörigkeit schließen ließen.
Wurde die religiöse Haltung eines Bewerbers erkannt, fielen die Bewertungen schlechter aus als bei Personen, deren religiöse Orientierung unklar blieb. Der Nachteil zeigte sich laut Studie bei christlichen, muslimischen und atheistischen Zuschreibungen. Je stärker eine Person als religiös wahrgenommen wurde, desto geringer war zudem die Bereitschaft, sie zu einem Vorstellungsgespräch einzuladen.
Die Forschenden sehen einen Unterschied zwischen religiösem und anderem ehrenamtlichem Engagement. Eine Tätigkeit in einer Kirche oder Moschee vermittle die „Verbundenheit mit einer Gemeinschaft außerhalb des Mainstreams“. Engagement in einer etablierten Gemeinschaftsorganisation könne dagegen die Beschäftigungsfähigkeit verbessern und ethnische Benachteiligung bei der Einstellung abmildern. Dies signalisiere möglicherweise „eine Annäherung an die Mehrheit“.
Auffällig ist zugleich, dass religiös wahrgenommene Bewerber bei bestimmten persönlichen Eigenschaften besser abschnitten. Ihnen wurden unter anderem Ehrlichkeit, Bescheidenheit, Verträglichkeit und Gewissenhaftigkeit zugeschrieben. „Ihnen werden also arbeitsrelevante Eigenschaften zugeschrieben, und dennoch werden sie benachteiligt“, bilanzieren die Forschenden. Entscheidend sei offenbar vielmehr die Erwartung, dass Kollegen oder Kunden weniger bereit sein könnten, mit den Bewerbern zusammenzuarbeiten oder zu interagieren.