Muslimfeindlichkeit

Medien prägen weiterhin ein verzerrtes Bild von Muslimen

25 Jahre nach 9/11 wirkt ein verzerrtes Islambild in den Medien weiter. Expertin Carola Richter fordert mehr Differenzierung statt pauschaler Vorurteile.

03
09
2026
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Muslime in Medien - Deutsche Medien
Symbolbild: Medien in Deutschland © shutterstock, bearbeitet by iQ

Die Berichterstattung über Islam und Musliminnen und Muslime ist nach Einschätzung der Kommunikationsforscherin Carola Richter bis heute stark von alten Feindbildern geprägt. Medien hätten nach den Anschlägen vom 11. September 2001 bestehende Vorstellungen über den Islam als Bedrohung für den Westen verstärkt. Bis heute werde der Islam häufig vor allem im Zusammenhang mit Terrorismus, Gewalt, Krisen und Konflikten thematisiert.

„Wir haben nach wie vor eine Islamberichterstattung, die Islam als eine gewaltvolle politische Ideologie im Fokus hat“, sagt Richter gegenüber Medien.

Einseitiges Bild vom Islam

Das Problem liegt laut Richter vor allem darin, dass Gewalt häufig unmittelbar religiös erklärt werde. Bei Anschlägen oder Konflikten werde der Islam als Ursache hervorgehoben, während andere mögliche Faktoren wie etwa autoritäre, patriarchale oder politische Strukturen weniger Beachtung fänden.

Dadurch könne der Eindruck entstehen, Gewalt sei eine quasi natürliche Folge muslimischer oder islamischer Prägung. Ein solches Bild wird der Lebensrealität von Millionen Musliminnen und Muslimen jedoch nicht gerecht.

Muslimisches Leben in Deutschland sei äußerst vielfältig. Dennoch würden bestimmte Bilder immer wieder stellvertretend für eine gesamte Bevölkerungsgruppe stehen: Terrorismus, Fundamentalismus, Unterdrückung von Frauen oder die Scharia. Besonders sichtbar werde dies etwa bei der Debatte über das Kopftuch.

Während das Kopftuch in bestimmten Kontexten tatsächlich auch unter Zwang getragen werde, sei es für viele muslimische Frauen eine bewusste Entscheidung und Ausdruck ihrer religiösen oder persönlichen Identität. Eine pauschale Gleichsetzung mit Unterdrückung greife deshalb zu kurz.

Muslime werden zu oft als Problem dargestellt

Richter verweist auf eine repräsentative Studie zur Islamberichterstattung in deutschen Medien aus dem Jahr 2022. Demnach habe sich im Vergleich zur Zeit nach 9/11 überraschend wenig verändert. Die Berichterstattung werde weiterhin stark durch die Verbindung von Islam mit Terrorismus, Krisen, Unruhen, Protesten und konfliktreichen Migrationsdebatten bestimmt.

Beiträge über muslimisches Alltagsleben, religiöse Praxis, Kultur oder gesellschaftliches Engagement machten dagegen nur einen sehr kleinen Teil der Berichterstattung aus.

Das führt zu einem verzerrten Gesamtbild: Musliminnen und Muslime erscheinen häufig dann in den Nachrichten, wenn es um ein vermeintliches „Problem“ geht – und deutlich seltener als ganz normale Mitglieder der Gesellschaft: als Ärztinnen, Lehrer, Studierende, Journalistinnen, Unternehmer, Eltern, Künstlerinnen oder Nachbarinnen.

Vom „Ausländerproblem“ zum „Problem Islam“

Die Wurzeln dieses Bildes reichen laut Richter noch weiter zurück. Bereits in den 1990er Jahren sei in Deutschland stark über ein vermeintliches „Ausländerproblem“ diskutiert worden. Mit der Vorstellung des Islam als bedrohliche Religion hätten sich beide Bilder miteinander verbunden.

So sei ein Narrativ entstanden, in dem Menschen mit Migrationsgeschichte und muslimischem Glauben besonders leicht als gesellschaftliches Problem wahrgenommen würden.

Mehr über Muslime berichten – nicht nur über sie

Medien tragen nach Ansicht der Expertin eine besondere Verantwortung. Sie sollten politische und gesellschaftliche Feindbilder nicht einfach übernehmen, sondern kritisch hinterfragen.

Dazu gehöre auch, Musliminnen und Muslime selbst stärker zu Wort kommen zu lassen. Denn genau das fehle bislang häufig: Über muslimische Menschen werde gesprochen, während sie selbst zu selten als Expertinnen, Experten oder ganz gewöhnliche gesellschaftliche Stimmen vorkämen.

Richters Forderung ist deshalb klar: Es brauche mehr transkulturelles Verständnis, mehr Differenzierung und eine Berichterstattung, die die Realität einer vielfältigen Gesellschaft tatsächlich abbildet.