Uelzen

AfD-Anhänger nach tödlichem Messerangriff auf Muslimen verurteilt

Ein 30-jähriger Muslim wurde auf dem Weg zur Moschee erstochen. Der Angeklagte wurde zu zehn Jahren Haft verurteilt. Die Frage nach einem rassistischen Motiv bleibt umstritten. Das Gericht bewertete den Muslim dagegen als Zufallsopfer.

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Muslimische Erzieherin darf mit Kopftuch arbeiten © shutterstock, bearbeitet by iQ.Justiz und Kopftuch. Never ending Story
Symbolbild: Urteil © shutterstock, bearbeitet by iQ.

Nach dem tödlichen Messerangriff auf den Muslim Ayoub F. in Uelzen ist ein 26 Jahre alter Mann zu zehn Jahren Haft wegen Totschlags verurteilt worden. Die 1. Große Strafkammer des Landgerichts Lüneburg folgte mit dem Strafmaß der Forderung der Staatsanwaltschaft.

Der 30-jährige Ayoub F. war am 11. Januar auf dem Weg zum Sonntagsgebet in einer Moschee in der Uelzener Innenstadt, als es zu der tödlichen Auseinandersetzung kam. Nach den Feststellungen im Verfahren hatte der Angeklagte einen Streit provoziert und anschließend mit einem Küchenmesser zugestochen.

Ayoub F. wurde von hinten getroffen. Die Klinge verletzte unter anderem die Lunge und eine Hauptschlagader. Der 30-Jährige starb wenige Stunden später im Krankenhaus.

Umstritten blieb im Verfahren das Tatmotiv. Die Staatsanwaltschaft erklärte, ohne die fremdenfeindliche Einstellung des Angeklagten wäre es nicht zu der Tat gekommen. Auch der Nebenklagevertreter sah ein rassistisches Motiv. Der Angeklagte habe Ayoub F. als Ausländer und Muslim wahrgenommen und ihn stellvertretend für eine von ihm abgewertete Gruppe angegriffen, argumentierte der Anwalt.

Das Gericht bewertete Ayoub F. dagegen als Zufallsopfer. Zwar könne der Angeklagte ein rassistisch geprägtes Weltbild haben, nach Auffassung der Kammer habe jedoch vor allem sein Wunsch eine Rolle gespielt, nach von ihm selbst provozierten Konflikten „einmal als Sieger“ dazustehen.

Zeugen berichteten, der Angeklagte habe nach der Tat in einem Restaurant von „Multikulti“ gesprochen. Zudem wurden im Prozess frühere Drohungen gegen Menschen mit Migrationsgeschichte und antifaschistisch engagierte Personen thematisiert.

Ayoub F.s Vater konnte seinen Sohn nach eigenen Angaben 13 Jahre lang nicht in Deutschland besuchen. Erst nach dessen Tod erhielt er ein Visum, um an der Gerichtsverhandlung teilzunehmen. In Uelzen soll am Wochenende beim „Festival gegen Rassismus“ an Ayoub F. als Opfer rassistischer Gewalt erinnert werden.