PEW RESEARCH CENTER

Studie: Anfeindungen gegen Muslime nahmen nach dem 7. Oktober zu

Die Zahl der Länder mit religiös motivierten Anfeindungen ist 2023 deutlich gestiegen. Einer neuen Pew-Studie zufolge nahmen insbesondere nach dem 7. Oktober Hassrede und Diskriminierungen gegen Muslime in mehreren Ländern zu.

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06
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Symbolbild: Schwarze Menschen und Muslime am meisten von Rassismus betroffen © shutterstock, bearbeitet by iQ
Symbolbild: Schwarze Menschen erleben Rassismus im Alltag © shutterstock, bearbeitet by iQ

Die Zahl der Staaten mit einem hohen oder sehr hohen Ausmaß religiös motivierter gesellschaftlicher Feindseligkeiten ist im Jahr 2023 deutlich gestiegen. Das geht aus einer neuen Untersuchung des Pew Research Center hervor. Demnach verzeichneten 55 von 198 untersuchten Ländern erhöhte soziale Spannungen im Zusammenhang mit Religion – zehn mehr als im Vorjahr. Es ist der dritte Anstieg in Folge.

Die Studie verzeichnet eine Zunahme von Hassrede, Diskriminierung und gewaltsamen Übergriffen gegen religiöse Minderheiten. In zahlreichen Ländern richteten sich die Anfeindungen auch gegen Muslime.

Als ein wesentlicher Auslöser gilt der Hamas-Angriff auf Israel am 7. Oktober 2023 und der anschließende israelische Genozid im Gazastreifen.

Angriffe auf Muslime in Norwegen und Russland nahmen zu

In mehreren europäischen Staaten registrierten die Forscher einen Anstieg islamfeindlicher Vorfälle. In Spanien berichteten muslimische Organisationen von zunehmender Hetze in sozialen Netzwerken sowie Diskriminierungen im Alltag. Auch in Norwegen nahmen nach Angaben der Studie Hassrede und Anfeindungen gegen Muslime zu. Dort sorgten unter anderem Kundgebungen der islamfeindlichen Organisation „Stop Islamization of Norway“ für Aufmerksamkeit. Bei mehreren Veranstaltungen wurden Korane öffentlich verbrannt.

Ähnliche Vorfälle wurden auch aus Schweden und Russland gemeldet. In Russland dokumentierte die Untersuchung zudem Angriffe auf muslimische Frauen, die ein Kopftuch tragen. In einem Fall wurde eine muslimische Mutter gemeinsam mit ihren Kindern auf einem Spielplatz körperlich angegriffen.

Nicht nur in Europa verschärfte sich die Lage. In Thailand, wo die Regierung seit Jahren gegen muslimische Separatisten im Süden des Landes kämpft, stieg die Zahl der Todesopfer des Konflikts. Die Mehrheit der Getöteten waren Muslime. Auch im Sudan trugen der Bürgerkrieg und die Zerstörung religiöser Einrichtungen zu einer Verschlechterung der Lage bei.

Religiöse Praxis in China wird erheblich beschränkt

Neben gesellschaftlichen Feindseligkeiten bleiben staatliche Eingriffe in die Religionsfreiheit weltweit auf hohem Niveau. In 58 Ländern registrierte PEW hohe oder sehr hohe staatliche Beschränkungen religiöser Praxis. Besonders ausgeprägt waren diese unter anderem in China, Iran und Afghanistan.

Insgesamt leben laut der Studie rund 78 Prozent der Weltbevölkerung in Staaten, in denen entweder erhebliche staatliche Einschränkungen der Religionsfreiheit oder starke religiös motivierte gesellschaftliche Spannungen bestehen.