Tag gegen Islamfeindlichkeit

Tag gegen Islamfeindlichkeit: Forderung nach konkreten Maßnahmen

Zum Internationalen Tag gegen Islamfeindlichkeit fordern Initiativen und islamische Religionsgemeinschaften mehr Maßnahmen gegen antimuslimischen Rassismus.

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03
2026
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Antimuslimische Straftaten
Symbolbild: Islamfeindlichkeit © Twitter, bearbeitet by iQ.

Am 15. März wird weltweit der Internationale Tag zur Bekämpfung von Islamfeindlichkeit begangen. Der Gedenktag wurde 2022 von der Vereinte Nationen ausgerufen und erinnert an den rechtsterroristischen Anschlag auf zwei Moscheen in Christchurch im Jahr 2019, bei dem 51 Menschen während des Freitagsgebets ermordet und weitere 40 verletzt wurden. Das Attentat gilt als eines der schwersten islamfeindlichen Gewaltverbrechen der jüngeren Geschichte.

In diesem Jahr wird der 15. März in Berlin erstmals auch als offizieller Gedenk- und Aktionstag begangen. Die Allianz gegen Islam- und Muslimfeindlichkeit CLAIM begrüßt diesen Schritt, mahnt jedoch, dass symbolische Gesten allein nicht ausreichen. Der Gedenktag müsse Anlass sein, konkrete politische Maßnahmen gegen antimuslimischen Rassismus umzusetzen – etwa besseren Schutz für Betroffene, stärkere Antidiskriminierungsstrukturen in Behörden und Bildungseinrichtungen sowie niedrigschwellige Beratungs- und Meldestellen.

Aktuelle Zahlen verdeutlichen die Dringlichkeit

Laut der Jahresbilanz von CLAIM wurden 2024 in Berlin 644 antimuslimische Übergriffe und Diskriminierungen dokumentiert – ein Anstieg von über 68 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Statistisch entspricht das fast zwei Vorfällen pro Tag. Auch die Zahlen der politisch motivierten Kriminalität zeigen keine Entwarnung: Bis Ende 2025 registrierten die Behörden 172 islamfeindliche Straftaten in der Hauptstadt, wobei Experten von einer deutlich höheren Dunkelziffer ausgehen.

„Wir sprechen nicht über Einzelfälle, sondern über eine strukturelle Realität“, erklärte CLAIM-Co-Geschäftsführerin Rima Hanano. Antimuslimischer Rassismus präge den Alltag vieler Menschen. Der neue Gedenktag könne ein wichtiges Signal senden – vorausgesetzt, er werde mit konkreten politischen Maßnahmen verbunden.

Auch Studien bestätigen das Ausmaß des Problems

Der Berlin Monitor zeigt, dass mehr als die Hälfte der Berlinerinnen und Berliner antimuslimischen Aussagen zustimmt. Gleichzeitig berichten laut der Agentur der Europäischen Union für Grundrechte (FRA) rund 68 Prozent der Musliminnen und Muslime in Deutschland, bereits rassistische Diskriminierung erlebt zu haben – einer der höchsten Werte in Europa.

Die Auswirkungen sind für Betroffene oft unmittelbar und gewaltvoll. So wurden im Februar 2025 zwei Mädchen im Alter von 14 und 16 Jahren am S-Bahnhof Berlin-Grünau wegen ihrer Kopftücher angegriffen und verletzt. Im selben Jahr erhielt eine Moschee in Neukölln ein Drohschreiben mit Gewaltaufrufen gegen Muslime. Ende 2025 wurde eine 65-jährige Frau mit Kopftuch am U-Bahnhof Gesundbrunnen rassistisch beleidigt, bespuckt und zu Boden gestoßen.

“Sonntagsreden über Vielfalt genügen nicht“

Auch islamische Religionsgemeinschaften fordern ein entschiedeneres Vorgehen. Der Generalsekretär der Islamischen Gemeinschaft Millî Görüş, Ali Mete, erklärte, Islamfeindlichkeit sei längst Teil des gesellschaftlichen Alltags in Europa. Musliminnen und Muslime würden nicht nur beleidigt oder angegriffen, sondern auch bei Arbeit, Wohnen oder Bildung benachteiligt. „Sonntagsreden über Vielfalt genügen nicht, wenn Musliminnen und Muslime zugleich unter Generalverdacht gestellt werden“, sagte Mete. Der 15. März sei deshalb ein Prüfstein politischer Glaubwürdigkeit.

Auch international wächst der Druck auf Regierungen, entschiedener zu handeln. In einer Botschaft zum Gedenktag warnte UN-Generalsekretär António Guterres vor zunehmender Hetze und Diskriminierung gegenüber Musliminnen und Muslimen weltweit. Staaten müssten Hasskriminalität konsequent verfolgen, Religionsfreiheit schützen und gegen Diskriminierung vorgehen. Zugleich seien auch Online-Plattformen gefordert, gegen digitale Hetze vorzugehen.

Die Vereinten Nationen hatten 2025 zudem einen Sondergesandten zur Bekämpfung von Islamfeindlichkeit eingesetzt, um internationale Maßnahmen stärker zu koordinieren. Zum diesjährigen Gedenktag rief Guterres dazu auf, sich erneut zu den universellen Menschenrechten und zur Würde jedes Menschen zu bekennen – unabhängig von Religion oder Herkunft.