Das Kopftuchverbot für Mädchen unter 14 Jahren sorgt in Österreich für Proteste und Konflikte an Schulen. Seit Inkrafttreten der Regelung am 1. September haben die Schulbehörden 127 Gespräche mit Eltern geführt und 52 mutmaßliche Verstöße gemeldet. Das geht aus Angaben des Bildungsministeriums hervor.Anzeige Die konservativ geführte Regierung begründet das Verbot mit dem Schutz muslimischer Mädchen […]

Das Kopftuchverbot für Mädchen unter 14 Jahren sorgt in Österreich für Proteste und Konflikte an Schulen. Seit Inkrafttreten der Regelung am 1. September haben die Schulbehörden 127 Gespräche mit Eltern geführt und 52 mutmaßliche Verstöße gemeldet. Das geht aus Angaben des Bildungsministeriums hervor.
Die konservativ geführte Regierung begründet das Verbot mit dem Schutz muslimischer Mädchen vor Unterdrückung und mit dem Ziel der Gleichstellung. Kritiker sehen darin hingegen einen unverhältnismäßigen Eingriff in die Religionsfreiheit und eine Benachteiligung muslimischer Schülerinnen. Bei Protesten gegen das Gesetz versammelten sich landesweit jeweils mehrere Hundert Menschen.
Auch betroffene Familien berichten von Belastungen. Die zwölfjährige Seham sagte bei einer Demonstration in Wien, sie habe Angst gehabt, ihr Kopftuch in der Schule abzulegen. Sie habe es zwei Jahre lang getragen und es als Teil ihrer Identität empfunden. Nach Gesprächen mit der Schulleitung dürfe sie ihre Haare inzwischen mit einer anderen Kopfbedeckung bedecken.
Die Islamische Glaubensgemeinschaft in Österreich (IGGÖ) berichtet von rund 70 Meldungen betroffener Familien. „Ein Gesetz, das mit dem Schutz des Kindeswohls begründet wurde, setzt ausgerechnet diese Kinder in der Schule unter Druck“, erklärte die Glaubensgemeinschaft. Sie unterstützt rechtliche Schritte gegen das Verbot.
Der Verfassungsgerichtshof bestätigte den Eingang einer Beschwerde. Mit einer Entscheidung wird in der ersten Jahreshälfte 2027 gerechnet. Österreich hatte bereits 2019 ein Kopftuchverbot für Volksschülerinnen eingeführt. Der Verfassungsgerichtshof hob es auf, weil die Regelung ausschließlich muslimische Mädchen betroffen und damit gegen die religiöse Neutralität des Staates verstoßen habe.
Bildungsminister Christoph Wiederkehr wertete die bisherigen Zahlen als Zeichen dafür, dass die meisten Familien kooperierten. Wiener Schulbehörden teilten dagegen mit, bisherige Gespräche hätten den Eindruck vermittelt, dass die Mädchen das Kopftuch aus eigenem Antrieb trügen.