In sozialen Medien wird erneut behauptet, 80 Prozent der Muslime in Europa lebten von Sozialhilfe. Für diese Aussage gibt es jedoch keine belastbaren Belege.

Die Behauptung, rund 80 Prozent der Muslime in Europa seien auf Sozialhilfe angewiesen, verbreitet sich erneut in sozialen Netzwerken. Demnach sollen von angeblich 50 Millionen Muslimen in Europa 40 Millionen Sozialleistungen beziehen. Faktenchecks und wissenschaftliche Daten zeigen jedoch: Für diese Aussage gibt es keine Grundlage.
Seriöse Studien oder amtliche Statistiken, die einen europaweiten Zusammenhang zwischen Religionszugehörigkeit und Sozialleistungsbezug herstellen, existieren nicht. Zudem unterscheiden sich die Sozialsysteme der europäischen Staaten erheblich, sodass ein länderübergreifender Vergleich kaum möglich ist. In Deutschland wird die Religionszugehörigkeit von Empfängern staatlicher Leistungen zudem aus Datenschutzgründen nicht erfasst.
Zwar schätzt das Pew Research Center die Zahl der Muslime in Europa auf rund 45,5 Millionen im Jahr 2020. Daraus lässt sich jedoch keinerlei Aussage über den Bezug von Sozialleistungen ableiten.
Auch eine Studie der Agentur der Europäischen Union für Grundrechte aus dem Jahr 2024 belegt die Behauptung nicht. Sie zeigt unter anderem, dass viele muslimische Haushalte wirtschaftliche Schwierigkeiten erleben und 63 Prozent der befragten Muslime einer bezahlten Beschäftigung nachgehen. Von einer Sozialhilfequote von 80 Prozent ist darin keine Rede.
Nach Recherchen geht die Zahl auf eine unbelegte Aussage in einer libanesischen Fernsehsendung aus dem Jahr 2012 zurück. Sie wurde später von der rechtspopulistischen italienischen Lega in einer Anfrage an das Europäische Parlament aufgegriffen, ohne dass dafür Belege vorgelegt wurden. Bereits damals verwies die Europäische Kommission auf Studien, wonach sich die Inanspruchnahme von Sozialleistungen zwischen Zugewanderten und Einheimischen nur gering unterscheidet.