Rechtsextremismus

Kein Phänomen der Gegenwart – rassistischer Anschlag vor 40 Jahren

Rechtsterroristische Verbrechen wie in Halle, Hanau oder Christchurch haben in den vergangenen Jahren die Menschen erschüttert. Ähnliche Anschläge gab es aber auch schon früher, zum Beispiel in Nürnberg.

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06
2022
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Symbolbild: Rechte Gewalt, Straftaten © Perspektif, bearbeitet by iQ.
Symbolbild: Rechte Gewalt, Straftaten © Perspektif, bearbeitet by iQ.

Ein 26-Jähriger erschießt in einer Nürnberger Diskothek gezielt zwei Afroamerikaner. Danach läuft er weiter durch die Innenstadt und tötet einen Ägypter. Als die Polizei ihn wenige Minuten später stellt, erschießt er sich selbst. Fälle wie dieser erinnern an rechtsterroristische Anschläge wie die in Halle, Hanau oder im Münchner Olympia-Einkaufszentrum. Doch dieser Fall liegt schon 40 Jahre zurück. Dennoch weist er viele Parallelen zu rassistischen Verbrechen der Gegenwart auf.

„Kein Phänomen der Gegenwart“

Das Memorium Nürnberger Prozesse rückt diesen Anschlag und einige andere deshalb in den Mittelpunkt einer Ausstellung, die verdeutlichen soll, dass Rechtsterrorismus kein Phänomen der Gegenwart ist, sondern in der deutschen und internationalen Geschichte immer wieder vorkam. Auch die Attentate auf dem Oktoberfest 1980 und im neuseeländischen Christchurch 2019 spielen eine herausgehobene Rolle. Die Ausstellung soll Ende Oktober eröffnen.

„Die Ideologien und Methoden, die dahinter stehen, sind über den gesamten Zeitraum ähnlich“, sagt die wissenschaftliche Mitarbeiterin Rebecca Weiß. In vielen Fällen suchten die Täter ihre Opfer willkürlich aus und töteten diese aufgrund ihres Aussehens oder anderer Merkmale. Meist sei es keine isolierte Tat, sondern es habe schon eine Vorgeschichte gegeben, zum Beispiel rechtsextreme Äußerungen oder Propaganda.

Vielen Menschen sei der Anschlag vom 24. Juni 1982 in Nürnberg nicht mehr bekannt. Dabei starben damals drei Menschen in der Innenstadt, drei wurden schwer verletzt. Auch in diesem Fall habe es vorher Hinweise gegeben: Am Tag der Tat stand der Attentäter noch vor Gericht, weil er Aufkleber mit rechtsextremen Symbolen in der Stadt angebracht haben soll. „Wir wollen dafür sensibilisieren, dass es ein genaues Hinschauen in der Gesellschaft gibt“, sagte Weiß. Damit man aufmerksam werde, bevor aus Worten Taten würden.

„Das Schweigen durchbrechen“

Am Jahrestag am Freitag will der Verein „Das Schweigen durchbrechen“ mit einer Gedenkveranstaltung an die Opfer und das Verbrechen erinnern. Der Blick auf die Geschichte des rechten Terrors seit 1945 sei stark auf die 1990er Jahre beschränkt, frühere Verbrechen würden oft ausgeblendet, teilte der Verein mit. „Besonders die Jahre von 1980 bis 1982 waren geprägt von einer Reihe rechtsradikaler Anschläge und Morde.“

Die Stadt Nürnberg diskutiert nach Angaben eines Sprechers gerade darüber, eine offizielle Gedenktafel in Erinnerung an den Anschlag in der Disco „Twenty Five“ anzubringen. Bisher weist nur ein kleines inoffizielles Gedenkschild in der Königsstraße auf das Verbrechen hin. (dpa/iQ)