Xinjiang

Corona-Virus: Umerziehungslager werden zu „Todeslagern“

Menschenrechtler warnen vor dem Corona-Virus in Umerziehungslagern, die zu „Todeslagern“ werden. Es fehle an ausreichender medizinischer Betreuung.

19
07
2020
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Xinjiang Uiguren Corona
Xinjiang: Uiguren in Umerziehungslagern © Shutterstock, bearbeitet by iQ

Die Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) hat nach dem Ausbruch des Corona-Virus in der chinesischen Region Xinjiang davor gewarnt, dass die Umerziehungslager in der Region zu „Todeslagern“ werden. „Ein Übergreifen der Pandemie in der Provinzhauptstadt Urumtschi auf benachbarte Lager hätte katastrophale Folgen. Denn in den Umerziehungscamps fehlt es an ausreichender medizinischer Betreuung,“ erklärte GfbV-Direktor Ulrich Delius am Sonntag in Göttingen.

Die Menschenrechtler forderten eine sofortige Auflösung der Lager und mehr Transparenz beim Kampf gegen die Corona-Pandemie in Xinjiang. So fehle es an einem Gesundheitskonzept, wie die den Angaben zufolge rund 1,8 Millionen Lagerinsassen bei einer Ausbreitung von Covid-19 geschützt werden könnten.

Freigelassene berichteten, dass die medizinische Betreuung dort vollkommen unzureichend sei, so die GfbV. Da in den Lagern auf kleinem Raum oft tausende Menschen lebten, sei die Ansteckungsgefahr besonders groß. Zudem könne Wachpersonal das Virus unbeabsichtigt von außen einschleppen.

Corona-Virus in Xinjiang

Die GfbV hatte bereits zuvor vor einem Übergreifen des Virus auf die Umerziehungslager in Xinjiang gewarnt. „Die Internierten sind besonders gefährdet, weil ihr Immunsystem sehr geschwächt ist. Monatelange Haft, unmenschliche Behandlung, Stress und mangelhafte medizinische Betreuung haben ihre Gesundheit sehr beeinträchtigt. Eine Epidemie unter den Millionen Menschen in den Lagern wäre der Super-GAU“, hatte der GfbV-Direktor Ulrich Delius erklärt.

Nach Angaben der Behörden waren in den vergangene Monaten die ersten zwei Krankheitsfälle des Covid-19 in der Region Xinjiang/Ostturkestan festgestellt worden. Dringend müsse eine Ansteckung von Angehörigen des Wachpersonals der Lager verhindert werden, warnten Menschenrechtler. Zehntausende arbeiteten in den Lagern, um die Internierten zu unterrichten oder zu überwachen. Sie bewegen sich frei in Xinjiang und sind somit über ihre sozialen Kontakte dem Risiko einer Ansteckung an die Lungenkrankheit ausgesetzt.

“Wenn man dies nicht akzeptiert, kann es in den Lagern zu einer Katastrophe kommen. Es könnte sich bitter rächen, dass Chinas Behörden systematisch die ländliche uigurische und kasachische Gesellschaft zerstört haben“, warnte Delius. (KNA/iQ)