MOSCHEEANSCHLÄGE – DER ALLTAG DANACH

„Niemand von der Stadt hat sich mit uns solidarisiert“

Brandanschläge, Schmierereien, eingeschlagene Fensterscheiben, verwüstete Gebetsräume und Bombendrohungen. Die Angriffe auf Moscheen häufen sich – und hinterlassen Spuren. So wie vor einem Jahr in Hagen. IslamiQ hat mit der Gemeinde gesprochen.

25
05
2020
Hagen
Moscheeanschlag in Hagen © Facebook, bearbeitet by iQ

Dieses Jahr die Corona-Pandemie, letztes Jahr der Anschlag. Beide Jahre werden für die Ulu-Moschee der Islamischen Gemeinschaft Millî Görüş (IGMG) in Hagen wohl unvergesslich sein. Am 25. Mai 2019 verübte ein Täter einen Brandanschlag auf die Moschee – kurz bevor Kinder dort ankamen. Glücklicherweise wurde niemand verletzt. Dennoch bleiben Spuren der feigen Tat spürbar.

Bei dem Brandanschlag wurden insgesamt sechs Müllcontainer in Brand gesetzt, die sich im umschlossenen Eingangsbereich der Moschee befanden. „Wäre jemand im Gebäude gewesen, hätte er keine Chance gehabt heil rauszukommen“, erklärt Vorsitzender Ömer Oral gegenüber IslamiQ. Es sei wie in einem Horrorszenario gewesen. Der Eingang war stark beschädigt worden und der Rauch hatte sich stark ausgebreitet. Die Nachbarn mussten aus ihren Häusern evakuiert werden.

Eltern, die mit ihren Kindern in die Moschee wollten, bemerkten den Brand und alarmierten die Polizei. Kurze Zeit später wurde der Täter festgenommen und im Februar dieses Jahres zu einer Haftstrafe von drei Jahren und sechs Monaten verurteilt.

„Die Polizei ging zunächst nicht von einer politisch motivierten Tat aus. Wir hatten Glück, dass er überhaupt verurteilt wurde“, erklärt Oral erleichtert. Erst nach dem Gutachten eines Brandsachverständigen bewertete die Staatsanwaltschaft Hagen den Fall als besonders schwere Brandstiftung und versuchten Mordes.

IGMG begrüßt Urteil

Der stellvertretende Generalsekretär der IGMG, Murat Gümüş, betonte wie wichtig es ist, solche Fälle aufzuklären und zum Abschluss zu bringen. „In diesem Fall wurde der Täter gefasst und verurteilt. Das war eine sehr positive Nachricht“, sagt Gümüş gegenüber IslamiQ.

„Jeder Angriff auf eine Moschee ist einer zuviel“, sagt Gümüş. Daher müsse jeder einzelne Fall genauestens untersucht werden. „Die Behörden sowie die Politik müssten dafür sorgen, dass die Täter für ihre Angriffe verurteilt werden.“

Die Aufklärungsquote von islamfeindlich motivierten Straftaten sei nach wie vor erschreckend niedrig. Auch deshalb werden die meisten Straftaten von den Betroffenen oft nicht zur Anzeige gebracht. Sie gehen davon aus, dass die Täter ohnehin nicht ermittelt werden.

Stärkerer Zusammenhalt in der Gemeinde

Dennoch habe der Vorfall die Gemeinde näher zusammengebracht. „Klar, irgendwo im Hinterkopf ist die Angst eines erneuten Anschlags noch da. Sie wird auch niemals weggehen. Aber dadurch haben wir als Gemeinde gelernt, stärker zusammenzurücken. Wir sind füreinander da“, sagt Oral weiter. Die Aktivitäten in der Gemeinde seien gestiegen. Die Nachfrage sei höher.

Nachdem Anschlag habe man neue Sicherheitsvorkehrungen getroffen. Die Außenfassade habe man verstärkt, neue Überwachungskameras und neue Türen angebracht. Oral unterstreicht trotzdem die Haftstrafe des Täters als die beste Sicherheitsmaßnahme. Wenn das Strafmaß noch höher ausgefallen wäre, würde es Täter abschrecken, solche Taten zu begehen.

„Niemand von der Stadt hat sich mit uns solidarisiert“

Eine Sache liegt dem Vorsitzenden besonders im Herzen: „Mal alles beiseitegelassen: mindestens eine Person hätte von der Stadt kommen und uns seine Anteilnahme bekunden müssen. Niemand von der Stadt, geschweige denn von Land und Bund, keine Behörde hat sich mit uns solidarisiert. Das ist einfach nur traurig.“ Im Gegensatz dazu gab es eine große Anteilnahme von Muslimen. Viele islamische Religionsgemeinschäften hätten sich solidarisiert.

Auch von den Medien ist Oral enttäuscht. Dem Vorsitzenden zufolge liefern sie den Treibstoff für Islamfeindlichkeit in der Gesellschaft. Das müsse aufhören. Meinungen und Beiträge tarnen sich unter dem Deckmantel der Meinungsfreiheit. „Nicht jede Meinung, ist eine Meinung“, sagt er. „Trotzdem können wir Muslime dem entgegenwirken, indem wir uns – obwohl bereits vorhanden – mehr nach außen hin präsentieren.“

„Am Abend sollte der gemeinsame Iftar stattfinden“

Auch Habib Seyhan bedauert den Vorfall auf seine Moschee. Die Moschee bedeute ihm alles. Sie sei seine Lebensader. Seine Identität. Deswegen machte ihn der Anschlag auf seine Moschee besonders traurig. „Wir waren im Ramadan. Am Abend sollte der gemeinsame Iftar stattfinden. Anschließend das gemeinsame Tarâwîh-Gebet. Ich war schon ziemlich aufgeregt. Und dann kam der Anschlag“, beschreibt Seyhan den Tag.

Seyhan ist langjähriges Mitglied der Gemeinde. Er kennt viele Moscheebesucher. Nach ihm sei das, was den meisten Gemeindemitgliedern sorgen macht, die Angst um ihre Kinder: „Die Eltern sind besorgt. Ihre Kinder sind dort quasi auf sich alleingestellt.“ Nichtsdestotrotz zeige die Gemeinde Stärke und halte zusammen. „Wir lassen uns nicht einschüchtern!“, sagt Seyhan entschlossen.

Auch Seyhan kritisiert die Behörden und die Politik. „Sie machen einfach zu wenig“, sagt er. Deswegen dürfe man nicht abwarten. Muslime in Deutschland täten zwar viel für die Öffentlichkeit, dennoch könne man noch mehr schaffen: „Wir machen mit der IGMG bei unterschiedlichen öffentlichen Projekten mit. Sei es beim Tag der offenen Moschee oder bei ‚Gestatten Muslim‘. Solche Projekte sollten man ausbauen.“

Leserkommentare

Dilaver Çelik sagt:
Das ist Gott sei Dank nicht überall so. Mittlerweile reagieren zumindest in einigen Orten Vertreter der Stadt und Politik sensibler auf Moscheeangriffe, sprechen ihre Solidarität aus und zeigen das durch Besuche der betroffenen Moschee. Das wird allerdings nicht reichen, weil nur Präventionsmaßnahmen potentielle Täter abschrecken werden. Wenn man bedenkt, dass Sicherheitskameras alleine Täter nicht abschrecken, Straftaten gegen Moscheen zu verüben, ist es das mindeste, dass Moscheen unter Polizeischutz gestellt werden müssen. Wer dagegen ist, der muss sich die Unterstellung gefallen lassen, dass ihm die Sicherheit der Moscheen herzlich egal ist. Einen privaten Sicherheitsdienst können die meisten Moscheen sich finanziell nicht leisten. Die Muslime finanzieren die Moscheen aus ihrer eigenen Tasche. Und das reicht gerade mal aus, die Moscheen zu unterhalten. Da fließt kein Geld vom Staat, wie schon oft unterstellt, was seine Vor- und Nachteile hat. Aber Polizeischutz für Moscheen ist in Anbetracht der Tatsache, dass jeden zweiten Tag eine Moschee angegriffen wird, nicht zu viel verlangt. Oder müssen erst Menschen zu Schaden kommen, bis der Staat endlich reagiert? Muslime sind schließlich auch Steuerzahler, sind Bürger dieses Landes, so dass sie Anspruch auf Schutz ihrer Moscheen haben und es auch weiterhin beanspruchen werden. Wer das in Abrede stellt, der offenbart damit nur, welch Geistes Kind er ist.
26.05.20
16:24
Kafira sagt:
Warum sollte sich jemand der Stadt ausgerechnet mit den feindlichen, islamitischen Fremden, mit den Muslims solidarisieren? Nehmen die Muslims etwa Rücksicht auf dir Gefühle der normalen Menschen ? Kopftuch Burka Burkini Minaretten Prüdität ? Wenn Allah findet, dass Seine Muslims in Mittelmeer ertrinken sollen Dass Seine Moscheen bemalt werden sollten, Dann steht es uns, Ungläubigen, denen wir schlimmer sind als das Vieh, und denen wir zum Abschuss durch Allah freigegeben sind nicht zu, höcht Seinen Willen mit Hilfe von Polizisten zu durchkreuzen. Kafira
04.06.20
0:07
Kritika sagt:
L.S. Wenn es stimmt, dass jeden 2ten Tag eine Moschee beschädigt wird, dann wäre Objectschutz sicher angebracht. Das Geld dafür könnten die Muslims sparen, indem sie weniger und billigere Moscheen bauen. z.B. die Ärger und Kosten verursachende Minaretten weglassen. Auch sollten sie weniger provozierend auftreten; keine Volksbelästigung mit " Gestatten , Muslim ?- Provokationen. Friedlich, bescheiden und unsichtbar sind Muslims leider nicht gerade, im Gegenteil. Alle sympatische Sekten (also ausgenommen der unsympatische Islam ) sind friedlich. Sicher auch eine Komponente weswegen Muslims überwiegend als feindlich wahrgenommen werden. -------- Kritika wünscht alle Muslims (besonders den KopftuchFrauen ) Gute Besserung. Kritika
07.06.20
23:32
Johannes Disch sagt:
Die Täter wurden gefasst und verurteilt, stellt auch der stellvertretende Generalsekretär der IGMG fest. Und das ist das Wichtigste, denn es zeigt, dass der Rechtsstaat funktioniert. Natürlich muss Rassismus jeglicher Art weiterhin vehement bekämpft werden. Das ist eine Selbstverständlichkeit.
10.06.20
20:08
Kafira sagt:
Liebe Leser, Wenn derart viel brennbares Material in einer Moschee gelagert ist, dass bei Brand Besucher " keine Chance mehr gehabt hätten " da heile wieder heraus zu kommen. Und weil wir aus Erfahrung wissen, dass Allah keinen Fingergekrümmt hätte, jemand zu retten, (Fabelwesen können keine Finger krümmen ) da wäre eine Sprinkler Anlage eine passende Lösung. Alle Moscheen ohne Sprinkler sollten sofort geschlossen werden und erst nach Abnahme der Sprinkler Anlage wieder öffnen dürfen. Dass Moscheen ohne Seelennot Monate lang pot-dicht sein können, das wissen wir jetzt. Kafira
12.06.20
19:50
IslamFrei sagt:
Liebe Leser, lieber Herr Disch. - - - " Rassismus jeder Art muss bekämpft werden " so Hr, Disch - - Bravo! Auch der Rassismus gegenüber " Ungläubigen" , von dem der Koran nur so trieft ? Hr Disch? Selbstverständlich bien sure zeker weten Und wie realisiert das eine Islamfreie Demokratie? Am Besten indem der Koran " gekeuscht " wird viz von seine Hetz- und HassTiraden befreit wird, so finde ich. Besitz, Vertrieb, Übersetzungen, Arabische Originale Auszüge usw. der Hetz- und Hass - Originale sollten unter strenge Strafe gestellt werden denn sie sind nchts Anderes als Aufforderungen zum Mord. Deutschland hat eventuell nur wenige Decenia, solche Entscheidungen Islamfrei zu beschiessen. Lasst uns die nutzen, auch wenn es die Churchhillschen Blut Schweiz und Tränen kostet. ja auch wenn es das Risiko birgt, Tote zu kosten. Eine Welt Muftii-Allah-Kratie kostet weit mehr Tränen. Schweiss und Tote . IslamFrei
12.06.20
23:19
Johannes Disch sagt:
@IslamFrei (12.06.2020, 23:19) Weil Sie auf gewisse Suren im Koran anspielen: Die religiösen Schriften müssen nicht verfassungskonform sein. Das verlangt das Grundgesetz nicht. Das Verhalten der Gläubigen muss verfassungskonform sein. Ihr Vergkeich ist also unzutreffend.
16.06.20
14:27
IslamFrei sagt:
An Herr Disch. RE Ihr Post dd 16. 06. 2020 und weitere Leser " Rassismus jeder Art muss bekämpft werden ", sagt Hr. Disch am12. 06. 2020. Am 16.06.2020 fügt er hinzu, dass dies für " Gläubigen " und deren Schriften nicht gilt. Wir wollen davon ausgehen, dass Hr. Disch noch nicht ernsthaft islamisiert ist und er Esoterik-Anhänger von " Gläubigen " nach Deutscher Lesart unterscheidet. Dann wird Hr. Disch meinen, dass vom Islam ausgehender Rassismus bekämpft werden muss. Ich bin dann mit ihm einer Meinung und sehe Moschee besprayen und Kopftuch verletzungsfrei entfernen als geeignete und sanfte Mittel an den islamistisch- rassistischen Islam zu bekämpfen. Gruss, IslamFrei.
24.06.20
0:05
IslamFrei sagt:
At Johannes Disch RE Ihr Blog dd. 16.06.2020 In meinem Blog, den sie beanstanden, nehmen sie Musselmänner, -- vielmehr deren sog. edlen Koran -- in Schutz gegen Behauptungen, die ich so gar nicht gemacht habe. i .c. Verfassungskonform. ------ Noch immer verwenden sie ' Rasse ' für eine Ideologie; bei ihnen: Islam. Das taten die Nationalsozialistische Rassisten auch schon: Die unterschieden u.a. zwischen " Edel-Germanen " (die rassechte Deutschen) und nur so einfache " Germanen " , die Muslims würden die vieleicht "Un-germanen" nennen. Die Niederländer genossen damals die zweifelhafte Ehre immerhin noch "Germanen " sein zu dürfen. -- vorausgesetzt, sie gehörten nicht zu den Juden. -------- Ihre Belehrungen vom 16.06.2020 kannte ich übrigens schon, trotzdem Dank dafür. Gruss, IslamFrei.
25.06.20
23:00
Johannes Disch sagt:
@IslamFrei Schon der Begriff "Musselmänner", den Sie verwenden, ist abwertend. Ihre Sprache soiegelt ihr Denken und beides ist rassistisch.
30.06.20
23:25