Italien

Kirchenkauf von Muslimen erntet Kritik

In Bergamo macht ein Anti-Moscheen-Gesetz der rechten Lega die Neueinrichtung von Moscheen so gut wie unmöglich. Mit dem Verkauf einer Kirche an Muslime wurde eine Debatte ausgelöst.

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2018
Symbolbild: Italien ©metropolico.org auf flickr.
Symbolbild: Italien ©metropolico.org auf flickr.

Der Verkauf einer leerstehenden katholischen Kirche hat in der norditalienischen Stadt Bergamo einen kleinen Konflikt ausgelöst – angestachelt von der rechten Lega. Der Streit begann im Oktober, als eine Gesundheitsbehörde die ehemalige Krankenhauskapelle zur Versteigerung ausschrieb. Der Verkäufer ging davon aus, dass sich die örtliche Rumänisch-Orthodoxe Gemeinde das Gebäude sichern würde. Sie nutzte die Kirche seit drei Jahren als Leihgabe. „Als wir im August 2015 hierher zogen, hieß es, „keine Sorge, in der Zukunft werdet ihr die Kirche direkt kaufen können““, sagte Priester Gheorghe Velescu der Deutschen Presse-Agentur.

Italien war über Jahrzehnte ein Auswandererland. Die wachsende Zahl von Migranten, die in jüngerer Zeit aus muslimischen Ländern nach Italien gekommen sind, hat zu Spannungen in der Bevölkerung geführt und der rechten Lega gute Wahlergebnisse beschert. Lega-Chef Matteo Salvini wurde Innenminister und Vize-Ministerpräsident in Rom.

„Allah wirft Jesus hinaus“

„Allah wirft Jesus hinaus“, titelte die rechte Boulevardzeitung „Libero“ zu der Kirchen-Auktion. Ihr Herausgeber Vittorio Feltri stammt selbst aus Bergamo. „Der Tempel wurde den Hassern des Westens zugeschlagen“, schrieb Feltri in einem Leitartikel.

Der lombardische Präsident Attilio Fontana von der Lega hat versprochen, die Versteigerung wieder rückgängig zu machen, damit die orthodoxen Gläubigen die Kirche weiter nutzen können. Fontana zufolge könnte die Region von ihrem Vorkaufsrecht Gebrauch machen. „Die Kirche der Brüder von Bergamo, ein Symbol des Christentums, wird erhalten bleiben“, sagte Fontana in einer Stellungnahme Ende Oktober. Er selbst habe dies Pfarrer Velescu telefonisch zugesichert.

Der mitte-links ausgerichtete Bürgermeister von Bergamo, Giorgio Gori, hält Fontanas Vorschlag bestenfalls für zweifelhaft und von antimuslimischen Vorurteilen geprägt. „Sie wollen den Verkauf nur rückgängig machen, weil ihnen der Käufer nicht gefällt“, sagt Gori der dpa. „Wenn die Rumänisch-Orthodoxen gewonnen hätten, hätte es kein Problem gegeben“, sagt der ehemaliger TV-Manager im Medienimperium von Ex-Ministerpräsident Silvio Berlusconi. „Ich denke, es handelt sich um eine sehr klare Form von Diskriminierung von Muslimen.“

„Anti-Moscheen“-Gesetz

Dennoch verstehe er die öffentliche Verärgerung über das Ergebnis der Auktion. Denn die Kirche habe sentimentalen Wert für die Einwohner der lombardischen Stadt. Dort hätten sie ihre neugeborenen Babys getauft oder für die Kranken gebetet, die im Hospital behandelt wurden. Zuvor hatte Gori die Situation als „sensationelles Eigentor“ für ein regionales „Anti-Moscheen“-Gesetz bezeichnet, das die Eröffnung neuer nicht-katholischer Gotteshäuser stark einschränkt. Das Gesetz war von der Lega auf den Weg gebracht worden.

Die Einrichtung neuer Moscheen ist so gut wie unmöglich – es sei denn, sie befinden sich an einem Ort, der schon als Gotteshaus ausgewiesen ist, wie etwa die ehemalige Krankenhauskapelle, erklärt Gori. Als diese zum Verkauf angeboten wurde, sei das eine Gelegenheit für die Muslime gewesen. „Solange wir nicht jedem einen angemessenen Platz zum Beten zur Verfügung stellen, werden wir immer wieder solche Probleme haben“, sagt Gori.

Den örtlichen „Bergamo News“ hatte Verbandssprecher Joussef Ait Abboudel gesagt, seine Gemeinde suche „mehr Autonomie, Stabilität und Würde“. Rund 400 Muslime versammeln sich derzeit in einem ehemaligen Lager für Tischlereibedarf unter einer Straßenbrücke zum regelmäßigen Gebet. Im Fastenmonat Ramadan sind es bis zu 2000 Menschen. „Wenn wir beten, wackelt der ganze Raum wegen der Lkw, die über uns her fahren“, klagt der Sprecher. (dpa/iQ)

Leserkommentare

Kritika sagt:
L.S. Wenn das sog. Anti-Moscheen-Gesetz" korrekt zustande gekommen ist, dann hat sich jeder daran zu halten, ob er es mag oder nicht. " Lex dura, sed Lex" sagten schon die Römer. Dass Mohammedaner sich immer wieder diskriminiert fühlen, kommt also nicht nur in Deutschland vor. Gruss, Kritika.
25.12.18
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