Der Bayerische Rundfunk hat seine umstrittene Dokumentation über „Islamismus“ nachträglich verändert. Nach Kritik von Eltern und der Beschwerde des Islamrats wurden Szenen entfernt, verpixelt und neu bearbeitet.

Die umstrittene BR24/KLAR-Dokumentation „Wo Islamisten Deutschland unterwandern“ beschäftigt den Bayerischer Rundfunk weiter. Neben der bereits bekannten Programmbeschwerde des Islamrat für die Bundesrepublik Deutschland sind inzwischen zwei weitere Beschwerden von Privatpersonen beim Sender eingegangen. Das bestätigte ein BR-Sprecher dem Evangelischen Pressedienst (epd).
Nach Angaben des BR richten sich die Beschwerden gegen die journalistische Herangehensweise der Reportage. Man werde sich „mit der gebotenen Sorgfalt“ mit den Schreiben auseinandersetzen und diese zeitnah beantworten.
Der Islamrat hatte vergangene Woche förmlich Beschwerde gegen die am 29. April veröffentlichte Folge eingelegt. Der Islamrat wirft dem Beitrag vor, muslimisches Leben pauschal mit Extremismus in Verbindung zu bringen. Der Vorsitzende Burhan Kesici sprach von einem „einseitigen, alarmistischen und gesellschaftlich gefährlichen“ Beitrag. Die Kritik richte sich nicht gegen die Berichterstattung über Extremismus, sondern gegen die „pauschalisierende, antimuslimische Wirkung“, die die Sendung entfalte.
Zusätzlich geriet auch die Kommentarspalte unter den YouTube-Videos in den Fokus. Nach Veröffentlichung der Dokumentation fanden sich dort zahlreiche pauschalisierende und antimuslimische Beiträge. In Kommentaren war etwa von einer angeblichen „Islamisierung“ die Rede, teilweise wurde behauptet, es gebe keinen Unterschied zwischen Islam und „Islamismus“. Andere Nutzerinnen und Nutzer forderten Einschränkungen muslimischer Religionspraxis oder begründeten ihre Unterstützung für die AfD mit den im Beitrag gezeigten Szenen.
Nach den öffentlichen Debatten wurden die Kommentarbereiche auf den Kanälen von BR24 und NDR Doku stärker moderiert. Zahlreiche Beiträge wurden gelöscht oder sind nicht mehr sichtbar. Kritiker der Dokumentation sehen darin einen Hinweis auf die problematische Dynamik, die der Beitrag in sozialen Netzwerken ausgelöst habe.
Zusätzliche Kritik entzündete sich zuletzt auch an der Elbe-Schule im Berliner Stadtteil Neukölln. Eltern und die Schulleitung hatten Medienberichten zufolge dem BR eine „manipulative Wiedergabe“ von Aussagen von Kindern vorgeworfen. Dadurch sei ein „vorgefertigtes politisches Narrativ“ bedient worden. Kritisiert wurde unter anderem, dass erfolgreiche Konfliktlösungen an der Schule im Beitrag kaum vorkämen.
Der BR weist die Manipulationsvorwürfe zurück. Die Redaktion habe die Schule von Beginn an über den Fokus der Dreharbeiten informiert. In der Sendung werde zudem ausdrücklich gewürdigt, dass sich die Schule erfolgreich für Toleranz engagiere und als „Vorzeigeschule“ gelte.
Gleichzeitig räumte der Sender Änderungen an der Dokumentation ein. Nachdem einzelne Eltern ihre ursprünglich erteilte Zustimmung zu den Dreharbeiten widerrufen hatten, seien Szenen entfernt oder nachträglich unkenntlich gemacht worden. So wurde eine Sequenz über das Fasten im Ramadan gelöscht, andere Aufnahmen mit Schülerinnen und Schülern wurden verpixelt. Die überarbeitete Version ist inzwischen sowohl in der ARD-Mediathek als auch auf den YouTube-Kanälen von BR24 und Norddeutscher Rundfunk abrufbar.
Bereits im vergangenen Jahr hatte das Format „Klar“ Debatten ausgelöst. Besonders die erste Folge mit Moderatorin Julia Ruhs über Migration war intern wie öffentlich kritisiert worden. Später distanzierte sich der Norddeutscher Rundfunk von Ruhs und verpflichtete für seine Ausgaben die frühere „Bild“- und RTL-Chefredakteurin Tanit Koch.