Berlin

Bürgermeister will Debatte über Rolle von Religion

Berlins Bürgermeister Michael Müller fordert eine intensivere Debatte über die Rolle von Religionen in der Gesellschaft. Religionsgemeinschaften hätten eine stabilisierende Funktion, die gefördert werden sollte, meint der Politiker.

03
08
2016
SPD © Metropolico.org auf flickr, bearbeitet by IslamiQ

Der Regierende Berliner Bürgermeister Michael Müller (SPD) hat eine offensivere Diskussion über den Stellenwert von Religion in Deutschland gefordert. „Wir sind ein säkularer Staat, aber Religion hat eine wichtige, ja auch eine stabilisierende Funktion§, sagte Müller der „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ (Mittwoch). Die Forderung nach einer stärkeren öffentlichen Debatte gelte „für den Islam, aber genauso für Christentum oder das Judentum“.

Weiter betonte Müller, vielleicht sei der Eindruck entstanden, dass die Kirchen nicht mehr zu den Säulen der Gesellschaft gehörten: „Das ist schade und politisch ganz sicher nicht gewollt.“ Die Religionsgemeinschaften würden als Partner für Dialog und Verständigung gebraucht.

Der Berliner Regierungschef sagte, unterschiedliche Kulturen und Religionen hätten die deutsche Gesellschaft positiv geprägt. Gefordert sei gegenseitiger Respekt. Dazu gehöre auch, sich in Kitas und Schulen beispielsweise darauf einzustellen, „dass muslimische Kinder nicht alles essen“, so der SPD-Politiker. „Natürlich wird in einem Kindergarten weiter Weihnachten gefeiert!“

Die stellvertretende Sprecherin des Auswärtigen Amts, Sawsan Chebli, sagte dem Blatt: „Ich finde, wir könnten die Kirche mal im Dorf lassen und alle ein wenig entspannter miteinander sein.“ Weiter betonte sie: „Wenn wir als Muslime wollen, dass andere unsere Religion respektieren, müssen wir Andersdenkenden auch Respekt zollen!“ Deshalb sei sie dagegen, wenn „im Kindergarten aus Rücksicht auf muslimische Kinder kein Weihnachten gefeiert“ werde.

Chebli hob hervor, anders als das Christentum gelte in Deutschland der Islam als „rückwärtsgewandt, gewaltbereit, undemokratisch, und Muslime werden als schwer integrierbar wahrgenommen“. Hierzulande würden soziale Konflikte wie Jugendgewalt und Arbeitslosigkeit zunehmend religiös aufgeladen. Die IS-Extremisten pervertierten den islamischen Glauben und nähmen „die ganze muslimische Gemeinschaft in Geiselhaft“, so die Initiatorin des Arbeitskreises Muslime in der SPD. (KNA/iQ)

Leserkommentare

Ute Fabel sagt:
Ich sehe das nicht so, dass Religionen eine stabilisierende gesellschaftliche Funktion haben. Eher treiben sie Keile durch die Gesellschaft, und das nur auf Grundlage von unterschiedlichen Mythen von der Bronzezeit bis zum Frühmittelalter, die unser Dasein in Wahrheit allesamt nicht plausibel erklären können. Ich halte selbständiges Denken und kritisches Hinterfragen für eine Tugend, bloßes Glauben eher für ein Laster. Man denke nur an den Nordirlandkonflikt und den Jugoslawienkrieg in den 1990er-Jahren, wo die Religionsgemeinschaften keineswegs ausgeglichen sondern Konflkte angeheizt haben. Die hoch säkularisierten Länder Nordeuropas haben eine viel gefestigtere Gesellschaft als viele Religionen (z.B. Nahost), wo Religion noch eine große Rolle spielt. Was das Schweinefleisch betrifft: Die Mehrheit jener Kollegen mit türkischem, arabischen und persischen Migrationshintergrund in meinem Betrieb ist es gerne. Es ist schade, dass der Berliner Bürgermeister Müller davon ausgeht, dass konservative Dogmen betreffend irrationaler Ernährungsregeln quasi ein unverrückbares Naturgesetz sind.
04.08.16
7:49
Andreas sagt:
@Ute Fabel: Die Keile durch die Gesellschaft kommen nicht von Religionen, sondern von denjenigen, die gegen die Religionen hetzen. Natürlich gibt es religiöse Menschen, die nichts hinterfragen, was mit ihrer Religion zu tun hat. Das gibt es aber auch bei nichtreligiösen Menschen. Und ebenso gibt es religiöse Menschen, die ihre Religion immer wieder hinterfragen. Und was das Schweinefleisch betrifft: Lassen Sie doch jeden essen, was er mag!
04.08.16
11:31
Manuel sagt:
@Andreas: Bei Ihnen ist man ja schon einer Hetzer, wenn man Erdogan und seine AKP-Islamisten kritisiert, die die Türkei nun in einen autoritäten islamischen Staat umwandeln.
05.08.16
12:57
Ute Fabel sagt:
@Andreas: Den Grundsatz "Lassen Sie doch jeden essen, was er mag" sollten sie den diversen - konservativen -Religionsvertretern ins Stammbuch schreiben. Diese betreiben noch immer eine eifrige Kategorisierung danach, was ihre Religionsangehörigen essen solle Die Keile durch die Gesellschaft kommen sehr wohl von den abrahamitischen Religionen. Die alte griechische Religion war da weit tolerenter, Alexander der Große wollte bei seinen Eroberungszügen bis zum Hindus niemanden zum Glauben an Zeus missionieren. Die "heiligen Schriften" sind hingegen voll von der Auseinandersetzung der vermeintlichen Rechtsgläubigen mit den Ungläubigen. Ich weiß, dass es heutzutage auch aufgeklärte und tolerante Christen, Moslems und Juden gibt. Allerdings bin ich der Überzeugung, dass diese Leute eine letztlich ein unglaubwürdiges Schönreden betreiben. Die Traditionalisten liegen näher am wahren Geist der abrahamatischen Religionen - es reicht ja die Bibel und den Koran im Originaltext zu lesen, um sich ein Bild davon zu machen.
08.08.16
8:12
Enail sagt:
Nun, die kath. Kirche hat sich reformiert und das Neue Testament ist die Grundlage. Und ich sehe das so wie Ute, dass die Keile durch Religionen in die Gesellschaft getragen werden. Allerdings weniger durch die christl. Kirchen, sondern durch den Islam. Dabei ist der Islam das erfundene Konstrukt eines Mannes, zum Nachteil der Frau, das das ganze Leben vorschreibt. Von Kleidung, Essen, Beten, Justiz, Wirtschaft, Finanzen. Und natürlich dürfen Muslime ja gar nichts hinterfragen. Immerhin ist der Koran in den Augen der Muslime das unveränderliche Wort Gottes. Schon allein die Themen, die angeblich von Gott kommen sollen, sagt mir , dass das Themen von einem Mann sind, natürlich zum Vorteil des Mannes. Wenn jemand einen Vorteil hat, dann muss es auch jemand geben, der den Nachteil hat. Und das ist in dieser vorgeschriebenen Lebensweise die Frau. Und ganz schlimm finde ich es, dass hier Männer das Kopftuchtragen verteidigen, während im Iran Frauen bestraft werden, weil sie versuchen, etwas Selbstständigkeit auszuprobieren,sich ohne Kopftuch zeigen und von ihren Männern dabei unterstützt werden. Und hier verteidigt man das Tragen desselben. Darüber sollten sich Muslime mal Gedanken machen, wie das bei Menschen ankommt, die dazu gezwungen werden, was man hier mit aller Macht und überall durchsetzen will. Und zur Toleranz gehört auch, dass man hiesige Gesetze akzeptiert, dass man in staatl. Einrichtungen auf religiöse Symbole verzichtet, und nicht für das Durchsetzen desselben vor Gericht zieht.
11.08.16
1:19