Flüchtlingszustrom

Mehr Muslime in Deutschland – Chance für Kirchen

Mit den Flüchtlingen wächst die Zahl der Muslime in Deutschland deutlich. Moscheegemeinden kommen schon an ihre Grenzen. Kirchenbänke bleiben hingegen oft leer. Wie geht es weiter mit den Kirchen?

21
07
2016
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Deutschland Flagge © by Martin Abegglen auf Flickr (CC BY-SA 2.0), bearbeitet islamiQ

Die Moscheegemeinden in Deutschland wachsen. Denn mit den Flüchtlingen kommen viele Muslime. Zugleich verlieren die großen christlichen Kirchen seit Jahren Mitglieder. Eine Entwicklung ohne ausgewogene Balance? Rechtspopulisten nutzen diffuse Ängste und machen Stimmung gegen den Islam. Experten sagen dagegen, die steigende Zahl von Muslimen berge viele Chancen.

„Für die christlichen Kirchen kann das ein Anlass zu einer religiösen Erneuerung sein. Eine Chance, gelebte Religiosität zu zeigen, statt sie verschämt wegzupacken“, sagt Jörn Thielmann, Geschäftsführer des Erlanger Zentrum für Islam und Recht in Europa. „Durch die Begegnung mit muslimischen Flüchtlingen, die religiös sind und das nach außen auch deutlich zeigen, kommt auch Bewegung in die Kirchen rein. Da ändert sich etwas im Selbstverständnis der Kirchen.“

Rund eine Million Flüchtlinge sind 2015 nach Deutschland gekommen. Mehrheitlich Muslime. Viele aus Syrien, Afghanistan, Iran, Irak oder aus dem arabischen Raum. Diese Flüchtlinge – also die „neuen“ Muslime – seien tendenziell religiöser als die große Gruppe der türkeistämmigen Muslime, von denen viele vor langem als Arbeitsmigranten ins Land gekommen seien, meint Thielmann. Religion sei oft „einziger Trost und aufrichte Kraft“, wenn man sonst alles verloren habe. Und Religion könne auch helfen bei der Integration.

Aktuelle Schätzungen gehen inzwischen von rund fünf Millionen Muslimen hierzulande aus. Zuvor war von rund vier Millionen oder auch von bis zu 4,3 Millionen Muslimen die Rede. Auch um rechten Kräften Wind aus den Segeln zu nehmen, betont die Integrationspolitikerin der nordrhein-westfälischen CDU-Fraktion, Serap Güler: „Nach wie vor ist die allergrößte Religionsgruppe in unserem Land die christliche. Auch wenn wir heute mehr Muslime haben, können wir wirklich nicht von einer Islamisierung sprechen“. Das würde gegen die Fakten sprechen, betont die Kölner Muslimin. Tatsächlich zählen die katholische und evangelische Kirche zusammen mehr als 46 Millionen Mitglieder.

Güler meint, Politik solle nicht schönreden, aber gut funktionierende Dinge stärker herausstellen, um Angst vor dem Fremden und Neid entgegenzusteuern: „Wir sind eine Solidargemeinschaft, wir lassen für den Schwächeren den Schwachen nicht zurück.“ Unabhängig von der Religionszugehörigkeit gelte: „Bei uns muss niemand von seiner Sozialhilfe auch nur einen Euro an einen Flüchtling abgeben.“

Für den Zentralrat der Muslime unterstreicht die Vizevorsitzende Nurhan Soykan: “Wir sehen uns natürlich in der Verantwortung, die Flüchtlinge zu integrieren.“ Manche Moscheegemeinde habe doppelt so viele Mitglieder wie vor der Flüchtlingskrise. Deutschland werde von der zunehmenden Pluralität profitieren, glaubt sie. Die Politik dürfe aber die Angriffe auf Flüchtlingsunterkünfte, Moscheen und Übergriffe auf Muslime nicht unter den Teppich kehren und müsse stärker gegen Fremdenfeindlichkeit vorgehen. Soykan stellt klar: „Deutschland wird nie ein islamisches Land werden. Das ist Quatsch.“

Dietmar Molthagen, Islamexperte der Friedrich-Ebert-Stiftung, sagt: „Wir sind jetzt im Prozess der Erkenntnis, dass sich unser Land durch Einwanderung verändern wird. Und mit den eingewanderten Flüchtlingen wird auch die islamische Religion noch sichtbarer.“ Das werde auch Konflikte befeuern, glaubt er mit Blick etwa auf Kopftuchdebatte oder häufige Proteste beim Bau repräsentativer Moscheen. Dennoch ist er optimistisch für die Zukunft – und plädiert für Begegnung und Kennenlernen, denn: „Ausländerfeindliche Einstellungen sind tendenziell dort weit verbreitet sind, wo es nur wenig Muslime und Ausländer gibt.“

Thielmann appelliert an Politik und Medien, nicht jede „doofe Anti-Islam-Äußerung“ aufzugreifen. Religionsfreiheit und Religionsausübung – auch kollektiv und im öffentlichen Raum – seien verfassungsrechtlich geschützt und unantastbar. Statt „stereotypem Unfug“ eine öffentliche Bühne zu geben, rät er: „Gegen Islamophobie hilft: Reingehen in die Flüchtlingsunterkünfte oder Moscheen und Muslime kennenlernen.“ Und betont: „Wir sind Lichtjahre von Überfremdung entfernt.“ (dpa/iQ)

Leserkommentare

Enail sagt:
Ich persönlich brauche keine Rechtspopulisten um zu sehen wie versucht wird, hier diese Ideologie zu installieren. Das kann ich jeden Tag auf unseren Straßen sehen. Und wenn ich bei einer Demonstration nach dem Putsch in der Türkei Schilder sehe, auf denen zu lesen ist, dass der Islam siegen wird, dann weiß ich welch Geistes Kind dort und auch hier auf den Straßen ist. Es geht nicht um Demokratie und ein friedliches Zusammenleben, es geht darum, das zu erfüllen, was der Auftrag des Islam ist. Die gesamte Welt unter diese Ordnung zu werfen, die keine Ordnung ist, was man in islamischen Ländern klar erkennen kann. Und ich frage mich schon, warum man mit allen Bevölkerungsgruppen keine Probleme hat. Aber mit Menschen,die ihren Glauben über alles stellen, und das sind nun mal der Großteil der Muslime, wird es immer Probleme geben, denn die Umsetzung ihrer Forderungen in Bezug zur Religiösität stößt in Demokratien immer wieder an Grenzen. Allein schon durch die Trennung von Geschlechtern kann dies in einer westlich orientierten Welt nicht klappen. Das sture Beharren auf Vorschriften, die nicht von Gott kommen, fördert ein Zusammenleben auch nicht gerade. Klar ist mir eigentlich schon, warum viele Muslime ausgerechnet nach dem verhassten Westen kommen, denn es gäbe ja auch genug islamische Länder in die man gehen könnte. Es wird versucht, auch Europa zu unterwerfen. Und da kann mir hundertmal gesagt werden, dass das dubiöse Ängste sind. Sie sind real, wenn ich ständig die Forderungen höre und sehe. Und ich habe kein Problem mit Überfremdung, mir sind alle Menschen gleich lieb und gleich wert, solange sie ihre Religion zuhause lassen. Und dass der Islam den Menschen keinen Segen bringt, kann man auf der ganzen Welt erkennen.
22.07.16
8:20
Marek sagt:
Welche Chancen soll denn die Zuwanderung von Muslimen bringen? Die Chance, leichter von einem Selbstmordattentäter bei einem Konzert im Namen des Islam getötet zu werden? Oder in einem Zug mit einer Axt erschlagen zu werden? In einem Einkaufscenter erschossen zu werden? Oder als Frau mit einer Machete ermordet zu werden, weil ich die Anmache eines Moslems abweise? Was sind das denn für Chancen? Erst kürzlich hat ein türkischer Sunnit und Erdogan-Anhänger im Zusammenhang mit dem Lynchen und Foltern von türkischen Soldaten, die vermeintlich in den Putsch verwickelt sein sollen, etwas von orientalischer Mentalität gefaselt. Auf solch eine mörderische orientalische Mentalität als Chance für Deutschland kann ich verzichten. Ich möchte es zivilisiert. Wer von einer Frau abgewiesen wird, hat das gefälligst zu akzeptieren. Wer sich umbringen will, soll das tun, aber andere bitte da raus halten. Wer mit unserer Mentalität von Rechtstreue und Rechtsstaatlichkeit nicht klar kommt, soll einfach in ein Land gehen, in dem seine orientalische Mentalität erwünscht ist. Hier ist sie es nicht.
25.07.16
14:00